Glattfelden

Schüsse zu Entenbrust und Maispoularde

Der Kämmereisaal im Hotel Riverside war mit 160 Gästen bis auf den letzten Platz besetzt. Während eines edlen Vier-Gang-Dinners galt es, einen Mordfall aufzuklären.

Mitten im Essvergnügen liegt plötzlich ein toter Mann. Alle Anwesenden im Räum sind tatverdächtig, auch das Publikum.

Mitten im Essvergnügen liegt plötzlich ein toter Mann. Alle Anwesenden im Räum sind tatverdächtig, auch das Publikum. Bild: Sibylle Meier

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Punkt sieben Uhr geht es los. Die Gäste stossen mit einem Glas Wein auf einen spannenden Abend an. Krimi-Dinner «Mord am Filmset» nennt sich der Anlass. Dramatische Filmmusik mit Schüssen im Hintergrund ertönt. «Die Statisten sind alle schon da», verkündet Regisseur Rüdiger Emmerich und bittet um Applaus für die Hauptdarsteller. Mit Atem- und Stimmübungen sowie der richtigen Kiefertechnik geht es weiter. Das Publikum lässt sich sofort auf das Spiel ein, wird im Nu Teil des Filmteams, welches gerade den Krimi «Fahr zur Hölle, mein Schatz!» dreht.

Ein freiwilliger Helfer, welcher die Klappe bedient, wird bestimmt und erledigt seine Aufgabe mit Bravour. «Szene 49, Take zwei», sagt er und lässt die Klappe fallen. Die schüchterne «Killerin» Katja Niemann zielt mit der Pistole auf den selbstverliebten Hauptdarsteller Leander Laussmann. Schüsse fallen. Leander ist tot. So richtig tot, denn in der Pistole war statt Platzpatronen scharfe Munition.

Alle Anwesendensind verdächtig

«Szene aus.» Die Schauspieler der Gruppe Freistil verlassen den Raum. Serviert wird zu Scheibchen geschnittene Entenbrust an Blattsalat mit matschigem Mangochutney und blutroter Himbeervinaigrette. Die Gäste sind amüsiert, doch noch bleiben sie eher beim Smalltalk und loben die Entenbrust. Als Licht und Musik wieder angehen, taucht der unfähige Polizeichef Dieter Drösel auf, der im Mordfall ermittelt. «Die Tür der Garderobe war unverschlossen – auch die Statisten kommen als Mörder infrage.» Etliche Anwesende werden verhört, doch schliesslich wird Katja festgenommen. Immerhin kennt sie als Einzige den ominösen Leberfleck am Rücken des toten Leander.

Bei mörderisch guter Kürbiscremesuppe unter einem Sargdeckel aus Rahm und Kürbisöl werden erste Vermutungen aufgestellt. Christine Schreiber aus Oberembrach tauscht sich mit Kollegin Elisabeth Giesch aus Nürensdorf aus. «War der Täter allenfalls sogar der Regisseur?» In der dritten Szene ist das Publikum Teil einer Varietéveranstaltung mit der divenhaften Schauspielerin Nina Voss im Mittelpunkt. Aus dem Kostümkoffer werden Hüte verteilt und Federboas umgehängt. Regisseur Emmerich gibt Textblätter ab und weist die Statisten an. «Ein bisschen mehr Emotionen», bittet er. Ein weiterer Verdächtiger kommt mit dem Nebendarsteller Detlev Ruck ins Spiel, denn dieser hätte selbst gern die Hauptrolle gespielt. Oder hat doch Nina ihren Gatten aus Eifersucht getötet?

Serviert wird nun Maispoulardenbrust, ausgestopft mit ausgedörrten Tomaten an einer heimlichen Affäre aus saisonalem Gemüse und Pommes Williams. Ewald Benz aus Dietlikon kann noch keinen Tipp zum Mörder abgeben. «Ich bin völlig gespannt, wie es ausgeht.» Die Idee mit dem Einbezug des Publikums findet er sehr gelungen. «Das Leben ist ernst genug. Heute Abend kann man wieder mal so richtig lachen.»

In der vierten und letzten Szene wird alles nochmals eine Spur verwirrender. Ein Schlüssel taucht auf, verdächtig ist inzwischen beinahe jeder, sogar die anwesende Journalistin, welche auch kurz in der Garderobe der Schauspieler war. Tipps dürfen schriftlich abgegeben werden. War es Nina, welche am meisten Grund für einen Mord hatte? Oder doch der Regisseur, welcher bis jetzt wenig Anerkennung für seine Arbeit erhielt? Oder beging Detlev vielleicht Selbstmord, um einem anderen die Schuld zuzuschieben? Die Spannung bleibt bis zuletzt erhalten. Kurz vor elf Uhr steht fest, wer im Riverside geschossen hat. Nun ist es Zeit für den letzten Gang – dunkle Toblerone-Mousse mit einem goldenen Schuss Passionsfruchtsauce und giftgrüner Minze.

Einen riesigen Raummit Präsenz füllen

Für Schauspieler Achim Freund ist es eine Herausforderung, im grossen Kämmereisaal zu spielen. «Wir müssen diesen riesigen Raum mit unserer Präsenz füllen.» Es mache aber viel Spass, zu sehen, wie das Publikum mitgehe. Freund spielt am heutigen Abend gleich drei verschiedene Rollen, ist als Leander, Detlev und Polizeichef Drösel zu sehen. Das Stück geschrieben hat Christian Schulz alias Regisseur Emmerich. Die dritte im Bunde ist Nicole Djandji-Stahl, welche die Rollen von Katja und Nina spielt – zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Bis zum vierten Akt sei das Stück immer gleich, erzählt Achim Freund. «Doch ab Mitte des vierten Akts lassen wir das Stück jeweils anders enden.» So lasse sich vermeiden, dass die Gäste im Voraus zu wissen bekommen, wer der Mörder sei.

Erstellt: 28.01.2019, 12:17 Uhr

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