Kloten

Seine Kinder sollen sich langweilen müssen

«Ein Digital Native erklärt seine Generation», so lautete der Titel eines Referates von Philipp Riederle am Montagabend. Damit inspirierte der Unternehmensberater die Besucher im grossen Saal des Klotener Schluefwegs zum Nachdenken.

Bereits als 13-Jähriger erklärte Philipp Riederle im weltweiten Netz, wie man ein iPhone hackt.

Bereits als 13-Jähriger erklärte Philipp Riederle im weltweiten Netz, wie man ein iPhone hackt. Bild: Fabian Moor

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In Scharen strömten die Leute in Richtung Klotener Schluefweg. Allerdings lockte sie das Wetter ins Freibad und nicht in den über 500 Personen fassenden Saal, in welchem Philipp Riederle, der mit 21 Jahren wohl jüngste Unternehmensberater des deutschsprachigen Raumes, einen Vortrag hielt mit dem Titel «Wer wir sind und was wir wollen – Ein Digital Native erklärt seine Generation». Organisiert wurde der Anlass vom Elternrat Oberstufe Nägelimoos Kloten, der im Vorfeld kräftig die Werbetrommel rührte: «Wir haben allen 1762 Klotener Schülern einen Flyer mitgegeben, auch in den Nachbarsgemeinden Plakate aufgehängt und Vorschau-Artikel in den lokalen Medien platziert», gibt Soraya Bachmann vom Elternrat Auskunft.

Langeweile fördert die Persönlichkeitsbildung

Dass der Raum schliesslich nur etwa zu einem Viertel gefüllt war, tat weder der Qualität des Vortrages, noch der Stimmung des Publikums einen Abbruch. Gebannt lauschten sie den rhetorisch perfekt dargebotenen Erkenntnissen Riederles, der seine Präsentation mit knackigen Power-Point-Folien untermalte. Die meisten seiner Aussagen sind einleuchtend und viele prägen sich ein, sodass man auch Tage danach an ihnen herumstudiert oder mit Freunden und Bekannten darüer spricht. «Darüber zu diskutieren, ob die Digitalisierung ein Fluch oder ein Segen sei, macht keinen Sinn, denn sie ist ein Fakt und wird nicht mehr weggehen», sagt er. Die entscheidende Frage sei es doch, wie sie sich auf unsere Lebensqualität auswirke und wie wir damit umzugehen haben, dass wir eben einen Nutzen daraus ziehen können.

Riederle lieferte Beispiele für Chancen und Nutzen, sprach über Cyber-Mobbing, Erfolgsgeschichten und auch über die Langeweile: «Meine Kinder werden sich später wohl oder übel ziemlich oft langweilen müssen», sagt er. Denn die Langeweile sei ein extrem wichtiger Faktor in der Persönlichkeitsbildung. Geistige Reife werde vor allem dadurch erreicht, dass man sich Gedanken zu den verschiedensten Themen mache und sich selbst zu beschäftigen wisse. «Deshalb werden meine Kinder bis zu einem gewissen Alter kein Smartphone besitzen und auch dann eine Tageslimite aufgebrummt bekommen.»

Revolution im Bildungswesen

Direkt im Anschluss an die Präsentation wurden neben Riederle noch Klotens Schulpräsident Roger Isler, der Präsident der SVP-Kloten Kurt Hottinger, Denise Müller, HR-Chefin von «Switzerland Global Enterprise» und die vierzehnjährige Schülerin Sophie Wallschläger auf die Bühne gebeten. In der Podiumsdiskussion kam die Gruppe schliesslich beim Thema «alternative Bildungssysteme» an. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass der Output der Schulen nicht den Erwartungen der Wirtschaft entspräche.

Dabei erzählte Riederle von einem interessanten Ansatz, der allerdings die Meinungen auf dem Podium, wie auch im Publikum spaltete: «turning learning upside down» werde diese Art des Lernens im englischsprachigen Raum genannt, wo bereits erste Versuche durchgeführt worden seien. «Weshalb geht man in Schulen, um in Klassen von Lehrern zu lernen, die in den meisten Gebieten Laien seien, wenn man die Kinder bei der Neugierde packen könnte», fragt Riederle. Das Internet böte nämlich Antwort auf alle Fragen und man habe die Möglichkeit mit Videos von echten Experten zu lernen. In der Schule würde das angeeignete Wissen vertieft und Unklarheiten von sogenannten «Lerncoaches» geklärt. Sophie Wallschläger war sofort begeistert von dieser Idee.

Als die Zuschauer nach über drei Stunden aus dem Saal kamen, schienen sie in erster Linie inspiriert zu sein: «Ich dachte zuerst, Riederle erzählt genau dasselbe, wie meine Eltern immer», sagt der 14-jährige David Ostojic aus Kloten und schmunzelt. Er habe aber sehr viel lernen können und habe sich vorgenommen, in Zukunft disziplinierter mit seinem Smartphone umzugehen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.07.2016, 17:29 Uhr

Zur Person

Bereits mit 13 Jahren feierte Philipp Riederle grosse Erfolge im Netz. In seinem ersten Video erklärte er beispielswseise wie man iPhones hackt. Der riesige Anklang auf dieses Videos brachte ihn dazu, den Podcast «Mein iPhone und ich...» ins Leben zu rufen und weitere Videos zu diesen Themen ins Netz zu stellen. Schon bald wurde er von grossen Unternehmen angefragt, weshalb er denn so viele Leute erreiche. Mittlerweile arbeitet der 21-jährige Deutsche bereits an seinem zweiten Buch und feiert als Unternehmensberater und Gast-Redner Erfolge im gesamten Deutschsprachigen Raum. Er wohnt zurzeit in Friedrichshafen am Bodensee und studiert dort Soziologie, Politik und Ökonomie. (fmo)

www.philippriederle.de

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