Steinmaur

Selbst die Hühner tragen zum solidarischen Gärtnern bei

Mit Gleichgesinnten Gemüse anbauen, die Felder mit Hühnermist düngen und als Lohn frische Rüebli, Kartoffeln und Eier: Für die Mitglieder des Vereins Erbsenpicker geht die Rechnung auf – und für die Natur auch.

Die Appenzeller Barthühner helfen dem Verein um Stephania Steuerwald (links) und Mirjam Angehrn bei der Schädlingsbekämpfung und produzieren Dünger.

Die Appenzeller Barthühner helfen dem Verein um Stephania Steuerwald (links) und Mirjam Angehrn bei der Schädlingsbekämpfung und produzieren Dünger. Bild: Paco Carrascosa

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Vor Kälte geschützt spriessen Setzlinge von Fenchel, Rosenkohl und Stangensellerie in einem Gewächshaus im Steinmaurer Ortsteil Sünikon. Auf dem Acker unweit des Dorfes sind erst die Kartoffeln in der Erde. Für den Verein Erbsenpicker hat die dritte Feldsaison seit der Gründung 2017 begonnen. 30 Sorten Gemüse werden die Vereinsmitglieder über die Saison verteilt auf gut einem Viertel Hektare Ackerland anbauen: biologisch, mit viel Handarbeit – und mit viel Herzblut.

Erwachsene und Kinder packen alle bei der Feldarbeit an, beim Säen, Setzlinge stecken, Giessen und auch beim Schnecken und Käfer von den Pflanzen ablesen. Als Lohn winkt den Feldarbeiterinnen und -arbeitern während rund 30 Wochen im Jahr frisches Gemüse und Eier von den vereinseigenen Hühnern. Je nach Grösse des Gemüsekorbes bezahlen sie einen Jahresbeitrag von 500 bis 1200 Franken.

Das Konzept des Vereins Erbsenpicker ist eine solidarische Landwirtschaft mit Konsumenten, die für die Produktion ihres Gemüses mitverantwortlich sind. «Die Feldarbeit sensibilisiert die Konsumenten für die Natur und schafft Verständnis für die knochenharte Arbeit der Produzenten», wie Vereinspräsidentin Mirjam Angehrn sagt. Erst seit sie im Verein mitmacht sei ihr so richtig klar geworden, dass jedes Gemüse seine Saison hat. «Wenn im Laden alles zu jeder Jahreszeit erhältlich ist, so ist das nicht natürlich produziert», sagt die Expertin für Technische Versicherungen aus Steinmaur.

Umweltbewusste Kinder

Die Naturerfahrung beschert den Mitgliedern nicht immer nur heitere Erlebnisse. Als ein Kartoffelkäfer die Felder befallen hatte, mussten sie die gefrässigen Tiere in Handarbeit von den Pflanzen ablesen. «Das war eine sehr mühsame Arbeit», weiss Stephania Steuerwald, die wie ihre Kollegin im Vorstand tätig ist. Doch das Beispiel zeige auch: Wenn Tiere über das Gemüse herfallen, sei das eigentlich ein gutes Zeichen. «Man muss damit leben können, dass das Gemüse halt etwas angefressen wird», sagt die Dielsdorferin. So habe sie sich riesig gefreut, als sie einmal an einem frühen Morgen auf dem Acker einen Feldhasen entdeckte, der an einem Kohl knabberte.

Spürt der Verein eigentlich die grüne Welle, die derzeit über die Politik schwappt? Vereinspräsidentin Mirjam Angehrn überlegt und sagt dann: «Die Mitgliederzahlen sind nicht stark gestiegen - noch nicht vielleicht.» Bemerkenswert findet die Mutter einer 11-jährigen Tochter aber das Umweltbewusstsein der Kinder und Jugendlichen, die im Verein mitmachen. Ob das als Folge der aktuellen Klimabewegung zu werten ist, sei schwierig zu sagen. «Den Trend Richtung vegetarischer oder sogar veganer Ernährung merken wir aber schon.»

Gemüse für 70 Personen

Steuerwald sieht gerade auch bei Familien mit Kleinkindern eine grosse Bereitschaft, sich für eine naturnahe Nahrungsmittelproduktion zu engagieren. «Viele fragen sich, wie es mit unserem Planeten weitergehen soll», sagt die Mutter zweier Kinder. Im Gründungsjahr 2017 startete der Verein mit 20 Erwachsenen und einer Schar Kindern. Bis heute ist die Mitgliederzahl auf 60 Erwachsene angestiegen. «Wir haben noch Platz für weitere Mitglieder», sagt Angehrn. «Dieses Jahr haben wir für 70 Personen angesät.» Die Mitglieder – viele Familien mit Kindern aber auch Pensionierte – stammen zumeist aus der Region. Das fachliche Wissen bringt Christian Dünki mit. Der Hof mit dem Treibhaus und das Feld gehören seinem Vater. Der Steinmaurer Forstingenieur setzt in Absprache mit dem Vereinsvorstand den Anbauplan fest, organisiert das Saatgut und die nötigen Gerätschaften.

Die Kosten im Griff

Finanziell geht das Projekt gerade so auf, wie Angehrn sagt. Auf der Kostenseite zu Buche schlagen das Saatgut, die Pacht fürs Feld und die Miete für die Maschinen. Auf der Einnahmeseite stehen die Mitglieder- und Gönnerbeträge, was gerade ausreicht, um den zwei Vereinsmitgliedern, auf die der Löwenanteil der Arbeit fällt, ein kleines Pensum zu bezahlen.

Erstellt: 08.04.2019, 18:52 Uhr

Erbsenpicker

So funktioniert der Verein

Mit dem solidarischen Gärtnern will der Verein Erbsenpicker während rund 30 Wochen im Jahr Gemüse und Eier für seine Mitglieder bereitstellen. Jedes Vereinsmitglied hilft mit mindestens fünf Einsätzen von gut zwei Stunden Dauer pro Saison beim Säen, Jäten, Wässern und Ernten. Gemüse und Eier können sie wöchentlich in Sünikon abgeholen. Der Verein kann keine bestimmte Menge garantieren: In schlechten Zeiten sind Abstriche bei Menge und Qualität in Kauf zu nehmen. Infos gibts unter erbsenpicker.ch.

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