Bülach

Sir Hugo Brunner nimmt Abschied

Sir John Brunner hat vor 118 Jahren den Bau des Spitals Bülach ermöglicht. Am Mittwoch hat die Familie seines Urenkels Sir Hugo das Brunnerstift besucht, vermutlich zum letzten Mal.

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Ein wenig Wehmut machte sich in der Besucherdelegation im Spital Bülach doch noch breit. Ob denn nicht einer dieser berühmten Schweizer Architekten das Brunnerstift in den geplan­ten Neubau integrieren könne, wollte eine Dame wissen.

Dieses Brunnerstift hatte ihr Vor­fahre Sir John Brunner einst der Stadt Bülach gespendet und damit den Grundstein zum heutigen Spital gelegt. «Wir mussten uns entscheiden, zwischen einer guten medizinischen Versorgung und einem Erhalt des alten Gebäudes», erklärte ihr Rolf Gilgen, Direktor des Spitals Bülach.

Einladung des Direktors

Er ist es auch, der die Idee gehabt hatte, die Familie jenes Mannes, der das Gebäude im Jahr 1900 gestif­tet hatte, zu einer Art Abschiedsbesuch einzuladen. «Es war mir wichtig, dass sie weiss, weshalb das Brunnerstift weichen muss.» Einfach niederreisen und nachher sagen, es sei weg, das hätte er nicht gekonnt: «Dafür ist meine Ehrfurcht zu gross.»

Aus England, den USA und sogar Australien sind elf Nachfahren des einstigen Mäzens nach Bülach gekommen, angeführt von Urenkel Sir Hugo Brunner mit Gattin.

Einblicke in 118 Jahre

Sie alle konnten sich dabei persönlich überzeugen, dass das 118-jährige Brunnerstift nicht mehr für zeitgemässe medizinische Zwecke fit gemacht werden kann. «Man darf ja nicht mal mehr dar­in übernachten», sagte Gilgen, während er die Delegation über die von der Last der Jahre durchgetretenen Böden und Treppen ins ungenutzte Obergeschoss führte. Weil der Heimatschutz mit seinem Begehren auf Erhalt im November abblitzte, ist nun der Weg für einen 200-Mil­lionen-Ersatzneubau geebnet. Mehr Betten werde es nicht geben, erfuhren die Brunners. «Ambulant statt stationär» laute heute die Devise. Deshalb sei es wichtig, dass man nicht bereits vor ein paar Jahren mit der Planung des Neubaus begonnen habe.

An verschiedenen Stationen bekamen die Besucher Einblicke in die Geschichte und Gegenwart des Spitals. Sie erfuhren unter ande­rem, dass dieses in seinen Anfängen als Krankenasyl von zwei Diakonissinnen geführt wurde. Sie behandelten pro Jahr 90 Patienten. Heute beschäftigt das Spital 1100 Angestellte. Diese kümmern sich um rund 10 600 stationäre und 69 000 ambu­lante Patienten.

Ehre für den Stifter

Im spitaleigenen Museum zeigte sich Urenkel Hugo Brunner beson­ders beeindruckt davon, dass nicht nur einem grossen Porträtbild seines Urgrossvaters, son­dern auch dessen Biografie ein Ehrenplatz bewahrt wird.

Auch die Angestellten von Rettungs­dienst und Pflegestation empfingen den 83-Jährigen mit seiner Familie und gewährten einen Einblick in ihre Arbeit. Dieser zeigte trotz des dichten Programms – am Morgen war eine Stadtführung durch Bülach auf dem Programm gestanden – und der Hitze keinerlei Ermüdungserscheinungen. Er und seine Mitreisenden wollten genau wissen, wie es denn nun mit dem Ausbau des Spitals weitergeht. Derzeit laufe der Architekturwettbewerb, die Jury werde im November den Entscheid fällen, erfuhren sie von Direktor Gilgen. Wenn alles rund laufe, sei das von ihrem Urgross­vater gestiftete Gebäude im Jahr 2024 durch einen Neubau ersetzt. «Sie sind bereits ­heute zur Eröffnung eingeladen», versprach er.

Heiliges Wasser aus Bülach

Bülach sei eine wunderbare Stadt, fand denn auch Sir Brunners Gattin Marie-Rose. Es sei bereits ihr zweiter Besuch hier, vom ersten habe sie noch immer ein Fläschchen echtes Bülacher Brunnenwasser aufbewahrt. Die­ses­ verwende sie ausschliesslich zur Wunddesinfektion: «Es ist für mich fast ein wenig heilig.»

Erstellt: 19.07.2018, 10:14 Uhr

Ein grosszügiger Spender

John Brunner war der Sohn eines Bülacher Lehrers, der 1831 nach England ausgewandert war. Mit 16 Jahren wurde John nach Zürich geschickt und blieb fortan mit der Heimat seines Vaters verbunden. Zurück in Liver­pool, gründete er mit einem Freund den Chemiekonzern ICI, der seit 1927 zu einem der grössten der Welt wurde. Für seine Verdienste um den englischen Kapitalismus belohnte Köni­gin Viktoria ihn mit einem Adelstitel. Zu Ehren seines in Bülach­ aufgewachsenen Vaters stiftete Sir John Brunner seiner Vaterstadt die damals enorme Summe von 5000 Pfund Sterling, das entsprach rund 126 000 Schweizer Franken, zum Bau eines Spitals. Am 8. Juli 1900 legte er persönlich den Grundstein. Am 3. Dezember 1901 konnte das Asyl bezogen werden. Heute ist das Gebäude vom Spital Bülach mit all seinen Bettenhäusern und Nebengebäuden umgeben. In den kommenden Jahren wird es jedoch einem Neubau weichen. Die Spital Bülach AG plant an seinem Standort einen Ersatzneubau. Dort werden alle hochmedizinischen Bereiche wie die Notfallstation, der Operationstrakt und die Inten­sivpflegestation untergebracht. Mit dem Baubeginn ist gemäss heutigem Stand nicht vor Mitte 2021 zu rechnen.

Hugo Brunner

Sir Hugo Brunner (1935) stu­dierte Geschichte und arbeitete lange Zeit im Verlagswesen. Zwischen 1996 und 2008 war Brunner Lordleutnant in Oxfordshire und damit persönlicher Repräsentant der britischen Königin in dieser Verwaltungseinheit. Brunner erhielt 1999 den Ehrendoktortitel der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Oxford-Brookes-Universität. Heute lebt Sir Brunner mit seiner Frau im Norden Oxfords.

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