Finanzausgleich

So fliessen die Ausgleiche 2019

193,5 Millionen Franken. Diese Summe fliesst für 2019 total in die Kassen der steuerschwächeren Unterländer Gemeinden. Das sind 32,1 Millionen mehr als noch für 2018.

Netto fliessen 2019 für jeden Unterländer 570 Franken aus dem Finanzausgleichstopf in die Region. Für 2018 waren es noch 480 Franken.

Netto fliessen 2019 für jeden Unterländer 570 Franken aus dem Finanzausgleichstopf in die Region. Für 2018 waren es noch 480 Franken. Bild: Paco Carrascosa

Die derzeit 168 Gemeinden des Kantons Zürich bilden eine Art Solidargemeinschaft, zumindest dort, wo es um Steuergelder geht. Wer dank potenter Steuerzahler (etwa Firmen) mehr als der Durchschnitt einkassiert, zahlt Geld in einen Topf ein, aus dem die steuerschwächeren Gemeinden einen Batzen beziehen; eine eigentliche Robin-Hood-Methode. Allerdings: Einen grossen Teil des Topfs füllt der Kanton auf.

Konkret werden für das kommende Jahr 806,3 Millionen Franken von den Gemeinden in den Topf einbezahlt, während 1,3 Milliarden an Ausgleichs­beträgen bezogen werden. Dabei ist anzumerken, dass allein die Städte Zürich und Winterthur zusammen über 600 Millionen Franken beziehen (wenngleich Zürich gleichzeitig wieder gut 275 Millionen einzahlt).

36 von 44 sind Bezüger

Wer wie viel Geld aus dem Topf erhält, ist in erster Linie abhängig von der relativen Steuerkraft. Diese Kennzahl ergibt sich aus dem Steuerbetrag, der im Schnitt pro Einwohner einer Gemeinde bezahlt würde, wenn der Steuerfuss 100 Prozent betrüge (siehe Kasten). Im Unterland lag dieser Wert 2017 bei 3382 Franken pro Kopf – das sind zwar 112 Franken mehr als noch im Vorjahr, aber es sind eben auch 387 Franken weniger als der kantonale Durchschnitt.

So erklärt sich grob, warum die Region mehrheitlich aus Nehmergemeinden besteht. Zwar zählen mit Dietlikon, Opfikon, Wallisellen und Kloten gleich vier grosse Glattaler Kommunen zu den überdurchschnittlich steuerkräftigen Gemeinden und damit zu den Gebern, die Geld in den Ausgleich einzahlen müssen (Abschöpfung). Das reicht aber bei weitem nicht aus, um den Rest der Region auszugleichen. So werden im kommenden Jahr 36 der 44 Gemeinden Ausgleichsgelder erhalten. Als «Nullergemeinden» werden Nürensdorf und Regensberg weder Ausgleich beziehen noch in den Topf einzahlen.

Zürichsee hob den Schnitt

Für das laufende Jahr flossen 161,4 Millionen Franken ins Unterland. Für das kommende Jahr werden es 193,5 Millionen sein – fast 20 Prozent mehr. Und das, obschon sich die Steuerkraft der Region nicht etwa verschlechtert hat, sondern sich in den jeweiligen Berechnungs­jahren (also von 2016 auf 2017) um 3,4% erhöhte. Die Erklärung: Das kantonale Mittel ist deutlich stärker, nämlich um 4,9% an­gewachsen. Die Ursache dafür ist in erster Linie bei gut betuchten Steuerzahlern rund um den Zürich­see zu suchen. Weil der Kantonsschnitt so deutlich nach oben gedrückt worden ist, hat sich der Abstand zum Unter­länder Schnitt entsprechend vergrössert – und daraus er­geben sich unter dem Strich höhe­re Beiträge.

Der Vergleich unter den einzelnen Gemeinden zeigt indessen naturgemäss grosse Unterschiede. So gibt es durchaus Gemeinden, in denen die Steuerkraft von 2016 auf 2017 gesunken ist: in Bachen­bülach (um 280 Fr. pro Kopf) etwa, in Regensdorf (um 289 Fr.) oder in Weiach (um 292 Fr.). Der Ressourcenausgleich fällt 2019 entsprechend noch ­höher aus.

Das grosse Schwanken

Ein Beispiel für grosse Schwankungen in den Ausgleichszahlen liefert die Flug­hafenstadt Kloten. Aufgrund der zahlreichen juristischen Personen (Firmen) gehört sie traditionell zu den Gebergemeinden des Finanzausgleichs. Die vielen Unternehmungen machen jeweils zwischen knapp 40 und über 60 Prozent des Steuerertrags aus. Und weil Unternehmungen je nach Bilanz mal mehr und mal weniger zu versteuern haben, hat das grosse Auswirkungen auf den Ressourcenausgleich: Kloten musste 2017 insgesamt 33,3 Millionen Franken in den Ausgleich einzahlen, für 2018 waren es dann nur noch 9,7 Millionen, für 2019 werden es wieder 29,3 Millionen Franken sein.

Geber finanzieren das Furttal

Alle sechs Unterländer Geber­gemeinden zusammen – zu den bereits angesprochenen Glat­taler Gemeinden gesellen sich noch Winkel und Neerach – werden im kommenden Jahr 57,9 Millionen Franken an Abschöpfungen zu zahlen haben, gegenüber 48,6 Millionen im Vorjahr. Diese Summe könnten sie eigentlich direkt ins Furttal überweisen. Die sieben Gemeinden dort (Regensdorf, Boppelsen, Buchs, Dällikon, Dänikon, Hüttikon und Otelfingen) beziehen nämlich zusammen 57,1 Millionen Franken aus dem Topf.

Zieht man die 57,9 Millionen vom obgenannten Total aller Ausgleichszahlungen (193,5 Millionen) ab, sind es netto noch 135,6 Millionen, die in die Region überwiesen werden. Das sind pro Unterländer 570 Franken, wobei in Bachs, Oberglatt oder Rorbas mehr als 2000 Franken pro Einwohner anfallen.

Florian Schaer (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.07.2018, 10:06 Uhr

Finanzausgleich 2019

So wird gerechnet

Die relative Steuerkraft pro Kopf von 2017 ist die Berechnungsgrundlage dafür, wie viel Ressourcenausgleich eine Gemeinde 2019 erhält. Sie wird ins Verhältnis zum kantonalen Mittelwert gesetzt. Liegt der Wert der ­Gemeinde unter diesem Schnitt, wird so viel an Ausgleich bezahlt, bis die Gemeinde über den Betrag verfügt, der an Steuern eingenommen worden wäre, wenn ihre Steuerkraft 95% des Kantonsmittels betragen würde. ­Gemeinden mit einer Steuerkraft von mehr als 110% des Kantonsmittels zahlen in den Ausgleichstopf ein.

Zum Finanzausgleich gehören auch die Sonderlastenausgleiche: Gemeinden, die einen überdurchschnittlich hohen Anteil an unter 20-jährigen Einwohnern haben, erhalten einen demografischen Sonderlastenausgleich, Gemeinden mit einer unterdurchschnittlichen Einwohnerdichte einen ­geografisch-topografischen Sonder­lastenausgleich.

Lesebeispiel: Wasterkingen weist für 2017 eine relative Steuerkraft von 2130 Franken aus. Das kantonale Mittel lag bei 3769 Franken. Davon 95% ergibt 3580.55 Franken. Die Differenz beider Werte (1450.55 Franken) wird mit der Einwohnerzahl (Wasterkingen: 574) multipliziert, was den einfachen, absoluten Zuschuss ergibt (832 615.70 Fr.). Um auszurechnen, was tatsächlich überwiesen wird, muss dieser noch mit dem Gesamtsteuerfuss von 2017 (Wasterkingen: 108%) multipliziert werden. Waster­kingen bezieht 2019 also 899 225 Franken an Ressourcenausgleich.

Ein demografischer Sonderlastenausgleich steht dem Dorf nicht zu, wohl aber gibts noch 278.62 Franken an geografisch-topografischem Sonderlastenausgleich pro Einwohner. Damit liegt das Gesamttotal des Finanzausgleichs für Wasterkingen bei 992 205 Fr. Das entspricht 1729 Franken pro Einwohner und ist nur unwesentlich weniger als der Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019. (red)

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