Bülach

«Wir sind in einer Position der Stärke»

Die Vetropack-Gruppe kämpft mit dem starken Franken. Ausserdem macht der Verpackungsglasherstellerin die Si­tua­tion ihres Werkes in der Ukraine Sorgen. Trotzdem schaut CEO Claude Cornaz zuversichtlich in die Zukunft.

Vetropack-CEO Claude R. Cornaz schaut trotz angespannter Wirtschafts­lage positiv in die Zukunft.

Vetropack-CEO Claude R. Cornaz schaut trotz angespannter Wirtschafts­lage positiv in die Zukunft. Bild: Balz Murer

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Claude Cornaz, Naturkatastrophen oder kriegerische Konflikte können Unternehmungen nicht voraussehen. Wie sieht eigentlich die Absicherung einer Firma in solchen Fällen aus?
Claude Cornaz: Das ist klassisches Unternehmerrisiko und gehört zum Tagesgeschäft. Einerseits sollte ein Unternehmen finanzielle Reserven für unerwartet eintretende Ereignisse zurücklegen. Auf der anderen Seite muss eine Firmenführung neben Entwicklungschancen auch Risiken beachten. Versichern kann sich ein Unternehmen gegen solche Fälle aber nicht.

Schweizer Firmen expandieren gerne ins Ausland. Welchen Stellenwert nimmt die Risikofrage bei einer Akquisition einer fremden Firma oder der Neugründung eines Ablegers in einem anderen Land ein?
Ein Unternehmen sieht natürlich zuerst die Chance, sich zu verbessern. Das steht bei einer Expansion, einer Übernahme, einer Neugründung in einem ausländischen Markt sicher im Vordergrund. Wenn keine Chance besteht, vor allem langfristig einen zusätzlichen Gewinn zu machen, dann macht ein solcher Schritt keinen Sinn. Die seriöse Risikoanalyse gehört im Evaluationsprozess aber genauso dazu. Ein Unternehmen, das zu einer Expansion Ja sagen will, muss bereit sein, auch Nein zu sagen, wenn die Risiken zu hoch sind. Vetropack hat das schon mehrfach getan. Wir werden öfters gefragt, war­um wir seit 2006, als wir in die Ukraine expandierten, keine Akquisitionen mehr vorgenommen haben. Wir haben seither neue Märkte geprüft, aber uns gegen eine Ausweitung entschieden, weil uns das Risiko zu gross war.

Stichwort Ukraine. Vetropack hat seine grösste Produktionsstätte in Gostomel, in der Nähe von Kiew. Was bereitet Ihnen in diesem Zusammenhang wegen des Bürgerkriegs und des Konflikts mit Russland am meisten Sorgen?
Positiv ist, dass das Werk nicht im Krisengebiet des Donbass liegt. Trotzdem spürt Vetropack direkte Auswirkungen, da wir viele Kunden haben, die im Kriegsgebiet wohnen oder tätig sind. Dazu kommt, dass der ganze Markt bei solchen Konflikten zusammenfällt. Das Land befindet sich in einer Rezession, Konsum und Nachfrage gehen zurück, vor allem in den Krisenregionen. Darüber hinaus habe ich persönlich eine ganz andere grosse Sorge. Wir sind schon viele Male in Gostomel gewesen, wir kennen die Menschen, die vor Ort für uns arbeiten. Jetzt bekommen wir die Ängste mit, die sie beruflich und privat verspüren. Schon nur aus diesem Grund hoffen wir bei Vetropack natürlich auch, dass die Ukraine wieder zur Ruhe und Ordnung zurückfindet.

Trotzdem müssen Sie für die gesamte Unternehmung weiterplanen. Wie können Sie das mit dem ukrainischen Werk, ohne zu wissen, wie sich die Si­tua­tion dort entwickelt?
Was den Konflikt in der Ukraine generell angeht, können wir nur bangen und hoffen. Was Vetro-pack Gostomel angeht, sieht die Einschätzung ein wenig anders aus. Obwohl der Markt eingebrochen ist, konnten wir den Betrieb aufrechterhalten – trotz Versorgungsschwierigkeiten für Rohmaterial und Ener­gie­engpässen. Die Herstellmenge ist deshalb tiefer als geplant ausgefallen, den Umsatz konnten wir trotzdem um zehn und den Absatz um zwei Prozent steigern. Ausserdem konnte Vetropack als Zulieferer für Glasverpackungen ein­­sprin­­g-en, die vorher von Russland geliefert worden sind. Vom unternehmerischen Standpunkt aus läuft es in der Ukraine für uns eigentlich gut, aber ob das für dieses und die nächsten Jahre auch so bleiben wird, können wir wegen der unsicheren politischen Lage schlecht voraussehen.

«Wir bekommen die Ängste mit, welche die Menschen in der Ukraine beruflich und privat verspüren.»Claude R. Cornaz, CEO Vetropack

Vetropack eruiert permanent neue Expansionsmöglichkeiten in Ost-, aber auch in Westeuropa. Primär investieren und arbeiten Sie seit 1991 aber bewusst im osteuropäischen Bereich (Tschechien, Slowakei, Kroatien). Wie gut rentiert diese Ausrichtung?
Von der unsicheren Situation in der Ukraine einmal abgesehen – diese Marktausrichtung, die vor 20 Jahren begann, war für Vetropack genau richtig. Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs sind Nachfrage und Verbrauch nach Glasprodukten in diesen Ländern kontinuierlich gestiegen. Das hatte natürlich auch damit zu tun, dass grosse Kunden von uns, vor allem Bierkonzerne, gleichzeitig nach Osteuropa expandierten und wir parallel mitziehen konnten. Der Blick auf das letzte Geschäftsjahr zeigt es: Wir wachsen in diesen Märkten immer noch.

Der starke Schweizer Franken und die Eurofrage, viele eidgenössische Abstimmungen, welche die Wirtschaft direkt betreffen – das Arbeitsumfeld in der Schweiz ist im Moment auch nicht einfach. Wie ist Ihre Prognose?
Viele Schweizer Unternehmen haben gezeigt, dass sie bereit sind, sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen. Ich will nicht schwarzmalen, aber ich glaube, dass wir noch nicht alles gesehen haben. Im Zusammenhang mit der Aufhebung des Euromindestkurses werden einige nationale Firmen den Gürtel noch enger schnallen müssen, das wiederum wird Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze haben. Zwar wurden bereits viele Massnahmen getroffen, aber ich bin überzeugt, dass noch weitere folgen müssen. Die Zeit drängt, die gesamten Auswirkungen sind noch nicht vollumfänglich ab­sehbar.

Trotz all diesen negativen Tendenzen scheinen Sie mit Vetropack positiv in die Zukunft zu schauen. Woher kommt dieser Optimismus?
Wir sind im Markt sehr gut aufgestellt. Mit Glas lässt sich nach wie vor Geld verdienen. Unser gesamter Absatz war noch nie so hoch wie im abgelaufenen Geschäftsjahr, in Kroatien haben wir erstmals mehr als eine Milliarde Stück verkauft, Vetropack ist nach wie vor schuldenfrei, wir verfügen über ein hohes Eigenkapital und eine gesunde Bilanz. Wir sind in einer Position der Stärke. Aber wir sind uns auch bewusst, dass wir grosse Herausforderungen meistern müssen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 25.03.2015, 10:03 Uhr

Vetropack AG Schweiz

Vetropack Schweiz nimmt die Produktion, den Verkauf und den Vertrieb von Glasverpackungen wahr. Sie verfügt über ein Glaswerk in St-Prex und Verkaufsbüros in Bülach bei Zürich. Als einziger inländischer Hersteller ist Vetropack mit einem Vollsortiment Lieferant von Glasverpackungen für die Schweizer Getränke- und Lebensmittelindustrie. (red)

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