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Start des Glattbrugger Fernbusanbieters steht auf der Kippe

Das Unterländer Unternehmen Domo Reisen mischt in der Liberalisierung des Busverkehrs mit. Ab dem 10. Dezember will die Firma drei Routen mit dem Fernbus anbieten. Bis jetzt fehlen ihr aber die Konzessionen dafür.

Die Glattbrugger Firma Domo Reisen will Fernbusse durch die ganze Schweiz schicken.

Die Glattbrugger Firma Domo Reisen will Fernbusse durch die ganze Schweiz schicken. Bild: zvg

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Am 10. Dezember steht in der ganzen Schweiz der Fahrplanwechsel an. Geht es nach Roman Schmucki, bedeutet dies auch den Anfang von mehr Konkurrenz für die SBB. Schmucki ist Inhaber der Domo Reisen AG mit Sitz in Glattbrugg und will ab Sonntag nächster Woche die schweizweit ersten Fernbusse auf die Strassen schicken.

Drei Strecken will das Unternehmen anbieten: vom Flughafen Zürich nach Lugano, von Chur nach Sitten sowie von St. Gallen zum Genfer Flughafen. Dabei wird die Fahrt von Zürich nach Basel neun, von Zürich nach Bern zwölf Franken kosten – rund die Hälfte eines SBB-Tickets mit Halbtax-Abonnement. Mit diesen Preisen machte sich Domo Reisen bei der Konkurrenz nicht sonderlich beliebt. Generell stiess auf Kritik, dass private Fernbusanbieter zu Nebenbuhlern der Bundesbahnen werden; der Bundesrat erlaubte dies aber im Oktober, da er sich davon «punktuelle Ergänzungen» des Liniennetzes verspricht.

Knackpunkt Halteorte

Das Angebot bis zum Sonntag nächste Woche aufzugleisen, dürfte jedoch knapp werden. Denn das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat dem Unternehmen bis jetzt keine Konzession erteilt. BAV-Sprecher Gregor Saladin sagte gestern gegenüber «20 Minuten», dass Domo Reisen vorher alle gesetzlichen Bewilligungen erfüllen müsse.

Der Knackpunkt liegt dabei in den Bewilligungen für jeden Halteort. Zahlreiche Gemeinden wehren sich gegen die Pläne des Busunternehmens. Vevey, Biel und Bulle haben sich gegen Halteorte ausgesprochen, Baden, Bellinzona und Olten wollen einen anderen Halteort als den von Domo Reisen vorgeschlagenen. Wil und Solothurn verweigerten bis anhin eine Zusage; in Horgen befürchtet man, dass der örtliche Busbetrieb durch die Fernbusse gestört würde. Dort würden die Busse um 7.25 Uhr und 21.25 Uhr halten und fünf Minuten später wieder abfahren – vorausgesetzt, sie haben keine Verspätung.

Aus diesem Grund hat Domo Reisen schon früh begonnen, Verhandlungen mit privaten Grundstückeigentümern in den Gemeinden aufzunehmen.

Schon mehrmals Kritik

Domo Reisen stand dieses Jahr schon öfters in den Medien unter Beschuss. Der «Beobachter» hat im Sommer von «Fahrten mit Stressfaktor» berichtet, der «Tages-Anzeiger» zitierte einen Branchenkenner, der den Inhaber als Enfant terrible der Carbranche bezeichnete. Die «Zürichsee-Zeitung» hielt diesen Sommer mit einem Erfahrungsbericht dagegen, in dem zwei Autoren die Strecke von Chur nach Sitten über Zürich und Bern mit SBB und Domo Reisen (Testfahrt) verglichen und beiden Anbietern ein positives Zeugnis ausstellten.

Mitte dieser Woche sollen mit dem BAV noch Gespräche bezüglich der Konzession stattfinden. Patrick Angehrn, Leiter des Linienbusverkehrs bei Domo Reisen, zeigt sich zuversichtlich. «Wir sind nach wie vor optimistisch, die Konzession zu erhalten», sagt er. Gleichzeitig ist auf der Website der Firma noch kein Angebot aufgeschaltet, auch Tickets kann man bis anhin nicht kaufen. Winkt das BAV die Pläne diese Woche nicht durch, dürfte es für den Startschuss am 10. Dezember gelaufen sein. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 27.11.2017, 21:23 Uhr

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