Wahlen

Statistik entlarvt die Unterländer als rekordverdächtig stimmfaul

Opfikon liefert die tiefste Teilnahme an den Nationalratswahlen im Kanton Zürich. Oberglatt folgt auf dem zweitletzten Platz, und weitere Unterländer Gemeinden nicht weit dahinter.

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Die Zürcher Unterländer sind wahlfaul. Die beiden Bezirke Bülach und Dielsdorf liegen in der Endabrechnung bezüglich Wahlbeteiligung kantonsweit auf dem dritt-, respektive zweitletzten Platz. Waren es im Bezirk Bülach 38,5 Prozent der Wahlberechtigten, die ihre Unterlagen abgaben oder einschickten, belief sich die entsprechende Zahl im Bezirk Dielsdorf auf 38,1 Prozent.

Nur im Bezirk Dietikon fiel die Beteiligung noch tiefer aus. Zum Vergleich: Der Bezirk Meilen brachte es auf die kantonsweit höchste Beteiligung von 52,6 Prozent, das kantonale Mittel lag bei 44,4 Prozent.

Die Wahlbeteiligung sinkt und sinkt

Auch über die Zeit gesehen zeigt sich keine erfreulicheres Bild: Im Bezirk Bülach sank die Beteiligung seit 2011 um 6,1 Prozentpunkte, im Bezirk Dielsdorf gar um 6,5. Kantonsweit gesehen resultiert ein Minus von 5,3 Prozentpunkten. Gegenüber 2015 hat die Teilnahme im Kanton um 2,8 Prozentpunkte abgenommen, im Bezirk Bülach um 3,3 und im Bezirk Dielsdorf gar um 4,2. Auf die einzelne Gemeinde gerechnet zeigt sich im Unterland ein fast durchwegs negatives Bild.

Einzig Bachenbülach konnte gegenüber 2015 in der Stimmbeteiligung einen Zuwachs verzeichnen – um gerade mal 0,1 Prozent. Am anderen Ende der Liste: Buchs (-6,3 Prozent), Oberweningen (-6,8), Hüntwangen (-7,6) und Weiach (-8,7). Kantonsweit gesehen resultierte das grösste Minus in Ellikon an der Thur. Dort gingen 11 Prozent weniger wählen als noch 2015.

Unterländer Gemeinden am untersten Ende

Sehr deutlich wird die schwache aktuelle Wahlbeteiligung im Unterland auch beim Blick auf die Werte der einzelnen Gemeinden. Am schlechtesten im ganzen Kanton Zürich schneidet hier Opfikon ab, wo nur 27,1 Prozent der Wahlberechtigten auch tatsächlich wählten. Am zweitschlechtesten sieht es in Oberglatt aus (27,5 Prozent). Es folgen Schlieren und der Stadtzürcher Kreis 12. Auf den weiteren neun Plätzen: Alles Gemeinden aus den Bezirken Bülach und Dielsdorf. Nämlich Dietlikon, Kloten, Weiach, Höri, Regensdorf, Rümlang, Buchs, Dällikon und Embrach.

Bemühungen zur Trendwende in Embrach

Interessant im Fall von Embrach: Dort lag die Wahlbeteiligung (Nationalrat) bei 35,6 Prozent. 2015 waren noch 38,9 Prozent verzeichnet worden, 2011 sogar 41,6 Prozent. Dabei hatte sich der Embracher Gemeindepräsident Erhard Büchi (FDP) im Frühjahr alarmiert gezeigt über die Beteiligung bei den Kantonsratswahlen: Da hatten lediglich 24,6 Prozent der Wahlberechtigten auch tatsächlich von ihrem Recht Gebrauch gemacht.

Wie sich in einer gemeindeinternen Analyse nach Altersgruppen zeigte, hatten vor allem Personen unter 50 Jahren kaum gewählt. Büchi wendete sich danach mit einem Aufruf im Mitteilungsblatt der Gemeinde an die Bevölkerung und bat um Vorschläge, wie die Bürgerinnen und Bürger zum Stimmen oder Wählen gebracht werden können.

«Da ist nicht wirklich etwas eingegangen», lautet seine etwas ernüchterte Zwischenbilanz. Immerhin einen Lichtblick gab es in Embrach aber: An der Ständeratswahl vom Sonntag beteiligten sich leicht mehr Stimmberechtigte (0,3 Prozent) als an jener vor vier Jahren. «Wir haben uns ganz ordentlich gehalten», findet Büchi insgesamt zum Wahlwochenende. «Insbesondere gegenüber dem Trend im Frühling.» Der Silberstreif am Horizont führt jedoch nicht dazu, dass Büchi abheben würde: «Es bleibt noch einiges zu tun.»

Bachs erzielt eine hohe Beteiligung

Die Unterländer Gemeinde mit der höchsten Wahlbeteiligung war übrigens Bachs mit 56,4 Prozent. Im kantonalen Vergleich ist das gut genug für Rang 13. Die kantonsweit höchste Stimmbeteiligung wurde in Dättlikon im Bezirk Winterthur erzielt, mit 59 Prozent. Gemessen an Schaffhauser Verhältnissen ist das allerdings immer noch tief. In Buchberg gingen ganze 68,2 Prozent wählen.

Der sanfte finanzielle Druck wirkt offensichtlich: Im Kanton Schaffhausen gilt die allgemeine Wahlpflicht. Wer nicht wählt oder abstimmt, muss dafür jedes Mal sechs Franken berappen. Das ist seit 1973 so geregelt. Bestrebungen zur Abschaffung gab es beispielsweise 1982 mit einer Volksinitiative – sie scheiterte aber ebenso wie alle anderen Vorstösse.

Erstellt: 21.10.2019, 16:23 Uhr

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