Kloten

Statt Panzern helfen Rinder den Amphibien

Frösche, Molche, Unken und andere Arten von Amphibien leben im Bereich der Klotener Panzerpiste. Der Naturschutzverein Niederhasli wollte vom Biologen wissen, wieso es ihnen dort gefällt.

Die landenden Flugzeuge im Rücken, richteten die Exkursionsteilnehmer ihren Blick auf die in der Umgebung der Panzerpiste lebenden Amphibien.

Die landenden Flugzeuge im Rücken, richteten die Exkursionsteilnehmer ihren Blick auf die in der Umgebung der Panzerpiste lebenden Amphibien. Bild: Francisco Carrascosa

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Sie wurden mit Spannung erwartet, und bei Dunkelheit hätten sie eigentlich an den Weihern und Pfützen des Naturschutzgebietes rund um die Panzerpiste laut quakend erscheinen sollen, um Weibchen anzulocken: die nachtaktiven Laubfrösche, Grasfrösche, Erdkröten, Gelbbauchunken. Schliesslich hatten sie am Freitagabend in Kloten ein interessiertes 20-köpfiges Publikum des Naturschutzvereines Niederhasli. «Bei der Natur kann man nicht immer genau planen», sagte Biologe und Ökologe Niklaus Peyer, externer Leiter der zweistündigen Exkursion.

Entdeckungen im Dunkeln

Auch wenn man sie wegen der Trockenheit kaum hörte, die Naturfreunde bekamen zumindest einige der Tiere zu sehen. So machte Peyer in der Dunkelheit Kaulquappen von Gelbbauchunken sowie eine erwachsene Gelbbauchunke aus. Unter einem kurzen Baumstamm entdeckten Kinder eine Gruppe von dunklen Berg- und Fadenmolchen, die im Schein der Lampe des Mobiltelefons gut sichtbar waren.

Niklaus Peyer stellte sein breites Wissen über Molche, Frösche und Kröten unter Beweis. Die Herpetologie, also die Lehre von Amphibien und Reptilien, ist schliesslich sein Spezialgebiet. Das Gebiet um die Panzerpiste kennt er seit 20 Jahren als Amphibienlebensraum. Die Besucher erfuhren, dass im Gegensatz zur weit verbreiteten Erdkröte und dem Grasfrosch die Population der anspruchsvollen Kreuzkröte in den letzten 20 Jahren um die Hälfte abgenommen hat. «Früher laichte sie in wilden Flusstälern. Diese findet man heute in der Schweiz kaum noch.» Die Kreuzkröte suche sich kleine Pfützen ohne Feinde für den Laich, die Gefahr drohe dort jedoch durch Austrocknung.

Lebensraum wird knapp

Auch die Gelbbauchunke sei auf die sogenannten temporären Gewässer, also kleine Pfützen, die mehrmals im Jahr austrocknen, fokussiert. Mehrere solcher Laichplätze konnte man auf den Wiesen sehen. Dort war den Tieren das Militär lange ungewollt zur Hilfe gekommen. «Vor 20 Jahren fuhren die Panzer regelmässig ihre Übungen hier und lockerten den Boden, heute sind sie an den Pisten unterwegs.» Nun kommen die grasenden schottischen Hochlandrinder den Amphibien gelegen. «Die Rinder suhlen sich gern in den Wasserpfützen und erhalten so diese kleinen Biotope.»

Allgemein, so Peyer, würden sich Landschafts- und Artenschutz nicht immer vertragen. Grosse, geschlossene Grünflächen würden den Amphibien die Biotope rauben. Kiesgruben dagegen, die oft als Wunde in der Landschaft angesehen würden, böten den kleinen Tieren ideale Lebensräume. Dafür baut der Mensch Ausweichmöglichkeiten, wie den Auenwald, an dem die Gruppe vorbeiging. Er soll von Laubfröschen, Seefröschen und Grünfröschen bewohnt sein. Doch von den Laubfröschen, deren Rufe bis zu 100 Dezibel laut sein können und auch von allen anderen, war nichts zu hören oder zu sehen.

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz ertönte dann in der Ferne doch noch die Rufe einer Gruppe von Laubfroschmännchen, und ein einzelner Laubfrosch, so gross wie ein Daumen, wurde am Boden hüpfend entdeckt.

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Erstellt: 29.04.2018, 15:53 Uhr

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