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Tonnenweise Krevetten gestohlen

Ein Lagermitarbeiter eines grossen Lebensmittelhändlers wurde zu 30 Monaten Haft verurteilt. Der Angeklagte hatte während Monaten Nahrungsmittel gestohlen und weiterverkauft.

Mehrere Tonnen Crevetten hat ein Mitarbeiter eines grossen Lebensmittelhändlers im Unterland gestohlen und weiterverkauft.
Mehrere Tonnen Crevetten hat ein Mitarbeiter eines grossen Lebensmittelhändlers im Unterland gestohlen und weiterverkauft.
Symbolbild, Keystone

Am Bezirksgericht Bülach wurde am Dienstag ein Tibeter verurteilt, der seinen Arbeitgeber bestohlen hatte. Und zwar im grossen Stil. 2015 hatte der Angeklagte über acht Tonnen Lebensmittel aus dem Lager eines grossen Lebensmittelhändler entwendet und anschliessend zu seinem eigenen Gewinn weiterverkauft. Die Richter brummten dem Beschuldigten dafür rund 30 Monate Haft auf.

Waren direkt ab Lager des Arbeitgebers verkauft

Der 1982 in Tibet geborene Angeklagte lebt seit 2002 in der Schweiz, von Oktober 2010 bis November 2015 arbeitete er bei einem grossen Handels- und Produktionsunternehmen im Lager und verdiente dabei 5250 Franken pro Monat. Ab Mai 2015 begann er, aus diesem Lager im grossen Mass Lebensmittel zu stehlen: Er entwendete mehrere Tonnen Krevetten, stahl mehrere Hundert Kilogramm Rind-, Kalb- und Lammfleisch und behändigte sich auch mehrere Kilogramm Pommes Frites.

Das Diebesgut verkaufte der Beschuldigte anschliessend weiter. Dabei ging er äusserst dreist vor: Er kontaktierte Kunden seines Arbeitsgebers und bot diesen sein Diebesgut an. Gingen sie auf sein Angebot ein, bestellte er sie über Mittag oder zu Randzeiten, wenn sonst nur wenig andere Mitarbeiter vor Ort waren, direkt ins Lager seines Arbeitgebers. Teilweise gab er ihnen sogar den Code für das Tor zum Lager, damit seine Kunden direkt bis zum Warenumschlagplatz fahren konnten.

Der Beschuldigte verdiente mit seinem gewerbsmässigen Diebstahl rund 50 000 Franken. Seinem Arbeitgeber entstand ein Schaden von zwischen 100 000 bis 150 000 Franken. Zwar wurde am Bezirksgericht Bülach über einen Diebstahl von etwas mehr als acht Tonnen verhandelt, der Arbeitgeber des Beschuldigten geht dabei aber von deutlich mehr Waren aus, die tatsächlich gestohlen und illegal weiterverkauft wurden: Rund 23 Tonnen sollen es gewesen sein, was einer Schadensersatzforderung von etwa 345 000 Franken entspricht.

Wiederholt und vorsätzlich gehandelt

Die Staatsanwältin betonte in ihrem Plädoyer, dass es wichtig sei, die Dimension des Vergehens zu realisieren. Sieben Monate aufwändiger und langwieriger Untersuchung seien der Verhaftung des Angeklagten vorausgegangen. Dieser habe zudem sein Verbrechen geplant, da er während Monaten wiederholt und mit Vorsatz gehandelt habe und selbst nach Abnehmern für sein Diebesgut gesucht habe.

Der Beschuldigte habe das Vertrauen seines Arbeitgebers zutiefst missbraucht, sagte die Staatsanwältin. Er habe von seinen bereits vorhandenen Kontakten zu Kunden seines Arbeitsgeber Gebrauch gemacht und er habe seine Kenntnisse der internen Abläufe ausgenutzt.

Die Staatsanwältin strich zudem heraus, dass sich der Arbeitgeber des Beschuldigten in der Vergangenheit als wohlwollend gezeigt habe. Über eine Personalvorsorgestiftung hatte der Beschuldigte 2011 rund 10 000 Franken erhalten, um damit seine Familie in Tibet unterstützen zu können. «Es ist besonders verwerflich, dass der Angeklagte seinen Arbeitgeber später trotzdem bestohlen hat», sagte die Staatsanwältin.

Mit Geld Familie in Tibet unterstützt

Die Verteidigerin forderte im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft 28 statt 30 Monate, plädierte aber auch dafür, den Angeklagten für gewerbsmässigen Diebstahl zu verurteilen. Sie beleuchtete indes die Motivation, die zu den Straftaten geführt habe. Der Mandat habe aus Verzweiflung und in einer Notlage gehandelt, führte sie aus. Der Beschuldigte hat eine sechsjährige Tochter. Er ist nicht vorbestraft und war, seit er vor 14 Jahren in die Schweiz gekommen ist, immer erwerbstätig. Sein Vater befindet sich als politischer Gefangener im Gefängnis, eine Dreitagesreise vom Rest der Familie entfernt. Der Beschuldigte habe schon vor dem Diebstahl mehrere 10 000 Franken ausgegeben, um mit Zuwendungen an den Gefängnisdirektor die Haftbedingungen des Vaters zu verbessern.

Weiter sei vor wenigen Jahren das Haus des Bruders in Tibet verschüttet worden. Dabei seien die Frau und die beiden Kinder des Bruders ums Leben gekommen. Da sein Bruder seit dem traumatisiert sei, habe der Angeklagte alleine seine Familie in Tibet unterstützen müssen. Deshalb habe er auch versucht, sein monatliches Einkommen mit weiteren Nebenjobs zu verbessern.

Das Gericht entschied schliesslich, im Sinne der Anklage zu urteilen und sprach eine Haft von 30 Monaten aus. Davon werden 15 Monate bedingt aufgeschoben. Da der Verurteilte seit seiner Verhaftung bereits 377 Tage inhaftiert war, muss er somit noch etwa zweieinhalb Monate länger in Haft bleiben.

Als Begründung für das Urteil erklärte der Richter, dass der Angeklagte in Bezug auf den Diebstahl geständig war. Dabei handle es sich um gewerbsmässigen Diebstahl. Wie viel von dem Geld, dass er dabei generiert hat, er für sich eingesetzt hat – etwa um Spielschulden zu tilgen – und wie viel er seiner Famile in Tibet geschickt hatte, lasse sich nicht eruieren. Der Richter ging dessen ungeachtet davon aus, das sich der Angeklagte für ein grösseres Verschulden zu verantworten hat. Er habe für sein Verbrechen immer wieder handeln und organisieren müssen. Und auch die Abnehmer der Diebesware hätten nun ein Verfahren wegen seinem Handeln am Hals.

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