Eglisau/Glattfelden

Wie die Fische das Kraftwerk überwinden sollen

Die Axpo hat beim Kraftwerk Eglisau-Glattfelden eine Treppe und einen Lift für Fische erstellt. Am Montag hat sie das Millionenprojekt den Medien präsentiert. Ein Monitoring misst den Erfolg der baulichen Massnahmen.

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Wenige Zentimeter lang ist das Fischlein, das gestern Nachmittag in den Lift auf der deutschen Seite des Kraftwerks Eglisau-Glattfelden schwamm und mit ihm nach oben gelangte. Heinz Wildberger, Betriebsleiter des Kraftwerks, vermutete, dass es ein Egli ist. Den Weg vom Lift, dessen Gitterkorb in das Zählbecken gekippt wird, fand der Fisch aber nicht und fuhr deshalb wieder hinunter.

«Wir optimieren derzeit die Spritzvorrichtung des Wassers, damit die Fische ins Becken hinausschwimmen können», erklärt Nadia Semadeni, Leiterin Ressort Umwelt und Wasserwirtschaft bei der Axpo, den missglückten Aufstiegsversuch des Fischleins. Dass es heute nicht noch mehr Fische in den Lift geschafft haben, habe auch damit zu tun, dass dieser wegen des Medienbesuchs immer wieder in Gang gesetzt wurde. Wildberger zeigt auf seinem Handy ein Foto eines Exemplars, das kürzlich den Weg ins Becken gefunden hatte: einen ein Meter langen Hecht.

Auf 30 Fischarten ausgelegt

Das Projekt, das die Axpo gestern vorstellte, kostete 9,3 Millionen Franken. Zur Fischgängigkeit ihrer Kraftwerke ist das Unternehmen aufgrund des 2011 revidierten Gewässerschutzgesetzes verpflichtet. Die Anlage beim Kraftwerk Eglisau-Glattfelden besteht aus einer Fischtreppe mit drei Einstiegsöffnungen auf Schweizer Seite, auf deutscher Seite wurde ein Fischlift erstellt. Dort liessen die Platzverhältnisse eine Treppe nicht zu.

Die einst für die geplante, aber nie umgesetzte Hochseeschifffahrt erstellte Schleuse mit Schacht erleichterte den Bau eines Liftes. Die Fische, die es nach oben geschafft haben, werden ins Zählbecken oder in eine Reuse – eine Art Korb – auf Schweizer Seite geleitet. Auf der Fischtreppe müssen sie, je nach Einstiegsort, eine Distanz von 206 bis 254 Metern überwinden. Die Höhendifferenz beträgt 11,4 Meter – laut Semadeni «eine beachtliche Höhe». Die Fische werden durch Leitwasser in die Öffnungen gelockt. «Sie gehen der stärksten Strömung nach», sagt Semadeni. Wenn der Widerstand zu gering sei, kehrten manche gar um.

Die Anlage ist auf 30 Fischarten ausgelegt, welche die serpentinenförmigen Gänge überwinden können – sie sind so konzipiert, dass auch grosse Fische wie Lachse sie dereinst passieren können oder schwimmschwache Arten wie die Groppe. Der sogenannte Leitfisch aber – wegen seiner Häufigkeit ist die Anlage primär auf diesen ausgerichtet – ist die Barbe. Bei der Konzeption spielte eine grosse Rolle, dass das Kraftwerk denkmalgeschützt ist. «Wir haben vor allem mit Stahlkonstruktionen gearbeitet», sagt Semadeni. So konnten nicht einfach Betonvorrichtungen angebaut werden.

Lösungen für Abstieg gesucht

Derzeit schaffen es zwei bis 20 Fische nach oben. Gefunden wurden zum Beispiel Barben oder Schneider. «Wir stellen uns darauf ein, dass während mancher Wochen täglich 100 bis 1000 Fische die Anlage passieren werden», sagt Semadeni. Wann diese Fischwanderungen stattfinden, kann sie nicht sagen. Der Zeitpunkt solcher Züge hängt laut der Umweltingenieurin von vielen verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Wetter, Vollmond oder von der Schneeschmelze.

Die Fische, die oben ankommen, werden mithilfe von lokalen Organisationen wie den Fischern einzeln gezählt und erfasst. Dieses Monitoring hat die Axpo im März gestartet. Dauern wird es ein Jahr lang. Im Sommer 2018 sollen die Ergebnisse vorliegen. Schwimmt ein Fisch in die Gegenrichtung, bilden die Kraftwerke weiterhin ein Hindernis für ihn. Die Technik ist beim Thema Fischabstieg noch nicht so weit fortgeschritten wie beim Aufstieg.

Erfahrungen wurden in den USA oder Deutschland gesammelt, jedoch nicht für so grosse Kraftwerke. In einer Pilotanlage beim Kleinwasserkraftwerk Stroppel AG läuft derzeit ein Monitoring. Geplant ist zudem bis 2020 ein Pilotprojekt beim Kraftwerk Wildegg-Brugg AG. Semadeni hofft, dass bis 2022 oder 2024 Lösungen für das Problem vorliegen.

Erstellt: 10.04.2017, 16:06 Uhr

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