Kloten

Trotz Selbstkritik bleiben Fronten im Schulknatsch verhärtet

Ein Neuanfang nach dem Konflikt um eine Schulleiteranstellung in Kloten wäre vorgespurt. Am Montag entschuldigte sich der höchste Schulvertreter der Stadt gar erstmals öffentlich. Allerdings stiess er die Anwesenden dennoch vor den Kopf.

Die Leitgedanken prangen schon lange am Sekundarschulhaus Spitz in Kloten. Nun nennt auch die Evaluationsstelle des Kantons den Vertrauensaufbau als eines der wichtigsten Ziele.

Die Leitgedanken prangen schon lange am Sekundarschulhaus Spitz in Kloten. Nun nennt auch die Evaluationsstelle des Kantons den Vertrauensaufbau als eines der wichtigsten Ziele. Bild: Archiv ZU

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Gegen den Vorsatz von Klotens Schulpräsident Roger Isler (FDP) hatte niemand etwas einzuwenden. «Ein gutes Gefühl» wolle er vermitteln, lautete sein erklärtes Ziel. So eröffnete der oberste Vertreter der Schule Kloten die Informationsveranstaltung vom letzten Montagabend im Singsaal des Sekundarschulhauses Spitz.

Gekommen waren rund 70 Anwesende, zumeist Eltern, aber auch Verwaltungsangestellte, Schulbehördenmitglieder und Lehrer – neue und ehemalige.

Erstmals Fehler eingestanden

So fielen erstmals seit Ausbruch des erbitterten Streits an jener Klotener Sekundarschuleinheit vor bald zwei Jahren nie gehörte Worte von einem Vertreter der Schule. «Heute kann und muss ich sagen, dass Fehler gemacht wurden», hielt Isler fest. Und dafür wolle er sich auch entschuldigen. Zur Evaluation meinte er: Es sei wohl allen klar gewesen, dass in dieser Zeit kein guter Evaluationsbericht zur Schule im Spitz möglich gewesen wäre. Dennoch wolle man nun den Fokus auf die Zukunft legen, wofür die nächsten eineinhalb Stunden vorgesehen seien.

Zur Evaluation der unabhängigen Fachstelle des Kantons referierte Elsbeth Fässler, Bereichsleiterin Bildung der Stadtverwaltung. Sie tat dies ohne zu beschönigen und war bemüht, keine Emotionen zu schüren. Denn unüberhörbar machte sich zwischendurch immer wieder Raunen breit im Raum. Das Verdikt des Berichtes war denn auch klar und hat die meisten Anwesenden in ihrer Meinung bestärkt. Dann etwa, wenn zu hören war, dass zuletzt weder interne noch externe Kommunikation funktioniert hätten oder dass an der Sek im Spitz weder ein pädagogisches Profil noch eine derartige Führung erkennbar waren zum Zeitpunkt der Untersuchung vor den diesjährigen Sommerferien.

Den Abschluss der fast einstündigen Präsentation machte Schulleiter Wellendorf, der mit drei neuen Lehrern seines Teams Verbesserungsmassnahmen vorstellte. Zu den Schwerpunkten gehört unter anderem eine «Roadmap» für die Schulentwicklung in den nächsten vier Jahren. Insbesondere soll dafür gesorgt werden, dass Fachwissen im Lehrerteam nicht verloren geht, wie dies zuletzt nach den unzähligen Wechseln passiert war. Lehrer sollen sich wieder gegenseitig Rückmeldungen zum Unterricht geben und Regeln im Schulhaus sollen neu definiert und künftig auch durchgesetzt werden. Zudem soll ein Praktikant die mehrheitlich neuen Lehrer im Spitz entlasten. Zur anschliessenden Fragerunde verschärfte sich der Ton zusehends. Wieso nicht die Leitung auswechseln, wo der Bericht doch so schlecht sei, wollte jemand wissen.

Andere kritisierten den Personalentscheid ebenfalls. Das viele zusätzliche Coaching für den neuen Schulleiter zeige ja, dass hier etwas falsch laufe. Isler stellte sich hinter den Schulleiter: «Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass ers kann.» Zudem unterstrich der Schulpräsident, dass für ihn die gesetzlichen Vorgaben stets zuoberst standen. Der Evaluationsbericht attestiere, dass rechtlich alles korrekt ablief und keine Gesetze verletzt worden seien. «So gesehen haben wir alles richtig gemacht», meinte Isler und erntete höhnisches Gelächter aus den Reihen der Eltern.

Woran liegts? Stolz? Politik?

Dieter Fischer, Ex-Schulleiter, Lehrer und Vater einer Schülerin im Spitz, meldete sich ebenfalls. Seine Nachfolger hätten einen Neuanfang verdient, fand er. Den ernüchternden Bericht bezeichnete er als «sehr gut», zeige er doch die wahren Gegebenheiten. Dabei könne die Schulpflege von Kloten froh sein, dass die Kritik nicht schärfer ausgefallen sei.

Das Hauptproblem ortete Fischer denn auch bei dieser Behörde. «Sie sind die vom Volk gewählte Schulbehörde. Wo waren sie, als sie ihre Verantwortung hätten wahrnehmen sollen?» Man habe viele Fragen gehabt und lange auf Antworten gewartet, aber nie welche bekommen. Was die Konsequenzen der Behörde seien, wollte Fischer von den anwesenden Schulpflegemitgliedern wissen, konkrete Antworten blieben aus. Derweil brandete Applaus auf und die Stimmung im Saal drohte abermals zu kippen. Beruhigung brachte Elternratsvertreter Jean-Marcel de Haas, der nüchtern, aber messerscharf analysierte: «Was wir sehen, ist ‹Symptomstreicheln, aber die Ursache wird nicht angeschaut.» Woran es liege, fragte er – «Egotrip? Stolz? Drohender Gesichtsverlust? Politik?», fügte er fragend an. Antworten blieben auch hier aus.

Nach einer guten halben Stunde beendete Isler den Abend ziemlich unvermittelt. Viele Eltern fühlten sich nun vor den Kopf gestossen. Mindestens ein halbes Dutzend Leute wollten sich noch zu Wort melden. Aber Isler beharrte auf der eingangs gemachten Zeitvorgabe. «Vielen Dank fürs Kommen. Wir sind auf Kurs.» Vom guten Gefühl wollte im Korridor kaum einer mehr etwas spüren.

Erstellt: 10.11.2015, 22:53 Uhr

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