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Unterländer Eichen für das Waldjubiläum

Am Freitag sind in Bülach und Rümlang zwei stattliche Eichen gefällt worden. Diese spielen eine wichtige Rolle beim 100-Jahr-Jubiläum des Waldeigentümerverbands des Kantons Zürich.

Ein Baumriese fällt – die Eiche im Rümlanger Müswinkel, die am Freitag geerntet wurde, bildet einen Teil des Umzugwagens, den der Verband Wald Zürich am Sechseläuten-Umzug zeigt.
Ein Baumriese fällt – die Eiche im Rümlanger Müswinkel, die am Freitag geerntet wurde, bildet einen Teil des Umzugwagens, den der Verband Wald Zürich am Sechseläuten-Umzug zeigt.
Balz Murer
Ein Baumriese fällt – die Eiche im Rümlanger Müswinkel, die am Freitag geerntet wurde, bildet einen Teil des Umzugwagens, den der Verband Wald Zürich am Sechseläuten-Umzug zeigt.
Ein Baumriese fällt – die Eiche im Rümlanger Müswinkel, die am Freitag geerntet wurde, bildet einen Teil des Umzugwagens, den der Verband Wald Zürich am Sechseläuten-Umzug zeigt.
Balz Murer
Keiner zu klein, um Holzfäller zu sein. Der zweieinhalbjährige Timo aus Rümlang liess sich die spektakuläre Baumfällaktion nicht entgehen.
Keiner zu klein, um Holzfäller zu sein. Der zweieinhalbjährige Timo aus Rümlang liess sich die spektakuläre Baumfällaktion nicht entgehen.
Balz Murer
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WaldZürich, so nennt sich der Waldeigentümerverband des Kantons Zürch, feiert nächstes Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Um der Bevölkerung etwas Bleibendes und Lehrreiches zu bieten, richtet der Verband für rund 1,5 Millionen Franken auf dem Hönggerberg ein dauerhaftes Waldlabor ein. Dort sollen «wichtige Waldfragen praktisch und langfristig ausprobiert werden können», wie WaldZürich auf seiner Website erklärt. Die Eröffnung ist für den nächsten Frühsommer vorgesehen.

Dieses Freilichtlabor mit einer Ausdehnung in der Grösse von etwa 250 Fussballplätzen (150 Hektaren) soll für einmal nicht den Naturwald darstellen, sondern den vom Menschen bewirtschafteten Forst und zwar in historischen, aktuellen und zukünftigen Formen der Waldbewirtschaftung. Das Waldlabor soll gleichzeitig ein Lern-, Erlebnis- und Forschungsort sein. «Für Schülerinnen und Studenten entsteht so ein Klassenzimmer im Freien, für Familien ein erlebnisreicher Wald, für Profis ein Forschungsort», hält der Verband fest.

Eichenpflanzungen

Das Projekt ist auf eine lange Zeitdauer von 100 Jahren ausgelegt. Gezeigt wird, wie sich der Wald durch die menschlichen Eingriffe entwickelt. Im Verlauf der Jahre sollen die diversen Waldbilder auf relativ kleinem Raum sichtbar werden. Die Besucherinnen und Besucher würden jedoch nicht 20 oder 30 Jahre warten, bis etwas Interessantes entstanden ist; von Anfang an sollen diverse Projekte Gross und Klein in ihren Bann ziehen.

So zum Beispiel die Eichenaktion: Als Zukunftssymbol schenkt WaldZürich allen 331 Mitgliedern eine junge Zürcher Eiche. Die Eichen werden im Rahmen lokaler Anlässe wie Waldumgängen oder Holzganten gepflanzt. So zum Beispiel am 5. Mai in Oberembrach oder am 10. September in Lufingen.

Alle Jubiläumsprojekte von «100 Jahre, wo die Zukunft wächst» – so der Slogan – kommen zusammen auf etwa 1,5 Millionen Franken zu stehen. Rund eine Million sei bereits gesichert, erklärte der frühere Bülacher Förster Beat Hildebrandt, der für das Sponsoring zuständig ist. Darin enthalten sind auch 500'000 Franken aus dem Lotteriefonds, die der Regierungsrat bereits vor Jahresfrist zugesichert hat.

Bäumige Riesen

Die Eichen spielen auch ausserhalb des Waldlabors eine tragende Rolle. Am Sächseläuten-Umzug vom 8. April sind die Zürcher Waldbesitzer mit einem grossen Pferdegespann dabei. Auf dem Wagen, der in der Landmaschinenstation Naef in Eglisau hergerichtet wird, werden vier geschnitzte Stämme mächtiger Eichen zu sehen sein.

Der Molser Künstler Thomas Jud wird aus den Stämmen vier Sujets herausarbeiten: «Einen Holzfäller, eine Gattersäge, ein Cheminée mit Brennholzvorrat und eine Frau an einem eichernen Bürotisch.» Dies erklärte Roland Steiner, Förster im Revier Egg-Ost-Stadlerberg und Vorstandsmitglied von WaldZürich. Der Bachser arbeitet auch im Organisationskomitee «100 Jahre WaldZürich» mit.

3500-Franken-Geschenk

Am Freitag wurden die beiden letzten der vier benötigten Eichen in Bülach und Rümlang gefällt. Die beiden anderen wurden in Stammheim und in der Stadt Zürich geerntet. Zum feierlichen Anlass im Rümlanger Müswinkel waren rund 30 Interessierte erschienen, darunter etliche Waldbesitzer und Vertreter von WaldZürich. Die nicht mehr ganz gesunde, aber sehr stattliche Eiche, die von den Forstwarten Gilles Henriod und Adrian Wirz gefällt wurde, ist ein Geschenk der Huben Holzkorporation Rümlang an das Waldbesitzer-Jubiläum – eine Gabe mit einem Wert von rund 3500 Franken, wie Steiner ausführte.

Der Müswinkel sei ein Wald mit zahlreichen schweren Eichen, erklärte Förster Thomas Hubli. Dank dem nährreichen Boden seien diese Bäume dort schnell gewachsen. Der Durchmesser des gefällten Baumes beträgt rund 1,3 Meter und gauckle damit ein Alter vor, das er nicht habe, erklärte Hubli. Die Eiche dürfte knapp 200 Jahre alt sein, sagte der Förster. Das rund 3 Meter lange Stammstück, das für den Umzug benötigt wird, dürfte im frischen Zustand mehr als drei Tonnen wiegen. Beim Schnitzen werde das Gewicht auf etwa eine Tonne heruntergearbeitet, sagte Steiner.

Eichen haben Zukunft

«Die besten Schinken wachsen auf den Eichen», lautet ein altes Sprichwort, das auf die in früheren Jahrhunderten gängige Waldbeweidung hinweist. Dabei wurden die Nutztiere zur Fütterung in den Wald geführt. Die Eicheln waren für die Schweinemast eine ergiebige Futterquelle. Mit dem neuen Waldgesetz aus dem Jahr 1903 wurde die Waldweide verboten, da die Haustiere grosse Schäden an den Pflanzen anrichteten.

Doch auch ohne Schinkenproduktion ist die Eiche eine wirtschaftlich und ökologisch hochwertige Baumart. Von und auf ihr leben über 500 verschiedene Tierarten, angefangen vom seltenen Hirschkäfer bis zum Mittelspecht. Zudem hat diese knorrige Baumart ein grosses Zukunftspotenzial, kommt sie doch mit der Wärme und Trockenheit, wie sie der Klimawandel immer mehr bringen wird, gut zurecht.

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