Wasterkingen

«Vier Stunden vor der Tat haben wir noch zusammen gelacht»

Die Angehörigen können sich nicht erklären, wie es so weit kommen konnte. Ein 50-jähriger Serbe hat am Dienstag seine Ehefrau getötet. Wenige Stunden vor der Tat schien die Welt noch in Ordnung.

In diesem Haus spielten sich am Dienstagabend dramatische Szenen ab. Eine 45-Jährige Frau ist ihren Verletzungen noch vor Ort erlegen.

In diesem Haus spielten sich am Dienstagabend dramatische Szenen ab. Eine 45-Jährige Frau ist ihren Verletzungen noch vor Ort erlegen. Bild: Balz Murer

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Das Haus ist in die Jahre gekommen. In einigen Scheiben befinden sich Risse. Der Blick ins Innere ist durch Plastikvorhänge versperrt. In diesem Haus ist am Dienstagabend der Streit eines Ehepaares eskaliert, den die 45-jährige Mutter von vier Kindern mit dem Leben bezahlt hat. Vor der Eingangstür, welche die Kantonspolizei versiegelt hat, brennt eine Kerze. Daneben liegt eine Postkarte.Nur das erinnert daran, dass hier wenige Stunden zuvor Dutzende Rettungskräfte, Spezialisten, Polizisten und Gemeindevertreter im Einsatz gestanden sind.

Angehörige erfuhren erst vor Ort vom Tod der Frau

Gestern wussten noch nicht alle Angehörigen Bescheid. Kurz nach der Mittagszeit parkiert ein weisser BMW vor dem Haus. Zwei sichtlich aufgelöste Männer steigen aus. Einer von ihnen sagt: «Mir wurde mitgeteilt, dass die Polizei beim Haus meiner Cousine steht.» Er wisse nicht, was los sei. Eine unangenehme Situation: Seine Cousine ist tot. Als er das erfährt, bricht er in Tränen aus. Der Mann setzt sich auf einen Stein, hält die Hände vors Gesicht, schüttelt den Kopf und schluchzt. Der zweite Mann, der Neffe des Opfers, verfällt in eine Art Schockstarre. Trotzdem hat er die Kraft, um seinen Verwandten zu trösten.

Einige Minuten vergehen. Dann beginnen beide zu telefonieren. Ein grosser Teil der Verwandtschaft scheint noch nicht informiert zu sein. «Ein Verwandter, der in Deutschland lebt, hat mich angerufen und gesagt, dass mit meiner Cousine etwas nicht in Ordnung ist.» Er hat sich daraufhin sofort auf den Weg nach Wasterkingen gemacht. Dass sie tot ist, kann er nicht fassen.

Der Cousin des Opfers war am Dienstagnachmittag noch zu Besuch bei der Familie in Wasterkingen. «Ich habe meinen Sohn bei ihnen abgeholt. Er hat Schulferien und wohnte für eine Woche bei ihnen.» Es habe keinerlei Probleme gegeben. «Wir sassen alle zusammen am Tisch, haben geredet und gelacht.» Um etwa 16.30 Uhr verliess der Cousin mit seinem Sohn das Haus. Nur drei Stunden später war die 45-Jährige tot. Weshalb die Stimmung in dieser Zeit derart kippte, ist nun Gegenstand der laufenden Ermittlungen von Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft.

Mutmasslicher Täter hatte fünf Operationen am Kopf

«Dieser Mann ist krank», sagt der Cousin. Der mutmassliche Täter leidet an Epilepsie. Zudem musste er sich aufgrund eines Gehirntumors bereits fünf Operationen am Kopf unterziehen. Hat sich dadurch die Persönlichkeit des ehemaligen Offiziers in der serbischen Armee verändert? «Nein», glaubt der Neffe des Opfers, «er hatte zwar ein wenig Schwierigkeiten beim Sprechen, aber er war immer anständig und hat sich gut in die Familie integriert.»

Nach einer halben Stunde steigen die beiden Männer wieder in den BMW. «Wir wissen nicht mal, wo die Kinder sind. Wir wollen jetzt schnellstmöglich zu ihnen.»

Erstellt: 18.10.2017, 19:29 Uhr

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