Eglisau

Von der Leiche fehlt bis heute jede Spur

«Der Mord ohne Leiche»: Was der Titel eines Krimiromans sein könnte, ist im Fall Gino Bornhauser bittere Realität. Die Chronologie eines ­brutalen Kriminalfalls . . .

Das Auto von Gino Bornhauser (oben) wurde zwei Tage nach dem Mord ausgebrannt in der deutschen Gemeinde Lottstetten aufgefunden.

Das Auto von Gino Bornhauser (oben) wurde zwei Tage nach dem Mord ausgebrannt in der deutschen Gemeinde Lottstetten aufgefunden. Bild: Archiv ZU

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22. April 2016 Der 67-jährige Gino Bornhauser verlässt um circa 17 Uhr eine Arztpraxis in Rafz. Auf dem Parkplatz nahe der Feuerwehr Rafz-Wil, rund 100 Meter von der Praxis entfernt, wird er von einem Mann attackiert, in sein eigenes Auto gezerrt und entführt. Seither fehlt jede Spur von ihm.

24. April 2016 Das Auto von Gino Bornhauser wird ausgebrannt in der deutschen Grenzgemeinde Lottstetten aufgefunden. Es steht in der Nähe des Waldes auf einem Feldweg. Vom Rentner fehlt aber weiterhin jede Spur.

26. April 2016 Die Kantonspolizei veröffentlicht eine Vermisstenanzeige, in der sie Gino Bornhauser beschreibt: Er ist etwa 170 Zentimeter gross, von schlanker Statur, hat kurze weisse Haare mit Stirnglatze, ein rundlich- ovales Gesicht und trägt einen Schnauz sowie eine Brille. Der Gesuchte trägt vermutlich Jeans und ein hellblaues Hemd.

19. Mai 2016 Die Kantonspolizei veröffentlicht Filmaufnahmen des mutmasslichen Täters, die ihr von einem Zeugen zugespielt wurden. Die Aufnahmen zeigen Ausschnitte des Streits auf dem Parkplatz. Bei diesem dürfte Bornhauser erhebliche Verletzungen erlitten haben, sodass die Polizei inzwischen von einem Gewaltverbrechen ausgeht. Gross angelegte Suchaktionen in der Region Rafz und auf deutschem Gebiet führen weder zum Auffinden des Vermissten noch zum unbekannten Täter.

31. Mai 2016 Die Kantonspolizei verhaftet in Rafz ein junges Ehepaar. Dabei handelt es sich um eine 33-jährige Slowakin und einen 34-jährigen Brasilianer. Sie haben zusammen drei kleine Kinder. Anwohner bestätigen: Bornhauser und das verhaftete Ehepaar haben bis vor drei Jahren nebeneinander gewohnt. Danach ist Bornhauser nach Eglisau umgezogen. Die Polizei prüft nun die Zusammenhänge mit dem Verschwinden des Rentners, von dem noch immer jede Spur fehlt.

4. Juni 2016 Ein Velofahrer entdeckt in einem Wald in Boppelsen eine männliche Leiche. Der Tote könnte aufgrund erster Ermittlungen Opfer eines Ge­walt­verbrechens geworden sein. Seine Identität ist unklar. Die Kantonspolizei geht aber nicht davon aus, dass es sich um den vermissten Gino Bornhauser handelt.

6. Juni 2016 Der 34-jährige Brasilianer gesteht die Tötung von Gino Bornhauser. Seine Ehefrau befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuss. Dies bestätigt die zuständige Staatsanwältin. Trotz Geständnis kann sich der Brasilianer aber nicht erinnern, wo er die Leiche abgelegt hat. Die Suche geht weiter.

27. Juli 2016 Die Kantonspolizei stellt die Suche nach der Leiche ein. Wochenlang sind kantons- und länderübergreifend über 140 Polizisten, darunter auch Beamte mit speziell ausgebildeten Leichensuchhunden, im Einsatz gewesen. Auch Jäger und Wildhüter haben mitgeholfen.

26. Dezember 2016 Witwe Petra Bornhauser äussert sich bei «Blick» zum Mord an ihrem Ehemann. Ihr sehnlichster Wunsch: endlich richtig Abschied nehmen zu können. Die Ehefrau quält die Frage: «Warum hat an diesem Abend niemand die Polizei angerufen? Ich weiss aus den Polizeiakten, dass mehrere Personen anwesend waren, als Gino vom Täter zusammengeschlagen wurde. Eine Person filmte sogar mit dem Handy.»

22. April 2017 Laut «Tages- Anzeiger» ist die Polizei dank eigener Ermittlungen auf die Spur des Täters gekommen. Der Brasilianer hatte nach der Tat Wertsachen von Gino Bornhauser gestohlen, darunter auch eine Bankkarte. Zu Hause übergab er diese an seine Ehefrau und beauftragte sie, damit bei einem Bancomaten Geld abzuheben. Die Frau tippte aber den falschen Code ein, sodass die Karte vom Automaten eingezogen wurde. Anschliessend bezog sie mit ihrer eigenen Karte Geld.

21. Juli 2017 Das Bezirksgericht Bülach publiziert im «Zürcher Unterländer» einen Verschollenenaufruf. Darin heisst es: «Jedermann, der über das Schicksal von Gino Bornhauser Auskunft geben kann, wird aufgefordert, dem Gericht binnen Jahresfrist Anzeige zu machen. Sollte keine Meldung eingehen, würde der Verschwundene als verschollen erklärt.» Dass die Leiche noch immer nicht gefunden worden ist, hat einschneidende Konsequenzen für die Angehörigen: Fragen zum Erbe, zur Auflösung der Ehe oder zu den Leistungen der Witwen-, Witwer- oder Waisenrente bleiben offen. Die Familie hat erst darauf Anspruch, wenn der Vermisste von einem Gericht offiziell für verschollen oder tot erklärt wird.

4. September 2017 In der Anklageschrift kommen neue Details zur Tat ans Licht. Gino Bornhauser musste lange leiden, bevor er getötet wurde. Bereits auf dem Parkplatz wurde er vom Brasi­lianer übel zugerichtet. Es ist die Rede von über zehn Faust-, Unterarm- und Ellbogenschlägen gegen den Kopf des Rentners. Mit dem Opel von Bornhauser fuhr der Täter danach auf einem Feldweg über die Grenze nach Deutschland. Dort legte er den Bewusstlosen quer vor dem Auto auf den Boden und überrollte ihn dreimal. Gino Bornhauser erliegt vor Ort seinen Verletzungen.

2. Oktober 2017 Im Flughafen­gefängnis wird ein Häftling tot in seiner Zelle aufgefunden. Rainer Hohler, Präsident des Bezirks­gerichts Bülach, bestätigt: «Beim toten Häftling handelt es sich um L. R. (Name der Redaktion be­kannt).» Dieser hat den Mord an Gino Bornhauser gestanden und sollte am 12. Dezember vor Gericht kommen. Witwe Petra Bornhauser erfährt von der Presse vom Tod des Brasilianers. «Ich bin sehr schockiert, und meine Gedanken sind durcheinander.» Sie finde es erschreckend, dass die Medien vor ihr informiert wurden.

24. August 2018 Das Bezirks­gericht Bülach erklärt Gino Bornhauser für tot. Wird der Entscheid rechtskräftig, können die Angehörigen endlich Abschied nehmen. (zuonline.ch)

Erstellt: 01.09.2018, 10:57 Uhr

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