Bülach

«Wachstum ist nicht unser oberstes Ziel»

Seit dem 1. Februar ist Martin Bieber der neue Leiter der Stiftung Wisli in Bülach. Er setzt einerseits auf Kontinuität. Anderseits möchte er Betroffene mehr einbeziehen und die Arbeit der Stiftung öffentlicher machen.

Die gemeinnützige Stiftung Wisli bietet Menschen mit einer psychischen, physischen oder sozialen Beeinträchtigung ein breites Angebot in den Bereichen Arbeit, Arbeitsintegration sowie im privaten Lebens- und Wohnbereich.

Die gemeinnützige Stiftung Wisli bietet Menschen mit einer psychischen, physischen oder sozialen Beeinträchtigung ein breites Angebot in den Bereichen Arbeit, Arbeitsintegration sowie im privaten Lebens- und Wohnbereich. Bild: (Symbolbild)/Keystone

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Sie waren für verschiedene landesweit präsente Stiftungen und Organisationen tätig. Wieso wechseln Sie nun zur regional tätigen Stiftung Wisli?
Genau das Regionale und die mit der Grösse verbundene Nähe zu den Klientinnen und Klienten haben mich gereizt. Ich habe in den grossen Organisationen viel gelernt und will diese Zeit nicht missen. Aber ich bin überzeugt, dass ich bei Wisli mehr Impulse setzen und mehr bewirken kann.

Sie arbeiten seit Anfang Jahr für die Stiftung. Haben Sie bereits neue Ideen entwickelt?
Ich möchte auf dem Vorhandenen aufbauen und dieses weiter stärken. Gleichzeitig möchte ich mit meinem Team das Erreichte als Sprungbrett für weitere Ideen nutzen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Seit nunmehr zehn Jahren bereiten unsere Klientinnen und Klienten mitten im lebhaften Betrieb von Gate Gourmet im Flughafen Bestecksets, Frühstücksboxen und Weiteres vor. Das ist ein Modell, das noch mehr anwenden könnte. Nebst vielen anderen sind solche Aufgaben eine grosse Chance, sowohl für uns, als auch für die Unternehmen. Warum sollen Unternehmen Arbeiten outsourcen, wenn die Stiftung Wisli diese bei ihnen vor Ort erledigen kann?

Unter der Leitung Ihres Vorgängers ist die Stiftung beträchtlich gewachsen. Soll das Wachstum weitergehen?
Wachstum ist nicht das oberste Ziel der Stiftung Wisli. Eine wichtige Aufgabe ist auch, das in den vergangenen Jahren Erreichte weiter zu festigen und zu verbessern. Selbstverständlich werden wir auch in Zukunft die Chancen nutzen, aber auch Neues anpacken, wenn wir damit Klientinnen und Klienten sinnvolle Wohnmöglichkeiten und Arbeiten anbieten können und damit ihre Chancen, in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren, erhöhen.

Sie möchten der Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen entgegentreten. Wie soll das geschehen?
Eine Stigmatisierung entsteht oft durch Nichtwissen und Ängste. Die Stiftung versteckt sich nicht und zeigt, wie sie mit den Betroffenen arbeitet. Wir alle erleben psychische Erschütterungen, zum Teil sehr schwere. Ob jemand daran erkrankt, liegt nicht an seinen fachlichen oder persönlichen Fähigkeiten oder am gesellschaftlichen Status. Wir begleiten die erkrankten Menschen, entweder im eigenen Umfeld, beispielweise mit der psychiatrischen Spitex oder dem begleiteten Wohnen. Oder wir betreuen sie in einem Wohnheim der Stiftung Wisli. Die Betroffenen auf Augenhöhe miteinbeziehen, ist wichtig, damit sie wieder gesund werden. Darüber möchten wir vermehrt reden und schreiben.

Viele wohltätige Organisationen buhlen um finanzielle Zuwendungen. Wieso soll man der Stiftung Wisli spenden?
Der politische Spardruck ist sehr gross und steigt weiter. Leider zulasten unserer Klientinnen und Klienten. Vieles, was wünschenswert und notwendig ist, können die Betroffenen oder wir als Stiftung nicht finanzieren. Dazu gehören etwa Ferienlager, Kurse, Freizeitaktivitäten, die Möblierung einer Wohnung oder auch eine persönliche Unterstützung, wenn beispielsweise die Invalidenversicherung noch nicht zahlt. Hier können Spender direkte Zeichen setzen.

Erstellt: 16.02.2018, 14:46 Uhr

Stiftung Wisli

Die gemeinnützige Stiftung Wisli bietet Menschen mit einer psychischen, physischen oder sozialen Beeinträchtigung ein breites Angebot in den Bereichen Arbeit, Arbeitsintegration sowie im privaten Lebens- und Wohnbereich. Sie unterstützt betroffene Personen, fördert ihre Rehabilitation und hilft ihnen, ihre Eigenständigkeit in allen Lebensbereichen zu erhalten und weiterzuentwickeln. (dsh)

Zur Person

Aufgewachsen in Basel, lebt Martin Bieber seit 14 Jahren im Grossraum Zürich, aktuell in Egetswil, Kloten. Der Betriebsökonom (HWV/FH) mit einem Executive MBA in Business Engineering (HSG) war im Hochschulumfeld, bei der wirtschaftlichen Entwicklungshilfe, bei Pro Senectute Schweiz und bei der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung tätig.

Per 1. Februar trat Bieber die Nachfolge von Christof Bidoggia an, der sich nach zwölf Jahren einer neuen Herausforderung stellen wird. (dsh)

Martin Bieber. (Bild: pd)

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