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Was die Gemeinde wie viel kostet

Im Unterland lässt sich fast alles in Franken und Rappen ausdrücken, zumindest auf der Ebene der Gemeinden.

Wer schon immer wissen wollte, wie viel sein Dorf pro Einwohner für die Feuerwehr, die Schule oder die Gesundheit ausgibt, der findet die Antwort in den Gemeindefinanzporträts. (Symbolbild)
Wer schon immer wissen wollte, wie viel sein Dorf pro Einwohner für die Feuerwehr, die Schule oder die Gesundheit ausgibt, der findet die Antwort in den Gemeindefinanzporträts. (Symbolbild)
Keystone

Statistiken sind wie Musiknoten: Für sich allein genommen sindes zweidimensionale, schwarze Werte auf weissem Papier – erst die Interpretation macht daraus was Erlebbares, Erfahrbares, zuweilen auch was hoch Emotionales. Eine Hilfe bietet hier das ­Statistische Amt des Kantons ­Zürich. Unter der Rubrik der ­Gemeindeporträts werden dort schon seit Jahren diverse Erhebungen auf Gemeindeebene veröffentlicht, darunter auch solche, die man gar nicht erwarten würde. So lässt sich etwa die jährliche Anzahl Hochzeiten pro 1000 Einwohner abrufen, ein Wert, der im Unterland 2015 zwischen 0 (Bachs) und 9,8 (Winkel) liegt – die jährlichen Scheidungen pro 1000 Einwohner bewegten sich hingegen zwischen 0,6 (Eglisau) und 8,8 (Wasterkingen).Spannend können Zahlen auch in der Welt der Gemeindefinanzen sein. Was den meisten Nichtbuchhaltern als Spalten und ­Zeilen in einem Tabellenkalkulationsprogramm als eher trockene Materie gelten mag, weiss an einem verregneten Februarnachmittag durchaus zu unterhalten, wenn man sich selber die richtigen Fragen stellt.

Konkretes in Tabellenform

Die Finanzzahlen sind so gefragt, dass sie inzwischen eine eigene kantonale Plattform erhalten ­haben: die Gemeindefinanzpor­träts. Dass eine Gemeinde im Sinne der Transparenz der öffent­lichen Hand (Stichwort: Open Data) ihre Steuererträge, ihre Abschreibungen oder ihre Abfallgebühren öffentlich machen muss, ist naheliegend. Doch die Datensätze liefern mehr als 650 Werte für jede einzelne Gemeinde. Zwar ist nicht für jede Kommune jeder Wert verfügbar; das ist jeweils abhängig davon, welche Gemeinde welchen Betrag unter welchem Posten abbucht. Trotz dieses ­relativierenden Moments liefern die Nettoaufwendungen einen guten Teil der Antwort auf die Frage, wohin welcher Anteil der Steuern fliesst. Die Datensätze unter Jahresrechnung pro Kopf, bei der die Beträge in Franken pro Einwohner angegeben sind, lassen ohne grossen Aufwand Vergleiche zu: Jeder Bülacher zahlt für die Polizei pro Jahr 61 Franken, ein Wilemer zahlt noch 17, ein Bopplisser ganze 4 Franken. In Otelfingen flossen 2015 pro Einwohner (netto) 2 Frankenins Kässeli mit der Aufschrift «Sport». In Regensdorf waren es 49, in Kloten 197 Franken pro Kopf.

Mehr Porträt als Finanzen

Nun mag man anführen, dass der einzelne Betrag pro Jahr nur eine Momentaufnahme sei – und ­gewiss, selbst wenn man einen Durchschnittswert für fünf Jahre heranzieht (siehe Kästen), kann es unter dem Strich weniger dar­um gehen, den Rappenbetrag hinter dem Komma zu analysieren denn das grosse Ganze im Auge zu behalten. Die Beträge lassen sich gewissermassen als Indikatoren verstehen: Wenn Lufingen pro Kopf 8.40 Franken in die Kulturförderung steckt, Bassersdorf aber 82.80 Franken, dann steht dahinter nicht nur die Buch­haltung der Gemeinde, sondern auch eine politische Haltung einer Behörde oder einer Dorf­bevölkerung.

So betrachtet, lesen sich die Gemeindefinanzporträts vielleicht weniger als Sammeltabellen der Finanzen denn vielmehr als eigentliche Porträts der Dörfer. Und genau das macht die Statistik auch für Nichtpolitiker und Nichtfinanzer spannend. Selbstverständlich umfassen die Gemeindefinanzporträts auch die üblichen Kennzahlen wie die Nettoschulden, den Selbstfinanzierungsgrad, die relative Steuerkraft oder die Zahlen zum Finanzausgleich. Diese sind zwar für die Finanzvorsteher und die Gemeindeversammlung bedeutender; die Nettoaufwendungen je Gebiet sind aber konkreter.

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