Bassersdorf

Wenig Gehör für Lärmklagen

Der Gemeinderat sieht davon ab, auf die Lärmschutzforderungen von Anwohnern des neuen Primarschulhauses Chrüzacher einzugehen. Dort fühlen sich Anwohner durch Musik- und Geschrei vom nahen Sportplatz belästigt.

Der neue Hartplatz der Schulanlage Chrüzacher wird rege benutzt, was für manchen Anwohner abends zu lange zu viel Lärm mit sich bringt.

Der neue Hartplatz der Schulanlage Chrüzacher wird rege benutzt, was für manchen Anwohner abends zu lange zu viel Lärm mit sich bringt. Bild: Leo Wyden

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Jugendarbeiter, Polizei und mehrere Gemeinderäte haben sich zuletzt ein Bild gemacht von der Situation beim Schulhaus Chrüzacher. Nach Lärmbeschwerden aus der direkten Nachbarschaft im Zusammenhang mit der Benützung des Hartplatzes mussten die Behörden entscheiden, ob und wie man darauf eingehen wollte.

Jetzt ist klar, dass die Gemeinderegierung keine weiteren Massnahmen zum Schutz der Anwohner als notwendig erachtet. So hat der Bassersdorfer Gemeinderat (in alter Besetzung) beschlossen, «dass die Sportplätze der Schulanlagen grundsätzlich nicht gesperrt werden und auch im Chrüzacher diesbezüglich keine Ausnahme gemacht wird». Aus pädagogischer Sicht sei es nicht ratsam, Schulanlagen ausserhalb des Schulbetriebs für die Öffentlichkeit zu schliessen, heisst es im Entscheid des Gemeinderats weiter. Jeder Sportplatz biete überdies eine sinnvolle Möglichkeit für eine aktive und gesunde Freizeitbeschäftigung.

Das schlagende Argument der Behörden: «Der Lärm von spielenden Kindern ist nicht einklagbar.» So steht es in einem Bundesgerichtsurteil von 2005, worauf sich die Bassersdorfer Exekutive nun bezieht. Ob dies aber das Ende des Falls darstellt oder erst der Anfang eines langen Rechtsstreits ist, muss sich noch zeigen.

Keine vorgezogene Nachtruhe

«Wir sind sehr enttäuscht», sagt ein Vertreter der Eigentümerschaft, der nicht namentlich genannt werden möchte. Man habe jedenfalls beschlossen einen Anwalt einzuschalten und genaue Abklärungen vornehmen zu lassen, inwiefern man auf dem Rechtsweg etwas erreichen könne. Der Anwohner gibt zu bedenken, dass man sich ja nicht gegen spielende Kinder wehre und der normale Schulbetrieb auch kein Problem für die Nachbarn darstelle. «Ich hatte ja auch für das Schulhaus gestimmt.» Aber niemand habe damit gerechnet, dass unmittelbar vor der Balkonfront direkt an der Grundstücksgrenze, ein Hartplatz hinkomme, der dazu noch ohne weitere zeitliche Benutzungseinschränkung der ganzen Bevölkerung jeden Abend und an allen Wochenenden offenstehe.

In der Praxis kommt somit die örtliche Polizeiordnung zur Anwendung. Darin steht lediglich, dass die Nachtruhe von 22 Uhr bis 7 Uhr gilt, was auch der Gemeinderat in seiner aktuellen Stellungnahme zum Fall erwähnt.

Vor einem Jahr neu eröffnet

Im Juni vor einem Jahr hatte die Gemeinde Bassersdorf mitten in diesem Wohnquartier ihr neustes Primarschulhaus in Betrieb genommen. Seither wird auch der rote Hartplatz ganz am einen Ende der Sportwiese rege benutzt. Das sorgt direkt hinter dem Schutzzaun für Unmut in der Nachbarschaft. Der Rummel vor den Sitzplätzen und Balkonen sei zuweilen unzumutbar geworden, ärgern sich die Besitzer mancher Eigentumswohnungen in der ersten Reihe. Oft herrsche über ganze Wochenenden hinweg von morgens bis abends Hochbetrieb. Besonders störend sei die laute Musik aus den oft mitgebrachten Boxen. Aber auch die ständigen Ballgeräusche und das Gekicke gegen die Zäune seien mühsam, heisst es.

Im Dezember 2017 fand bereits eine Aussprache zwischen Anwohnern und Behörden statt. In einer ersten Reaktion hat die Gemeinde den Zaun verlängert und erhöht sowie lärmdämmende Gummieinlagen an den Pfosten anbringen lassen. Doch die Nachbarn fühlen sich noch immer übermässig belästigt vom Lärm. Sie wünschen sich vor allem eine Mittagsruhe, und dass abends nach 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen auf dem Hartplatz vor ihren Wohnungen nicht gespielt wird.

Die Gemeinde hat dafür kein Gehör. Einzig die Vereine wurden angewiesen, dass die Fenster der Turnhalle während der Trainings geschlossen bleiben. Einschränkungen der Nutzungszeiten wie in anderen Gemeinden üblich, wird es nicht geben. Die Anwohner wollen das nicht auf sich sitzen lassen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 14.05.2018, 17:35 Uhr

Die neue Schulanlage Chrüzacher aus der Vogelperspektive mit dem Sportplatz und den Nachbarn (anklicken für grössere Ansicht). (Bild: GoogleMaps/ZU)

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