Hochfelden

«Wenn es um Fluglärm-Verteilung geht, werden wir uns wohl nie einigen»

Der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (sbfz) informierte Delegierte über Erfolge und Problemfelder.

Der Schutzverband wird auf eine Einsprache gegen die neuen Fluglärmgebühren rund um den Flughafen verzichten.

Der Schutzverband wird auf eine Einsprache gegen die neuen Fluglärmgebühren rund um den Flughafen verzichten. Bild: Archiv Heinz Diener

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Bevor Thomas Hardegger, Präsident des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (sbfz), der Delegiertenversammlung seinen Halbjahresbericht präsentierte, stellte Hochfeldens Gemeindepräsidentin Simone Caneppele ihr Dorf mit seinen knapp 2000 Einwohnern mit den Worten «klein, beschaulich und herzig» näher vor. «Auch wir hängen am Tropf des Finanzausgleichs», so ihre einführenden Worte.

Genehmigt wurde auch die Jahresrechnung 2018 des sbfz mit Einnahmen von rund 132'000 Franken und Ausgaben von 147'000 Franken bei einem Aufwandüberschuss von rund 15'000 Franken.

Verzicht auf Beschwerde wegen Lärmgebührentarif

Thomas Hardegger stellte in seinem Bericht gleich zu Beginn das Aktuellste bezüglich Fluglärmgebühren vor. Obwohl die neuen Gebühren, gültig ab diesem Herbst, in den Nachtrandstunden erhöht werden, seien diese Lärmgebühren aus Sicht des Verbandes sehr bescheiden und würden wenig Lenkungswirkung erzielen. Trotzdem werde der Schutzverband auf eine Einsprache verzichten, verlange aber vom Bundesverwaltungsgericht, im Falle einer Anfechtung durch die Fluggesellschaft Swiss oder anderer Verfahrensbeteiligter, weiter ins Verfahren einbezogen zu bleiben.

«Immerhin können wir einen kleinen Erfolg verbuchen: Die Swiss hat die Anzahl Reserveflugzeuge von drei auf sechs aufgestockt.» Viele Verspätungen seien aufgrund fehlender Ressourcen von Flugzeugen und Personal selbst verschuldet und wegen der fehlenden Wirksamkeit der Lärmgebühren auch nicht behoben worden. «Ob die Aufstockung genügt und die Situation nun besser wird, werden wir sehen.» Der Fluglärmbericht 2018 weise aus, dass in den Nachtrandstunden der Lärm, die Bewegungen und Verspätungen weiterhin zunehmen. Deshalb sei der Schutzverband nach wie vor stark gefordert durch die Missachtung der ordentlichen Betriebszeiten.

Trotz Verfügung des Bundesamts, keine weiteren Starts und Landungen nach 22.20 Uhr zu planen, seien vom Flughafen sechs zusätzliche Slots für die Zeit von 22 bis 22.20 Uhr beantragt worden. «Es ist absurd: Der Flughafen hat immer ausgeführt, dass sich die Verspätungen über den Tag aufbauen, und nun sollen die zusätzlichen Bewegungen trotzdem noch in den Abendstunden eingefügt werden können», führte der sbfz-Präsident aus.

«Verband von aussen oft nicht wahrgenommen»

Als weiterer Punkt der Delegiertenversammlung stand die Handlungsstrategie auf der Traktandenliste. «Wir sind die wichtigste und kompetenteste Fluglärm-Organisation rund um den Flughafen Zürich, werden von aussen aber oft nicht wahrgenommen.» Der Schutzverband wolle sich weiterhin für Erholungszeit vom Fluglärm einsetzen und die Zusammenarbeit mit weiteren Verbänden pflegen. «Wenn es um die Verteilung von Fluglärm geht, werden wir uns wohl nie einigen können», sagte Hardegger.

Den Schlussteil übernahm Urs Walker vom Bundesamt für Umwelt mit dem Referat zum Thema «Anpassung Lärmschutzverordnung». Er zeigte auf, wie wichtig der Zusammenhang von Wohnen und Lärm sowie Erholung und Lärm sei. «Lärm schadet der Gesundheit und verursacht hohe externe Kosten.» So wolle man eine Siedlungsverdichtung möglich machen, ein Angebot von Räumen für Ruhe und Erholung sicherstellen und gleichzeitig dem Schutz vor Lärm Rechnung tragen.

Erstellt: 27.06.2019, 15:20 Uhr

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