Flughafen

Whistleblower prangert Firma am Flughafen an

Ein Whistleblower schlägt Alarm: Das von Dnata angestellte Bodenpersonal leiste bis zu zehnstündige Schichten. Die Firma dementiert die Vorwürfe.

Die Firma Dnata nimmt am Flughafen Zürich mit 12 Prozent Marktanteil, neben Swissport (83 Prozent) und AAS (5 Prozent), die Gepäckabfertigung vor.

Die Firma Dnata nimmt am Flughafen Zürich mit 12 Prozent Marktanteil, neben Swissport (83 Prozent) und AAS (5 Prozent), die Gepäckabfertigung vor. Bild: Reto Oeschger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Load Controller sind am Flughafen für einen der wichtigsten Prozesse der Flugzeugabfertigung verantwortlich: das korrekte Beladen der Flugzeuge. Ziel der Lademeister ist es jeweils, den optimalen Schwerpunkt eines Flugzeugs zu erreichen, damit das Flugzeug in der Luft stabil und manövrierfähig bleibt. Das ist für die Flugsicherheit essentiell, denn: Eine schlechte Verladung kann – im schlimmsten Fall – zu einem Flugzeugabsturz führen.

Am Flughafen Zürich nehmen die Firmen Swissport, AAS und Dnata diese Aufgaben wahr. Doch nun sorgt ein Dnata-Mitarbeiter für Aufruhr. Über eine Meldeplattform des «Beobachters» meldet der Whistleblower: «Wir müssen mit unserer Unterschrift garantieren, dass alles in Ordnung ist. Aber bei einer Schicht von zehn Stunden ohne Pause kann ich das nicht mit gutem Gewissen. Es sind auch schon Fehler passiert.» Dem Schreiben beigefügt sind Personalblätter, welche die langen Schichten bestätigen. Die Firma Dnata Switzerland AG mit Sitz in Kloten ist Arbeitgeberin von 500 bis 600 Load Controllers am Flughafen Zürich. Mit einem Marktanteil von 12 Prozent nimmt sie, zusammen mit Swissport (83 Prozent) und AAS (5 Prozent), die Gepäckabfertigung vor.

«Dnata fällt immer wieder negativ auf»

Die Gewerkschaft VPOD zeigt sich alarmiert über die Vorwürfe. Dnata habe keinen guten Ruf, sagt Stefan Brülisauer, Regionalsekretär des VPOD Luftverkehr. «Sie fällt immer wieder negativ auf: Tieflöhne, schlechte Sozialleistungen und zu lange Arbeitszeiten.» Schenkt man dem VPOD Glauben, ist Dnata indes kein Einzelfall: «Der Preisdruck im Luftverkehr führt leider dazu, dass die Unternehmen versuchen, Kosten bei den Mitarbeitenden zu sparen. Während die Anzahl Flugpassagiere jährlich steigt, müssen diese mit gleichem oder gar geringerem Personalbestand abgefertigt werden», hält Brülisauer fest. Der VPOD versuche nun, gemeinsam mit den Mitarbeitenden das Unternehmen von einer Sozialpartnerschaft zu überzeugen. «Unser Ziel ist der Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrags (GAV), der die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden langfristig verbessert. Leider zeigte sich Dnata diesbezüglich in der Vergangenheit nicht sehr kooperativ – Mitarbeitende, die sich gewerkschaftlich organisierten, wurden eingeschüchtert und mit Kündigung gedroht.» Grundsätzlich müsse das Arbeitsinspektorat die Unternehmung überprüfen und gegebenenfalls sanktionieren. Dieses hat sich denn auch bereits bei Dnata gemeldet.

Selbstdeklaration liegt vor

Auf Anfrage erklärt die Flughafen Zürich AG, dass die Firma einen Bewerbungsprozess durchlaufen hat. In diesem musste sie glaubhaft nachweisen, dass sie «die finanziellen und personellen Ressourcen hat, um die Abfertigungstätigkeiten nach den geltenden Vorschriften und Bestimmungen am Flughafen Zürich in hoher Qualität ausführen können». In den Bestimmungen sei festgehalten, so Mediensprecher Philipp Bircher, dass die Anbieter die geltenden Arbeitsrechts- und Arbeitsschutzbestimmungen sowie Gleichstellungsgrundsätze einhalten müssen. «Als Nachweis verlangen wir eine schriftliche Erklärung und, wenn vorhanden, einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV).» Im Fall von Dnata liege eine entsprechende Selbstdeklaration vor.

Bezüglich der Informationen, die der Whistleblower zu Dnata veröffentlicht hat, hält Bircher fest, dass die Flughafen Zürich AG mit dem Unternehmen in Kontakt stehe und um eine Stellungnahme gebeten habe. Er weist aber auch darauf hin, dass nicht die Flughafen Zürich AG selbst Auftraggeberin ist, sondern im Fall der Bodenabfertigungsunternehmen die Fluggesellschaften. Dnata Switzerland gehört zur Emirates-Gruppe, daher der volle Name: Dubai National Air Transport Association.

«Im Rahmen der Legalität»

Lukas Gyger zeichnet als COO von Dnata Switzerland mitunter für die Führung der Mitarbeitenden sowie die Personaleinsatz- und Ressourcenplanung verantwortlich. Er sagt: «Die Vorwürfe des VPOD entbehren jeder Grundlage. Wir zahlen absolut branchenübliche Löhne, und auch bezüglich unserer Sozialleistungen müssen wir uns nicht verstecken.» Die Planungssysteme wie der Personalbestand seien darauf ausgelegt, dass sie dem Arbeitsgesetz genügen. «Dazu sind wir verpflichtet», betont Gyger. Zwar könne es vorkommen, dass jemand in Sonderfällen länger arbeiten müsse, jedoch geschehe dies stets im Rahmen der Legalität. Und: «Es wird niemand dazu gezwungen, seine Arbeit zu verrichten, wenn er sagt, er sei übermüdet und unkonzentriert.»

Dass der Preisdruck in der Luftfahrt steige, weist Gyger nicht zurück. Allerdings sei es nicht das Ziel, diesen Druck in der Branche auf die Mitarbeitenden abzuwälzen. «Ja, der Flughafen verzeichnet mehr Passagiere – dem kommen wir aber mit technologischen Möglichkeiten entgegen, sicher nicht mit einer Reduktion des Personals.» Auch dass die Flugsicherheit durch die Übermüdung des Personals gefährdet sei, relativiert der COO: Zwar würden Load Controllers eine wichtige Funktion einnehmen, die tatsächliche Schwerpunktberechnung erledigen aber zumeist nicht sie selbst. «Viele Airlines haben diese Aufgabe übrigens ausgelagert.»

Konflikt in Genf

Dass der VPOD so harte Vorwürfe gegen Dnata erhebe, führt der COO vielmehr auf das politische Agenda-Setting der Gewerkschaft zurück – und auf einen Konflikt in Genf, wo der zweite Sitz von Dnata Switzerland liegt. Gemäss Gyger sei dort der bisherige GAV ausgelaufen. «Darauf ist ein leicht modernisierter Vorschlag ohne Konditionsverschlechterungen für die Mitarbeitenden ausgearbeitet worden. Und ausgerechnet die Gewerkschaften haben sich dagegen entschieden, diesen bewährten und von den Mitarbeitenden unterstützten GAV fortzuführen.» Zum Vorhaben des Verbands, in Zürich einen GAV einzuführen, will sich Gyger vorerst nicht äussern. «Uns ist der direkte Draht zu den Mitarbeitenden wichtig – und der hat sich meines Erachtens bewährt.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.02.2019, 18:05 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben