Zum Hauptinhalt springen

Wie Bachenbülach vor hundert Jahren zum Örgeli-Mekka wurde

Zwei der schweizweit berühmtesten Handorgelmacher lebten in der Unterländer Gemeinde.

Männer wie Frauen waren in der Akkordeonfabrik Tell in Bachenbülach angestellt. Die Aufnahmen von Hermann Schmidli stammen aus dem Jahr 1951.
Männer wie Frauen waren in der Akkordeonfabrik Tell in Bachenbülach angestellt. Die Aufnahmen von Hermann Schmidli stammen aus dem Jahr 1951.
Fotos: Keystone/Photopress-Archiv

Der Kanton Zürich war ab den 1920er Jahren eine wahre Hochburg der Ländlermusik. Kein Wunder also, dass einer der bekanntesten Akkordeonmacher der Schweiz, Josef Nussbaumer, sich 1920 in Bachenbülach niederliess. Nussbaumer (1882-1972) hatte um 1910 zunächst im Toggenburg damit begonnen, Schwyzer-Örgeli herzustellen, zog aber ein Jahrzehnt später ins Zürcher Unterland. Dort baute er chromatische Modelle nach italienischem Vorbild. Seither ist Bachenbülach als Handharmonika-Mekka bekannt: Bis heute gibt es nebst den dort produzierten «Tell»-Örgeli auch die «Bachenbülach»-Modelle.

Nussbaumer ist auch zu verdanken, dass eine weitere Schweizer Berühmtheit in Bachenbülach ein neues Zuhause fand – und zwar niemand anderes als der Komponist der «Steiner Chilbi». Jost Ribary war, wie Nussbaumer, in der Gemeinde Oberägeri geboren und zog im Jahr 1933 ins Unterland. Dort arbeitete er als Stimmer in der «Handorgeli», wie die Akkordeonfabrik Tell damals hiess – sie gehörte zu diesem Zeitpunkt allerdings schon nicht mehr Nussbaumer selber, sondern Franz Hoeffleur. Noch im selben Jahr spielte Ribary die «Steiner Chilbi» erstmals öffentlich. Zwei Jahre später folgten die ersten Plattenaufnahmen, und Ribary wurde zum Star.

Die Fabrik wechselte noch mehrmals den Besitzer und stellte die Akkordeonproduktion im Jahr 1940 sogar ganz ein – das Geschäft verschlechterte sich im Zuge des Zweiten Weltkriegs massiv. Nur ein Jahr später übernahm aber die Basler Firma «Heimbord, Stamm und Co.» das Bachenbülacher Fabrikgebäude und gründete die «Handharmonikafabrik Bachenbülach AG». Sie wurde zur grössten Orgelherstellerin der Schweiz. Die beiden Aufnahmen oben nahm der Fotograf Hermann Schmidli im Januar 1951 auf. Sie zeigen zwei Frauen (ihre Namen sind nicht vermerkt), die in der Balgmacherei arbeiten, sowie einen Mann, der mit der Montage der Griffmechanik beschäftigt ist. Noch bis 1955 konnte sich der Betrieb halten – danach schloss die Fabrik. Dennoch blieb das Fabrikgebäude der Kulturlandschaft erhalten: Seit 2004 beherbergt es die Kammerspiele Seeb, Besitzerin ist die 2002 gegründete Stiftung Kammerspiele.

Die Dorfzeitung der Gemeinde Bachenbülach widmete ihre September-Ausgabe 2010 der Handörgeli-Geschichte. Sie kann hier angesehen werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch