Winkel

Wie der Strom einfacher ins Auto kommt

Für die echte Massentauglichkeit von Elektrofahrzeugen braucht es noch weitere und einfachere «Tankmöglichkeiten». Die Firma Juice Technology, die ihr Geschäft von Winkel aus führt, will diese Lücke schliessen.

Praktisch und gut aussehend: Die Ladestation, an der Christoph R. Erni seinen Tesla auflädt, ist im Design vom legendären «Haifisch»-Abfalleimer inspiriert. Das Gehäuse wird auch von der gleichen Herstellerfirma gefertigt.

Praktisch und gut aussehend: Die Ladestation, an der Christoph R. Erni seinen Tesla auflädt, ist im Design vom legendären «Haifisch»-Abfalleimer inspiriert. Das Gehäuse wird auch von der gleichen Herstellerfirma gefertigt. Bild: Sibylle Meier

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Angefangen hat alles mit einem Tesla, den sich Christoph R. Erni vor ein paar Jahren kaufte. Das Auto war gut, die Lademöglichkeiten beschränkt und kompliziert. Das müsste doch einfacher und besser gehen, dachte er sich. Also hat sich der Marketingexperte den Markt für Lademöglichkeiten von Elektrofahrzeugen genauer angesehen: Es gab dannzumal schon viele Anbieter von Ladestationen für Elektroautos — aber auch viele verschiedene Stecker und viele verschiedene Ladevarianten. Und die Ladestationen sahen wie Elektroschalttafeln aus, an die sich viele nicht herantrauten. Genau da setzte Erni an, als er vor rund vier Jahren zwei Unternehmen gründete, die sich um Ladetechnik und den Vertrieb derselben kümmern sollten.

Seine Start-up-Firma «Juice Technology AG» entwickelt und produziert stationäre und mobile Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Der Sitz der Firma ist in Zug, das Marketing und weitere zentrale Bereiche sind in Winkel bei Bülach stationiert.

Von Beginn an investierte er in Praxistauglichkeit und Design. Eine der ersten Handlungen war deshalb die Einrichtung einer Hotline. «Uns ist es wichtig, die Produkte aus Kundensicht und nicht aus Marketingsicht zu entwickeln», sagt Erni.

Mit einem Elektroauto musste man bisher bei längeren Strecken die Stopps zum Aufladen doch ein wenig planen um sicherzugehen, dass dem Fahrzeug der «Saft» bis zum Reiseziel nicht ausgeht.

Mit dem Juice Booster an jeder Steckdose andocken

Für dieses Problem hat Ernis Firma den Juice Booster entwickelt, der das Elektroauto wirklich «mobil» macht. Das Set umfasst für rund 1 500 Franken eine mobile Ladeeinheit mit Steckern für alle Steckdosen Europas wie auch für stationäre Ladestationen. Der Booster hat etwa die Grösse einer Salami und braucht nicht viel mehr Platz als das Überbrückungskabel, das in herkömmlichen Autos mitgeführt wird. Wenn das Set im Auto ist, kann an jeder Steckdose im In- und Ausland angedockt und das Fahrzeug mit Energie betankt werden. Je nach Steckdose geht es einfach kürzer oder länger, bis die Batterie wieder geladen ist. Ein Smart benötigt zum Aufladen an einer «normalen» Haushaltsteckdose etwa sechs Stunden, was beim Laden über Nacht kein Problem ist. An einer roten Baustromsteckdose hingegen ist er bereits in nur einer Stunde voll geladen.

Im Juice Booster ist als Herzstück ein intelligentes Teil eingebaut, das erkennt, wieviel und welcher Strom aus der Steckdose kommt. Das ist elementar, damit Zuleitungen und Steckdosen nicht überhitzen, abschmelzen oder gar in Brand geraten. Das Ladekabel selbst sowie der Booster sind derart isoliert und geschützt, dass das Kabel auch in einer Wasserlache liegen kann, ohne dass etwas passiert. Die Firma ist laufend daran, alle Teile weiter zu verkleinern, damit dieses Hilfsmittel noch handlicher und kompakter wird.

«Oberste Priorität bei unseren Produkten ist die Sicherheit verpackt in schönes Design.»Christoph R. Erni, Geschäftsinhaber Juice Technology

Neben dem mobilen Ladeteil bietet die Firma auch eine grosse Palette an stationären Ladestationen an. Einfach, kompakt und im modernen Design sind sie praktisch an jedem Ort installierbar.

Neue Technologien führen immer wieder zu neuen Fragestellungen und neuen Sicherheitsvorkehrungen. Der Prozess zur Vereinheitlichung ist zwar im Gang, aber für Christoph R. Erni nicht schnell genug. Deshalb hat er sich kurzerhand auch ins Normenkomitee der IEC (International Electrotechnical Commission) wählen lassen.

Produkte müssen sicher und einfach sein

«Die Menschen haben im Umgang mit Strom meistens Angst, etwas falsch zu machen. Uns ging es darum, Vertrauen zu gewinnen, damit auch Leute, die sich mit Strom nicht so auskennen, das Gerät ohne Problem verwenden können.»

Oberste Priorität bei der Produktentwicklung habe die Sicherheit. Gleichzeitig ist ihm aber auch ein gutes und modernes Design wichtig. Für die Herstellung seiner stationären Ladestationen hat er deshalb das Team von Anta Swiss AG ins Boot geholt, das auch den «Abfallhai» — designt von Werner Zemp — herstellt.

Christoph R. Erni hat viel in dieses internationale Projekt investiert, und der Erfolg scheint ihm recht zu geben. Er sei jung geblieben und stetig auf der Suche nach Neuem, sagt er über sich selbst.

Bis jetzt haben Raiffeisen, Städte, Unternehmen, Hotels, Restaurants und Überbauungen bereits Ladestationen der Firma installiert und der Booster ist weltweit auf mehreren Online-Plattformen erhältlich.

Soeben ging eine Lieferung davon sogar nach Tasmanien. Jetzt sucht Juice Technology die Zusammenarbeit mit Autoherstellern und will ihren Expansionskurs fortsetzen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 03.08.2017, 14:46 Uhr

Partner für Chinesen

China ist im Bereich E-Mobility bereits deutlich weiter als die Märkte in Europa und Amerika. Vor kurzem ist Juice Technology ein grosser Coup gelungen. Der chinesische Grosskonzern AVIC Jonhon hat das Startup-Unternehmen als exklusiven Partner für den europäischen Markt ausgewählt. Jonhon beschäftigt 11 000 Angestellte und ist Teil des chinesischen Luftfahrtkonzerns AVIC. «Diese Partnerschaft ist eine Riesenchance für uns. Sie werden unseren Juice Booster auch in China vertreiben», freut sich Erni.

Kabelbäume und Hochvolt- stecker der chinesischen Firma sind bereits in vielen Fahrzeugen weltweit integriert. Juice Technology will nun die Europäischen Fahrzeug-, Zug- und Flugzeughersteller von der diesen Teile überzeugen und die hiesige Industrie als Kunden gewinnen. (sir)

Aufladen überall möglich: Mobilität mit dem Juice Booster. (Bild: Sibylle Meier)

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