Weinbau

Wie Winzer auf den Frost reagieren

Der ZU hat zwei Winzer aus der Region besucht,die den fatalen Frühlingsfrost auf ihre eigene Art verarbeiten. Der eine nutzt die Situation, um neue Reben zu pflanzen. Der andere setzt auf einen neuen Pflanzenschnitt, stösst damit aber auf Skepsis bei anderen Weinbauern.

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Den Weinberg, den Felix Weidmann in Niederhasli gepachtet hat, traf der Frost dieses Jahr besonders hart: «Wegen des nahen Waldes bildet sich ein Kaltluftsee, der nicht abfliessen kann. Deshalb sind auch zum jetzigen Zeitpunkt noch alle Reben braun», erklärt der Winzer, dessen Regensberger Reben ein wenig besser davonkamen als diejenigen in Niederhasli.

Der Frost im Frühling mit Temperaturen von minus 3 bis 4 Grad sei desaströs gewesen für die Reben. Auf diesem Weinberg sei nur noch mit einem Ertrag von 5 bis 10 Prozent zu rechnen. Vergangenes Jahr hat Weidmann hier einen Komplettausfall verzeichnet. Für zukünftige Frostnächte will er gewappnet sein, in dem er Frostkerzen einlagert.

Neue Pflanzen statt Frust

Die braunen Reben, von denen der Winzer spricht, sind lediglich in der einen Hälfte des Rebbergs sichtbar. In der anderen Hälfte in der Grösse von 20 Aren herrscht geschäftiges Treiben: Hier hat Weidmann die Reben gerodet und setzt nun mit einigen Helfern neue Pflanzen. «Statt mich aufzuregen über die Ausfälle und frustriert zu sein, nutze ich die Situation, um den Rebberg zu erneuern», sagt er. Versichert waren die Ausfälle nicht. Die neue Sorte sei widerstandsfähiger gegen eingeschleppte Krankheiten, so müsse er weniger Pflanzenschutzmittel gegen diese spritzen.

Insgesamt 775 Stöcke hat er gekauft, sie sind 30, 60 oder 85 Zentimeter gross. Eigentlich hätte Weidmann am liebsten nur die grössten gepflanzt, weil diese früheren Ertrag versprechen, jedoch waren diese wegen der grossen Nachfrage nicht mehr erhältlich. «Spezielle Jungrebensorten werden wohl nächstes Jahr rar ­werden, denn die Nachfrage wird wegen der Frostschäden gesamteuropäisch stark anwachsen», sagt der Regensberger Winzer.

Weidmann und seine Helfer haben die ganze Anlage abgebaut, die Reben herausgerissen, die Drähte entsorgt, die Pfähle ersetzt. Danach haben sie den Boden aufgelockert, um die Jungpflanzen leichter setzen zu ­können. Markus Simmler vom Lindenhof in Buchberg ist Weidmann zu Hilfe geeilt. Er sticht die Gabel eines Baggers 20 Zentimeter in den Boden, danach wird das Pflänzchen gesetzt und die Erde bewässert.

Nun muss er sich ein wenig gedulden, bis sich seine Investition von insgesamt 25 000 Franken auszahlt: Nach zwei Jahren verspricht er sich einen halben Ertrag, danach einen ganzen. Damit die Jungpflanzen gut durch die nächste Zeit kommen, sollte es möglichst nicht hageln. «Ein möglicher Ausfall der Jungreben durch Hagelschlag ist zwar ver­sichert, die leeren Fässer in der Weinkellerei werden aber nicht kompensiert», sagt Weidmann.

Eine wilde Sache

Andreas Schwarz, Winzer in Freienstein, hat nach Ostern mit Feuern zwischen seinen Rebstöcken versucht, gegen den Frost anzukämpfen. «Die Feuer haben gewirkt, jedoch hat uns die zweite Kältewelle überrascht, da haben wir nicht noch einmal geheizt», sagt Schwarz. Die Ausfälle, die er wegen des Frühlingsfrostes in Kauf nehmen muss, bezeichnet er als massiv. «Vielleicht haben wir noch 40 Prozent Ertrag, wenn überhaupt.» Nun gelte es abzuwarten.

Die Reben sind im Hügel, wo die Feuer gebrannt haben, etwas grüner. Deutlich grüner sind sie jedoch auf Flächen, welche Schwarz mit einem neuen Schnitt versehen hat: Sie sehen dort viel wilder aus als in den Stöcken mit einem klassischen Schnitt. Schwarz bezeichnet sie als «eine Art Hecken», an denen viel mehr Trauben wachsen als in den klassischen, stark zurückgeschnittenen Rebstöcken. «Ich bin begeistert vom neuen Schnitt», sagt Schwarz, «in der Schweiz sind wir wohl eine der ersten, die ihn anwenden.» Er nennt ihn den «optimierten Minimalschnitt».

Die meisten Winzer seien skeptisch gegenüber der neuen Methode, weil die Reben «viel wilder» aussehen und kleinere Trauben tragen. Die kleineren Früchte seien aber kein Nachteil, betont der Winzer. Er sieht nur Vorteile: Er müsse deutlich weniger Äste zurückschneiden: «Das erspart mir einen extremen Aufwand.» Zudem habe sich der Schnitt während des Frostes bewährt, weil mehr Reservetriebe vorhanden sind, und er halte auch den Mehltau in Grenzen. Vor sechs Jahren hat Schwarz einen Teil seiner Reben umgerüstet, es sollen noch weitere dazukommen. Alle Reben will er aber nicht verändern: «Man darf nicht alles auf eine Karte setzen.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 18.05.2017, 22:59 Uhr

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