Bülach

«Wieso für eine Zukunft lernen, die es bald nicht mehr gibt?»

KZU-Schülerinnen und -schüler sind bis anhin nicht an den Klimastreiks organisiert, die landesweit stattfinden.

Landesweit nehmen Hunderte Schülerinnen und Schüler an den Klimastreiks teil. Aufnahme von der Demonstration in Luzern am 18. Januar.

Landesweit nehmen Hunderte Schülerinnen und Schüler an den Klimastreiks teil. Aufnahme von der Demonstration in Luzern am 18. Januar. Bild: Urs Flüeler (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie kämpfen für den Planeten, für eine bessere Zukunft und gegen die Gleichgültigkeit, die sie in der Politik bezüglich des Klimawandels ausmachen. Seit die schwedische Schülerin Greta Thunberg jeden Freitag die Schule schwänzt, machen es ihr weltweit Hunderttausende nach. Die Jugendlichen stellen eine bestechend einfache Frage: Wieso sollten sie für eine Zukunft lernen, die es bald nicht mehr gibt? So war es auf diversen Plakaten zu lesen. Im Kanton Zürich sind ebenfalls zahlreiche Schulen, hauptsächlich Gymnasien, organisiert – die Kantonsschule Zürcher Unterland (KZU) allerdings nicht.

Den ersten organisierten Streik vom 21. Dezember haben, so schildert Schulleiter Roland Lüthi, zwei Jugendliche der KZU besucht. «Diese haben tatsächlich vorgängig um Erlaubnis gebeten», so Lüthi. Die Zusage sei ihnen unter der Bedingung ausgesprochen worden, dass sie anschliessend vom Anlass berichten würden. «Die beiden kamen danach in mein Büro und erzählten mir begeistert, dass ihre Plakate so auffällig waren, dass sie auf allen Fotos zu sehen sind.» Im Zuge dessen besprach Lüthi mit ihnen auch, wie die Schule vorgehen würde, wenn sich der Streik ausweiten würde.

Bisher geschah wenig

Bis jetzt trat die Massenbewegung in Bülach indes nicht ein, wie verschiedene Quellen dem ZU bestätigen. Roland Lüthi erklärt, dass die KZU-Schülerschaft in jüngster Zeit wohl auch durch die Promotionskonvente, die Neuwahlen in der Schülerorganisation sowie den Schneesporttag von vergangenem Donnerstag absorbiert war. Ausserdem finde am Freitag das Projekt «Schüler machen Schule» statt. Nick Glättli, der bis im vergangenen Sommer das Bülacher Gymnasium besuchte, hat sich bei seinen Kontakten in der Kanti umgehört. «Generell ist unter den Schülern und Schülerinnen der Klimastreik kaum ein Thema», sagt er. «Scheinbar wurde die Schülerorganisation (SO) über die Klimastreiks jeweils viel zu spät informiert, als dass sie hätte mobilisieren können.» Die SO war für eine Stellungnahme in den vergangenen Tagen nicht erreichbar.

Schulen reagieren landesweit unterschiedlich auf die Streiks der Jugend. Für Schlagzeilen sorgte ein Fall in Payerne VD: Das «Gymnase intercantonal de la Broye» wollte Schülerinnen und Schüler mit der Note 1 bestrafen, weil sie unentschuldigt am Klimastreik teilnahmen, anstatt die vorgesehen Mathe-Prüfung zu schreiben. Das sorgte für so viel Kritik, dass die Schule einlenkte: Die Betroffenen konnten den Test nachholen.

Angemessene Konsequenzen

«Ich halte es für erfreulich und wichtig, dass sich unsere Schüler und Schülerinnen mit einem der wichtigsten Themen ihrer Zeit auseinandersetzen», betont Lüthi. Gleichzeitig sei der Schulbesuch obligatorisch; wer sich dem widersetzt, um an einem Streik teilzunehmen, habe mit Konsequenzen zu rechnen. «Ich finde es wichtig, dass diese angemessen sind – das Einrichten einer Prüfung, um dann eine 1 setzen zu können, erachte ich als nicht angemessen. Ich bin aber überzeugt, dass etwas Angemessenes passieren muss.»

Denn gemäss Duden-Definition wäre ein Streik die «gemeinsame Arbeitsniederlegung von Arbeitnehmern zur Durchsetzung bestimmter die Arbeit betreffender Forderungen». Richtet er sich gegen die Schule, würde also verlangt, dass die Schulen den Klimawandel anpacken. So fragt sich Lüthi: «Sind nicht wir die Orte, wo Schüler und Schülerinnen sich ernsthaft mit den grossen Themen auseinandersetzen – zum Beispiel mit dem Klimawandel und den Anpassungen, die dieser erfordern wird?»

Erstellt: 01.02.2019, 17:59 Uhr

Artikel zum Thema

Das sagt die Unterländer Politik zu den Klimastreiks

Klimastreiks Eine verantwortungsvolle Bewegung – oder ein naiver Vorwand, um die Schule zu schwänzen? Eine Übersicht zu Unterländer Politmeinungen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.