Bülach

«Wir bauen eines der günstigeren Spitäler»

Der CEO des Spitals Bülach, Rolf Gilgen, ist überzeugt, dass das neue Spital einen effizienteren Betrieb ermöglicht.

Im Ersatzneubau (links) des Spitals Bülach werden Notfallstation, Operationstrakt und Intensivpflege Platz finden.

Im Ersatzneubau (links) des Spitals Bülach werden Notfallstation, Operationstrakt und Intensivpflege Platz finden. Bild: pd

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Sind Sie erleichtert, dass der Ersatzneubau nun endlich Fahrt aufnimmt?
Rolf Gilgen: Natürlich bin ich froh, dass es nun losgeht. Wir haben aufgrund der rechtlichen Auseinandersetzungen wegen der Schutzwürdigkeit des Brunnerstifts insgesamt zwei Jahre verloren. Diese Verzögerung war aber auch ein Glücksfall. Das Gesundheitswesen verändert sich rasant. Das bedeutet in erster Linie, dass der ambulante Bereich immer wichtiger wird. So versucht man, die Kosten im Gesundheitswesen zu stabilisieren. Dem konnten wir Rechnung tragen und den Neubau auf diese Anforderungen ausrichten. Wir bauen das Ersatzgebäude nun völlig anders als ursprünglich geplant. Das jetzige Projekt ist viel ausgereifter.

Was überzeugt Sie persönlich am meisten am Siegerprojekt?
Mir gefällt besonders gut, dass es Rücksicht nimmt auf die bestehenden Bauten. So entsteht eine Harmonie. Wenn man das so sagen darf, erinnert mich das Projekt an ein schönes, schlichtes Hotel mit einer warmen Atmosphäre, das man gerne betritt.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Ersatzneubau?
Durch die Verschiebung der Angebote in den ambulanten Bereich muss die Infrastruktur des Spitals angepasst werden. Der Neubau ermöglicht uns, teure Einrichtungen wie Notfallstation, Radiologie, Intensivstation wirtschaftlich und effizient zu betreiben. Heute sind diese über das ganze Areal verstreut. Das verunmöglicht zielgerichtete Abläufe. Mit dem neuen Spital streben wir optimale Prozesse an. Neu gelangt man direkt zur Eingangspforte des Notfalls und von dort aus in kurzer Distanz zu Radiologie, Intensivstation und Operationssaal. Das bedeutet kürzere Wege und Wartezeiten für die Patienten. Es erlaubt auch, das Personal effizienter und flexibler einzusetzen. Neben diesen wirtschaftlichen Aspekten, spielt auch das Emotionale eine Rolle. Der Bau schafft eine freundliche Atmosphäre und wirkt nicht protzig. Der familiäre Charakter bleibt erhalten. Ich bin deshalb überzeugt, dass der neue Bau von der Bevölkerung gut aufgenommen wird.

Bauen bedeutet immer auch Lärm und Unruhe. Wie will man Patienten und Mitarbeitende schützen?
Der Vorteil ist, dass wir gewisse Reorganisationen bereits vollzogen haben. Schon jetzt werden die Bettenstationen neu strukturiert und vergrössert. So wird der alte Bettentrakt noch vor dem Start des Umbaus frei. Alle Betten des Spitals werden fortan in einem Trakt sein. Für Untersuchungszimmer und Büros werden wir während der Bauzeit Provisorien einrichten. Die Patienten werden also nicht allzu sehr betroffen sein. Auch der Lärm dürfte sich nach meinen Erfahrungen in Grenzen halten.

Und das Personal? Die Stichworte Reorganisation und Effizienzsteigerung werden wohl kaum Begeisterung auslösen.
Wir haben intensiv über den Strukturwandel diskutiert. Ich selbst führe viele solche Gespräche. Ich merke dabei, dass die Mitarbeitenden die Veränderungen mittragen. Sie sehen, dass es notwendig ist, das Spital fit zu machen für die Zukunft. Auf der anderen Seite verstehe ich, dass es mit Emotionen verbunden ist, wenn man Teams neu zusammensetzen muss. Wichtig ist aber, dass niemand entlassen wird. Tatsache ist, dass die Personalkosten Jahr für Jahr steigen. Der Druck wird nicht kleiner. Rote Zahlen können wir uns als Spital, das keine Zuschüsse erhält nicht leisten.

Und doch investiert das Spital 130 Millionen Franken in einen Neubau und 50 Millionen in die Renovation der bestehenden Gebäude. Kann man sich das leisten?
Wenn man sich umschaut, bauen wir eines der günstigeren Spitäler. Wir wollen nur das bauen, was wir letztlich auch zurückzahlen können. Es ist eine Investition für 30 bis 40 Jahre, also für zwei Generationen. Wir machen das, um wirtschaftlicher zu werden. Kommt hinzu, dass die Bevölkerung im Zürcher Unterland weiter wachsen wird. Man rechnet bis 2025 mit einer Zunahme von 9 Prozent und bis 2035 von insgesamt 17 Prozent. Wir schaffen keine neuen Betten. Was es teuer macht, sind die Geräte und die Inneneinrichtung. In diesen Bereichen muss man jedoch investieren, sonst genügt man irgendwann den gesetzlichen Vorgaben nicht mehr. Unser Projekt ist angesichts unseres Einzugsgebiets nicht überdimensioniert. Als Akutspital im Zürcher Unterland decken wir ein grosses Gebiet ab.

In jüngster Zeit wird immer aber wieder die Forderung nach einer Zusammenlegung von Spitälern laut?
Ich glaube nicht, dass das in den nächsten 20, 30 Jahren passieren wird. Mega-Spitäler, wie beispielsweise in Dänemark, entsprechen nicht unserem System. Die Schweizer Bevölkerung steht hinter ihrem regionalen Spital. Wir möchten deshalb ein der Umgebung angepasstes Spital sein, das in einem vernünftigen Rahmen Leistungen anbietet und sich im Bedarfsfall mit anderen Spitälern vernetzt. Unsere Aktionäre sind die Gemeinden. Auch da spüren wir viel Rückhalt. Man steht zu seinem Spital in der Region. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 06.02.2019, 18:18 Uhr

Konflikt um Schutzwürdigkeit

Der Ersatzneubau war durch einen Rechtsstreit blockiert. Auf dem Gelände befindet das 118-jährige Brunnerstift. Errichtet worden war es als Krankenasyl dank einer grosszügigen Spende von Sir John Brunner. Im Frühjahr 2017 bejahte der Bülacher Stadtrat den Abriss des historischen Gebäudes. Dagegen rekurrierte der Verein Zürcher Heimatschutz vor Baurekursgericht. Dieses kam zum Schluss, dass am Gebäude bereits zu viele bauliche Veränderungen vorgenommen worden waren. Der Verein zog das Urteil nicht weiter. Das ermöglichte dem Spital im Januar 2018 mit der Ausschreibung des Architekturwettbewerbs zu beginnen. (dsk)

Rolf Gilgen, CEO und Vorsitzender der Geschäftsleitung des Spitals Bülach. (Bild: pd)

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