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«Wir entscheiden nicht nach wirtschaftlichen, sondern nach medizinischen Kriterien»

Mit dem Modell des Spitals ­Bülach seien Behandlungen auf dem Notfall nicht teurer als beim Hausarzt, sagt der Leitende Arzt Christoph Schreen. Die Patienten würden aber immer mehr Forderungen stellen.

Christoph Schreen, Leitender Arzt im Notfall Bülach.
Christoph Schreen, Leitender Arzt im Notfall Bülach.
Francisco Carrascosa

Mit welchen gesundheitlichen Problemen suchen Ihre ­Patientinnen und Patientenden ­Notfall Bülach auf?Christoph Schreen: Wir treffen hier ein breites Spektrum an: vom grippalen Infekt, von Verstauchungen und Blasenentzündungen über Knochenbrüche und Nierensteine bis zu Herz­infarkt und Schlaganfall.

Wie sinnvoll ist es, wegen ­Bagatellen wie beispielsweise einer Erkältung oder einer ­Verstauchung den Notfallin Anspruch zu nehmen?Ein Teil unserer Patienten wäre beim Hausarzt gut aufgehoben. Diese machen wir stets darauf aufmerksam. Viele kommen aber zu uns, weil sie keinen Hausarzt haben oder auch weil dieser ge­rade keinen freien Termin hat. Personen mit ausländischem Hintergrund kennen das Hausarztsystem zum Teil nicht und sind es gewohnt, gleich direktins Spital zu gehen. Es sind die Patienten selber, die den Leidensdruck definieren und bestimmen, ob es ein Notfall ist und wo sie Hilfe holen.

«Viel häufiger sind es die Patienten selber, die gleich den ganzen Katalog an Untersuchungen fordern.»

Christoph Schreen

Eine Behandlung auf dem Notfall kostet deutlich mehr als beim Hausarzt. Gemäss Berechnungen des Krankenkassen­verbands Santésuisse kommtsie im Notfall durchschnittlich auf 422 Franken zu stehen, in der Praxis lediglich auf 164 Franken. Fördern Sie mit dem Ausbau nicht die Kostensteigerung?Nein, weil wir die Bagatellfällein unserer angegliederten Praxis behandeln. Hier ist der Krankenkassentarif gleich wie bei einem Hausarzt auch. Sollte zum Beispiel ein MRI notwendig sein, können wir es hier sofort machen. Dann kommen die Kosten dafür dazu. Der externe Arzt müsste den Patienten ins Spital überweisen, was im Endeffekt gleich teuer oder gar noch teurer wäre.

Santésuisse kommt auch zum Schluss, dass im Spital mehr Untersuchungen gemacht ­werden. Die teuren Geräte ­wollen ja ausgelastet werden . . .Wir entscheiden nach medizinischen Kriterien, was angezeigt ist – und nicht nach wirtschaft­lichen. Ausserdem sind es viel häufiger die Patienten selber, die gleich den ganzen Katalog an möglichen Untersuchungen und Behandlungen fordern. Viele wissen bereits zu Beginn, was sie wollen und meinen zu wissen, welcher Spezialist für sie am besten wäre.

Um die Kostenexplosion durch unnötige Notfallkonsultationen zu bremsen, verlangen GLP, CVP und auch SVP im Kantonsrat eine Gebühr von 20 bis 50 Franken. Was halten Sie von einer solchen?Da bin ich skeptisch. Erfahrungen aus Deutschland haben gezeigt, dass ein kleiner Selbst­behalt die Leute nicht hindern kann. Die Gebühr müsste sehr hoch sein, um etwas zu bewirken. Ich befürchte, dass Leute, die aufs Geld schauen müssen, dann zu Hause bleiben würden. Somit besteht die Gefahr, dass man die wirklichen Notfälle verpasst.

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