Beachvolleyball

«Wir haben den Halbfinal gespürt»

Die Enttäuschung über das Aus im Olympiaviertelfinal sass tief. Doch bei etwas Distanz werden die Klotenerin Joana Heid­rich und ihre Berner Partnerin Nadine Zumkehr mit einem klaren Plus aus Rio abreisen.

Joana Heidrich durfte sich im Olympia-Viertelfinal von Rio mit ihrer Mitspielerin Nadine Zumkehr nur über zwei Punkte weniger freuen als ihre brasilianischen Widersacherinnen auf der anderen Netzseite.

Joana Heidrich durfte sich im Olympia-Viertelfinal von Rio mit ihrer Mitspielerin Nadine Zumkehr nur über zwei Punkte weniger freuen als ihre brasilianischen Widersacherinnen auf der anderen Netzseite. Bild: Keystone

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«Das Einzige, was an diesem Spiel falsch war, ist das Resultat», fasste Joana Heidrich das aufreibende Geschehen in der olympischen Beachvolleyball-Arena auf der Co­pacabana zusammen. «Wir hat­ten die Chance, es für uns zu ­beenden.» Die 24-jährige Klotenerin und die Bernerin Nadine Zumkehr, die beide ein überragendes Olympiaturnier boten, lieferten im Viertelfinal gegen die topgesetzten Brasilianerinnen Larissa/Talita einen mitreissenden Match ab, einen auf höchstem Niveau.

Sie verpassten einzig den verdienten Lohn. Immerhin bleibt ihnen dies: Sie haben sich mit diesem Auftritt auf der Weltkarte ihres Sports hervorragend präsentiert. Und mit dem Vorstossin den Viertelfinal dürfen sie, als erstes Schweizer Frauen-Beachvolleyballteam, mit einem Diplom von Olympischen Spielen abreisen.

Ins Wanken gebracht

«Wir können uns keine Vorwürfe machen, wir haben sehr vieles richtig gemacht», urteilte Nadine Zumkehr nach dem 23:21, 25:27, 13:15. Jeder Satz ging mit dem knappest möglichen Resultat aus, am Ende lag die Differenz bei ganzen zwei Punkten. Das beweist, wie ebenbürtig die beiden Teams waren. «Ab und zu haben nur ein paar Zentimeter gefehlt», sagte Zumkehr. Wie etwa beim zweiten der drei Matchbälle im 2. Satz, als Larissa knapp vor dem Sand ihre Hand unter den Ball brachte und so den Schweizerinnen den Triumph verwehrte. «Ich weiss jetzt noch nicht, wie sie das geschafft hat», sagte Zumkehr erstaunt.

«Sie haben kein schlechtes Spiel gezeigt», sagte Joana Heid­rich über die Favoritinnen, die, seit sie ab 2014 zusammenspielen, zwölf Turniere auf der World Tour gewonnen haben. «Es war vielmehr unser Verdienst, dass sie ins Wanken geraten sind. Wir haben gegen ein Weltklasseteam gespielt, wir haben sehr viel riskiert und sind ans Limit gegangen.» Und beinahe hätte es gereicht. Ihre Leistung war in einem Match, in dem es um derart viel ging, wohl die beste eines Schweizer Duos an einem Olympiaturnier oder an einer WM.

«Auf irgendeine Seite musste das Spiel ja kippen», bedauerte Heidrich. «Näher dran kann man nicht sein», erklärte Zumkehr. «Wir haben den Halbfinal gespürt, wir hatten ihn schon fast in der Hand.» Dann wehrten die Favoritinnen im zweiten Satz alle drei Matchbälle ab und siegten im dritten.

«Sie haben wirklich gut gespielt», sagte denn auch Talita über die Schweizerinnen. «Wir haben mit allem, was wir hatten, bis zum letzten Punkt gekämpft und es so geschafft, sie zu be­zwingen», erklärte die 34-jährige Larissa, die Weltmeisterin 2011und Olympiabronzemedaillen-Gewinnerin 2012, die in Brasilien hohes Ansehen geniesst. «Wir standen als Team zusammen und die Zuschauer waren mit uns.»

«Das vergessen wir nie»

«Das war mit Abstand das schönste Spiel meiner Karriere; ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung.» Nadine Zumkehr sagte das 31-jährig und nach elf Saisons auf der World Tour. «Die Stimmung war unbeschreiblich.» Sie genoss sie. «Ich fand das unfassbar cool mit diesen Leuten. Erst die Art der brasilianischen Fans hat diese Ambiance ermöglicht.» Die meisten der 9000 Zuschauer in der Arena auf der Copacabana buhten bei jedem Service der Schweizerinnen und peitschten die Brasilianerinnen auf.

Es gab hier in Rio schon schlimmere Aktionen gegenüber Gegnern zu erleben, aber ungewohnt einseitig war die Angelegenheit auf jeden Fall. «Wir hatten kein Publikum. Wenn uns ein Punkt gelang, war Stille. Schafften sie einen, gerieten alle aus dem Häuschen. Und dann die Buh­rufe», beschrieb Joana Heidrich, die starke Blockerin. «Das muss man alles ausblenden können. Es zeigt unsere Qualität als Team, dass wir uns vom Publikum nicht unter Druck haben bringen lassen», erklärte die Klotenerin. «Das war jetzt wirklich ein Kessel. Und dann liefern wir so ein cooles Spiel ab. Das bleibt bei uns, und das vergessen wir nie.»

Die Enttäuschung über die verpasste Sensation und die Möglichkeit, um die Olympiamedaillen zu spielen, sass dennoch zunächst tief. In absehbarer Zeit wird sie weichen. «Wenn wir diese Niederlage verdaut haben», schloss Zumkehr, «werden wir unheimlich viel mitnehmen aus diesem Tag und aus diesem Turnier.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 16.08.2016, 09:14 Uhr

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