Buchs

«Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen»

65 000 Pakete stellt DPD jeden Tag Firmen und Privatkunden in der Schweiz zu – und das seit 25 Jahren. CEO Tilmann Schultze setzt auf ein qualitatives Wachstum.

65 000 Pakete für Firmen und Privatkunden in der Schweiz laufen hinter DPD-CEO Tilmann Schultze in der Halle in Buchs täglich übers Band.

65 000 Pakete für Firmen und Privatkunden in der Schweiz laufen hinter DPD-CEO Tilmann Schultze in der Halle in Buchs täglich übers Band. Bild: Leo Wyden

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Beim Rundgang im grössten Depot der Schweiz des Paketdienstleisters DPD in Buchs ist es verhältnismässig ruhig an diesem Nachmittag. Die meisten Lieferwagen sind auf Tour. Insgesamt arbeiten hier rund 80 Personen, dazu kommen nochmals rund 125 Fahrer. An Weihnachten sind es eher mehr. Dennoch laufen in den Hallen die Förderbänder der Sortieranlagen den ganzen Tag über. Die nächsten Lieferungen für die Fahrer werden bereitgestellt. Ausgelegt ist die Anlage für maximal 8000 Pakete stündlich. Aktuell ist sie auf rund 4500 eingestellt. In der Nacht steht sie für wenige Stunden still.

Pakete an Private liefern ist anders

Lange Zeit hatte DPD nur Firmenkunden. Inzwischen machen Paketlieferungen an Privatkunden bereits ein Drittel des Liefervolumens aus. Damit belegt DPD in der Schweiz einen Marktanteil von rund 10 Prozent.

Seit 2016 leitet Tilmann Schultze das Schweizer Geschäft. Er setzt auf persönliche Kontakte. «Es ist etwas anderes, ob unsere Fahrer Pakete für einen Geschäftsbetrieb oder für einen Privatkunden liefern», sagt Schultze. Er spricht konsequent von «unseren» Mitarbeitenden und «unseren» Fahrern, obwohl diese nicht direkt von DPD angestellt sind. Schultze erklärt: «Es ist in dieser Branche üblich, Lieferverträge für bestimmte Gebiete abzuschliessen. Aber letztlich nimmt der Kunde die Fahrer als DPD-Repräsentanten wahr.»

Seit seinem Amtsantritt habe er den Fokus stark auf die Mitarbeiterschulungen und auch auf die bessere Qualität bei den Erreichbarkeiten und Wartezeiten im Kundenservice gelegt. Hier habe sich vieles verbessert – auch dank Festanstellungen von Mitarbeitenden. «Für uns ist jede 0,1-Prozent-Verbesserung wichtig», ist er überzeugt.

Dienstleistung CO2-neutral erbringen

Auch soll das bestehende Liefernetzwerk vermehrt für den Export von Paketen genutzt und sollen Kunden und Transportwege besser verknüpft werden. «Persönliche Wünsche sind uns wichtig, wir passen uns den Kunden an. Dafür sind wir flexibel genug.» Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis. So war kürzlich ein Auftrag des Onlineversandriesen Amazon ausgeschrieben. Das Volumen war für DPD zu gross. «Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern strategisch kontrolliert», meint Schultze. Er könne und wolle nicht einfach drei neue Depots aus dem Boden stampfen, um einen solchen Auftrag zu ergattern.

Vielmehr würden bei DPD Möglichkeiten für eine bessere Feinverteilung in den Städten sondiert, die möglichst bald umgesetzt werden sollen. Wert gelegt wird dabei vermehrt auf ökologische Varianten, wie beispielsweise die Endauslieferung per Cargobike. «Wir können aber jetzt schon sagen, dass wir unsere Dienstleistungen zu 100 Prozent CO2-neutral erbringen.» Grundlage dafür sei, dass mittlerweile alle CO2-Emissionen gemessen und erfasst würden. Dabei werde laufend überprüft, wie die Emissionen reduziert werden könnten. Als Beispiel nennt Schultze modernere Fahrzeuge oder die Op­timierung bei den Auslieferungen.

Was nicht reduziert werden kann, wird ausgeglichen mit Investitionen in innovative Maschinenparks wie beispielsweise Windkraftanlagen, eine neue Technologie zur Reduzierung von Methanaustritten beim Kohleabbau oder Recyclingprojekte. Allerdings ist für die Schweiz im neusten Corporate Responsibility Report der Unternehmung lediglich ein Naturgasfahrzeug ausgewiesen. Das soll sich aber laut Angaben von Schultze in Zukunft ändern.

Bedeutender für die direkten Anwohner des Depots in Buchs dürfte sein, dass DPD-Chef Tilmann Schultze im nächsten Jahr für die Anlieferung eine Halle bauen will. Damit einhergehend wird eine Lärmentlastung versprochen. Doch auch der Hallenchef wird vom Neubau profitieren: Weil das Paketgeschäft laufend weiter wächst, braucht er dann keine fünf Wetter-Apps mehr, um zu wissen, wo überzählige Pakete temporär trocken gelagert werden können. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 06.10.2018, 11:09 Uhr

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