Bülach

Zirkus in der Moderne angekommen

Der Zirkus Nock hat sein Zelt aufgeschlagen und auf der Schwimmbadwiese in Bülach weiden Kamele. Verena Nock war auch vor 41 Jahren in Bülach, als sie die zweite ihrer drei Töchter, Franziska Nock, zur Welt brachte.

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Früher rannten die Kinder der Strasse entlang und begrüssten den Zirkus. «Alle wollten beim Aufbau mithelfen und wir mussten die Leute abweisen, da die Arbeiten gefährlich sein können», sagt Verena Nock. Heute ist es ganz anders. Der Zirkus hat mit der jeweiligen Gastgemeinde vor allem zu tun, wenn es um die Platzmiete geht. Und wenn die 70 Angestellten am Abend noch den Stall für die Tiere aufbauen, kann es schon einmal vorkommen, dass sich in der Nachbarschaft jemand zu einer Lärmklage veranlasst sieht.

Davon bekommen die 20 Artisten nichts mit. Obwohl die Badi gleich auf der anderen Seite der Strasse liegt, trainieren diese im Schatten des Zirkuszelts. Maria Madrid und Jesuli Carrillo aus Spanien üben Flamenco-Schritte ein. Und Bruno Fratani von den Mustache Brothers jongliert. Das ist allerdings nicht seine Hauptaufgabe. Sein Job ist es, die Zuschauer zum Lachen zu bringen. Der Clown aus Brasilien verrät etwas über seine Nummer: «Mein iPhone klingelt genau in dem Moment, wo ich meinen Kollegen in die Luft hebe. Zu seinem Schrecken nehme ich das Handy ab.»

Tochter in Bülach geboren

Die Zirkusvorstellungen sind in der heutigen Zeit angekommen. Und auch das Berufsleben der Artisten kommt nicht mehr ohne Facebook aus. «Wir bewerben uns mit Onlinevideos», sagt Bruno Fratani. Die Zirkusleitung stellt zwar das Programm zusammen, nicht jedoch die Nummern. «Wir kaufen sozusagen das fertige Produkt», sagt Verena Nock.

Auf der 115. Nock-Tournee kam Franziska Nock zur Welt. Das war im Jahr 1975. Verena Nock erinnert sich nicht mehr, ob der Zirkus auf demselben Platz stand. Doch das Gastspiel in Bülach hat sie nicht vergessen. «Wir kamen von Winterthur und am ersten Tag in Bülach habe ich Franziska zur Welt gebracht.» Die mittlere von drei Töchtern leitet heute mit ihrer Schwester Alexandra Nock den Zirkus und ist für die Pferde verantwortlich. Ihre Mutter stand nie in der Manege, sondern leitete die Fäden hinter den Kulissen in der Administration.

Junge als Hoffnungsträger

Die 71-Jährige findet nicht, dass sich das Zirkusleben heute im Vergleich zu den Siebzigerjahren zum Negativen verändert hat. Dennoch bedauert sie einige Entwicklungen. «Die Unterhaltungsbranche ist heute übersättigt. Der Zirkus hat an Stellenwert verloren.» Das merke man daran, dass sich viele nicht mehr für den Zirkus interessierten, weil sich ihnen eine Fülle von Ausgehmöglichkeiten biete. Für Verena Nock ist Zirkus natürlich: «Das Erlebnis ist echt. Wird das immer weniger wahrgenommen, geht auch ein Stück Kultur verloren.»

Der technische Fortschritt hat aber auch Verbesserungen für die Zirkusleute gebracht. Der Computer vereinfacht die Steuerung von Licht und Musik. Die Installationen sind aber auch aufwendiger geworden. Und die Anschaffung der Geräte teurer. Ebenso gestiegen sind die Platzmieten. 3000 Franken für zwei Tage seien heute keine Seltenheit, sagt Verena Nock. Sie glaubt, dass die jüngere Generation den Zirkus wieder mehr schätzt: «Ich kann mir gut vorstellen, dass die Jungen die Lebensqualität sehen, die der Zirkus bringt.»

Zelt zieht sich selbst hoch

Die Technik hilft auch beim Aufbauen des Zelts: Es zieht sich mittels Motor selbst hoch. 2014 haben es die Nocks gekauft. Es bietet Platz für 1400 Zuschauer und ist 14 Meter hoch. Sechs bis sieben Stunden dauert der Aufbau.

Tierpfleger Lahcen Ait Boussaid aus Marokko hat ein gutes Händchen im Umgang mit sturen Tieren. Die Esel bringt er zum Pirouettendrehen und den Kamelen, die ihm zufolge genauso stur sein können, hält er unerschrocken die Hand ins Maul. Diese fressen lieber die Blätter der Bülacher Bäume, die am Rand der Schwimmbadwiese stehen.

Der Zirkus Nock hat am Mittwochnachmittag (29. Juni) um 15 Uhr eine Vorstellung in Bülach. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 29.06.2016, 08:18 Uhr

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