Kloten

Zukunft des Flughafens spaltet die Meinungen

Der Wahlkampf für den Kantonsrat ist in vollem Gang. Vier SVP- und SP-Kandidierende haben die Zukunft des Flughafens diskutiert – die Standpunkte liegen weit auseinander.

Sie diskutierten die Zukunft des Flughafens. Oben von links: Marco Brunner (SVP), Michèle Dünki-Bättig (SP). Unten von links: Christian Pfaller (SVP), Max Töpfer (SP).

Sie diskutierten die Zukunft des Flughafens. Oben von links: Marco Brunner (SVP), Michèle Dünki-Bättig (SP). Unten von links: Christian Pfaller (SVP), Max Töpfer (SP).

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Obschon sie in der Flughafenregion leben und politisieren, liegen Welten zwischen ihren Standpunkten. Michèle Dünki-Bättig, SP-Kantonsrätin (bisher) aus Glattfelden und Max Töpfer, SP-Kantonsratskandidat aus Kloten, sind strikt gegen einen Ausbau des Flughafens und für eine Reduktion der Nachtflüge.

Die SVP-Kantonsratskandidaten Christian Pfaller aus Bassersdorf und Marco Brunner aus Kloten plädieren hingegen für ein Wachstum und für Toleranz beim Verspätungsabbau in den Randstunden. Die vier Politiker machten ihre Standpunkte am Podium der SP- und SVP-Bezirksparteien am Donnerstagabend in Kloten klar.

Dünki begründete ihre Kritik am Flughafen mit einem engagierten Plädoyer gegen das Fliegen. Der Luftverkehr sei zu 18 Prozent für die menschgemachte Klimaerwärmung verantwortlich. «Fliegen ist schädlich für die Umwelt», sagte die 29-jährige Gemeinderätin. Für Pfaller hingegen ist die Umwelt kein Argument gegen den Flughafen: «Der Flughafen ist viel umweltverträglicher geworden.» Zudem investiere dieser einen Teil der Einnahmen in die Natur, etwa in Schutzgebiete. Worauf Dünki kopfschüttelnd sagte: «Mit klimaschädigendem Fliegen Geld einnehmen und für die Natur ausgeben: Da beisst sich die Katze in den Schwanz.»

Auch beim Thema Fluglärm sind die SP- und SVP-Politiker uneins. Für den 42-jährigen Gemeinderat Pfaller sind die leiseren Motoren eine grosse Errungenschaft: «Ich bin am Flughafen aufgewachsen. Wenn eine Maschine über unser Haus flog, haben die Gläser im Schrank gescheppert.» Heute sei das nicht mehr so. Dünki: «Ich wohne in Glattfelden und erwache, wenn ein Flugzeug nach 11 Uhr fliegt.»

Shopping wird wichtiger

«Der Flughafen will seine Verkaufsfläche massiv ausbauen. Wo steht er in zehn Jahren?», wollte die Moderatorin Qëndresa Sadriu wissen. Sie ist Gemeinderatspräsidentin von Opfikon und Kantonsratskandidatin für die SP. Für Marco Brunner sind die 250-Millionen-Investitionen in die neuen Shoppingflächen gut angelegtes Geld. Das bringe den lokalen Unternehmen Aufträge und Arbeitsplätze, sagte der 27-jährige Klotener Gemeinderat. Sadriu warf die Frage in die Runde, ob der Flughafen damit zur neuen Shopping-Destination werde. Für Max Töpfer, Präsident der Juso-Unterland und mit 18 Jahren der Jüngste der Runde, sind die Pläne des Flughafens unverständlich: «Würde der Flugbetrieb mega gut laufen, bräuchte der Flughafen keine neuen Shoppingflächen.» Als Klotener weist Töpfer auf die zusätzliche Verkehrsbelastung für die Stadt hin.

Doch lange nicht alle Anwohner wollen den Flughafen einschränken. So äusserte sich ein Klotener bei der Diskussionsrunde nach dem Podium gegen ein striktes Nachtflugverbot: «Wer für die Umwelt ist, sollte dafür sein, dass ein Flugzeug in der Nacht landet und nicht nach Frankfurt ausweichen muss.» Ein Dietliker wies auf das neue Betriebsreglement und den ungelösten Fluglärmstreit mit Deutschland hin. «Der Kantonsrat hat schon lange nichts mehr zu sagen – Zeit, dass der Bundesrat bei Verträgen mit der EU den Flughafen ins Spiel bringt.»

Am Podium diskutierten die Kantonsratskandidierenden auch die Themen bezahlbarer Wohnraum und Kantonsfinanzen. Da liegen die Positionen der SP- und SVP-Vertreterin und Vertreter ebenso weit auseinander wie beim Flughafen. Die Sticheleien und Seitenhiebe galten aber allesamt der Sache und nicht den Personen.

Erstellt: 15.02.2019, 16:01 Uhr

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