Bülach

Zwingli war auf besondere Art mit der Stadt Bülach verbunden

Weit über 100 Besucher zog es Sonntag-Vormittag zur Vernissage ins Ortsmuseum. Gezeigt wurden eindrückliche Exponate rund um die Reformation.

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Beeindruckt sind die Besucher der Ausstellung schon beim Eingang des Bülacher Ortsmuseums. Es scheint, als sei die Original-Zwingli-Türe aus Zürich bis nach Bülach gekommen. Dass dem nicht so ist, sieht man erst auf den zweiten Blick.

«Vor 500 Jahren war die Zeit reif für Veränderung», zieht Kuratorin Kristiana Eppenberger Vogel Bilanz. Man wisse von vielen Bülacher Söldnern, die für fremde Herren in den Krieg gezogen und Trauer und Leid in die Familien gebracht hätten. Bildung habe es damals nur in Kirchen und Klöstern gegeben. «Zwingli aber übersetzte die Bibel auf Deutsch.» Zudem seien die neue Technik des Buchdrucks und der Veränderungswille zusammengekommen.

In der Ausstellung gibt es einige Exponate alter Buchdruckerkunst zu bestaunen. Die Besucher erfahren, dass eine Bibel vor dem Jahr 1500 so viel kostete wie ein sehr grosses Haus, während die Zwingli-Bibel, auf Papier oder Pergament gedruckt und in Leder gebunden, danach noch so viel wert war wie ein sehr teures Auto. Heute ersteht man die Zürcher Bibel in Leinen gebunden für 30 Franken.

Eine Weltpremiere

Grosses Interesse gibt es für das Trauergedicht, das der damals 16-jährige Conrad Gessner zum Tod seines Idols Huldrych Zwingli verfasst hatte. «500 Jahre lang lag es verstaubt in der Zentralbibliothek und wurde noch nie veröffentlicht», weiss die Kuratorin. Somit sei es eine Art Weltpremiere, dass man das Trauergedicht zwar nicht physisch, aber elektronisch auf einem Bildschirm sehen kann.

Neben einer Kanzel aus dem Jahr 1620, einem Eisenschwert mit Lederscheide, einer Büste von Zwingli und zahlreichen informativen Texten gibt es auf einer der Tafeln einiges von Zwinglis Mitstreiter und Freund Hans Haller zu erfahren. Haller sei es zu verdanken, dass die Reformation in Bülach schnell Fuss gefasst habe. «Mit dem Stadtfähnlein von Bülach zog er an Zwinglis Seite in den Kappeler Krieg. Am 11. Oktober 1531 starb er, wie Zwingli, dort auf dem Schlachtfeld. In Bülach soll bei den Gegnern Hallers gespottet worden sein: Wir sind wohlfeil aus diesem Krieg gekommen, er hat uns nur eine Häller (kleine Münze) gekostet.» Dank der Hans-Haller-Gasse bleibt die Erinnerung in Bülach bestehen.

Ein Jahrzehnte-Ereignis

Stadtpräsident Mark Eberli zeigt sich überwältigt von der Ausstellung. «Ich werde nochmals hierherkommen und mir in aller Ruhe alles ansehen. Die Reformation war ein sehr wichtiges Ereignis. Dass in dieser Ausstellung auch Bezug zu Bülach genommen wird, macht diese für die Bülacher Bevölkerung interessant.» Stadtratskollege Walter Baur schliesst sich seiner Meinung an. «Die Ausstellung in Kombination mit dem vorgängigen Kirchenbesuch ist für mich ein Jahrzehnte-Ereignis.» Zudem sei es für ihn eine Riesenfreude, dass das Ortsmuseum erweitert werden konnte. «Eine Stadt in der Grösse Bülachs braucht ein Ortsmuseum.

Die Ausstellung wird bis zum 22. Dezember gezeigt. Öffnungszeiten sind jeweils samstags und sonntags von 10 bis 12 Uhr. Führungen gibt es auf Anfrage.

Erstellt: 05.05.2019, 18:41 Uhr

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