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Drama in SüdkoreaBürgermeister von Seoul wird tot aufgefunden

Park Won Soon wurde als vermisst gemeldet. Nun hat man die Leiche des Politikers entdeckt.

Der Bürgermeister anlässlich einer Medienkonferenz im Januar dieses Jahres.
Der Bürgermeister anlässlich einer Medienkonferenz im Januar dieses Jahres.
(Keystone/Jean Heon-Kyun/21. Januar 2020)

Der Bürgermeister der Zehn-Millionen-Metropole Seoul, Park Won Soon, wurde tot aufgefunden. Die Polizei vermute, dass sich das 64-jährige Oberhaupt der südkoreanischen Hauptstadt das Leben genommen habe, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Die genaue Todesursache werde aber noch untersucht.

Die Suchtrupps entdeckten demnach seine Leiche kurz nach Mitternacht am Freitag (Ortszeit) am Berg Bugak im Norden Seouls. Der frühere Menschenrechtsanwalt war zuvor spurlos verschwunden, seine Tochter hatte ihn am Donnerstag als vermisst gemeldet.

Die Gründe für Parks Verschwinden waren unbekannt. In den südkoreanischen Medien wurde spekuliert, dass dies möglicherweise mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen Park zu tun haben könnte. Eine frühere Mitarbeiterin im Bürgermeisteramt erstattete laut Yonhap Anzeige gegen Park. Sie habe bei der Polizei von nicht gewolltem «physischem Kontakt» und «unangemessenen» Smartphone-Nachrichten des Bürgermeisters gesprochen, wurde ein Informant zitiert. Für die Berichte gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Nach der Vermisstenanzeige suchte die Polizei mit einem Grossaufgebot nach Park. Dabei wurden den Berichten zufolge neben Hunderten Polizei- und Bergungskräften auch Drohnen und Spürhunde eingesetzt. Ihr Vater habe Stunden zuvor seine Wohnung verlassen und eine Nachricht hinterlassen, die sich wie «letzte Worte» angehört habe, wurde die Tochter Parks zitiert. Die Stadtverwaltung hatte zuvor erklärt, der Bürgermeister habe seine Termine für den Tag aufgrund «unvermeidbarer Umstände» abgesagt.

Seine Wahl löste ein politisches Erdbeben im Land aus

Park hatte sein Smartphone den Angaben der Polizei zufolge ausgestellt. Das letzte Signal von seinem Smartphone sei in der Nähe eines Tempels im nordöstlichen Stadtteil Seongbuk geortet worden.

Park hatte früher als Staats- und Rechtsanwalt gearbeitet und war lange Jahre in einer Bürgerrechtsorganisation tätig gewesen. Im Oktober 2011 wurde er als «unabhängiger» Kandidat zum Bürgermeister von Seoul gewählt. Sein Sieg hatte damals eine politische Erschütterung im Land ausgelöst, da die Wahl ein tiefes Misstrauen der Wähler gegenüber den etablierten Parteien offenbart hatte.

Park schloss sich später der sozialliberalen Demokratischen Partei des heutigen Staatspräsidenten Moon Jae In an. Vor zwei Jahren wurde Park für eine dritte Amtszeit als Bürgermeister wiedergewählt. Auch wurde er als möglicher Kandidat für die nächste Präsidentenwahl gehandelt, die für 2022 geplant ist. Zu seinem erklärten Programm als Bürgermeister gehörte der Kampf gegen die Ungleichheit und zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft.

Seoul geriet Ende Juni in die Schlagzeilen, weil es als Schwerpunkt der zweiten Welle in Südkorea identifiziert wurde. Insbesondere Clubgäste und Kirchgänger erschwerten den Behörden, das Coronavirus in der Hauptstadt und Umgebung in den Griff zu kriegen. Im Grossraum Seoul lebt fast die Hälfte der etwa 51,6 Millionen Einwohner Südkoreas.

 Polizeibeamte stehen in Seoul zusammen, um nach dem als vermisst gemeldeten Bürgermeister zu suchen.
Polizeibeamte stehen in Seoul zusammen, um nach dem als vermisst gemeldeten Bürgermeister zu suchen.
(Keystone/Yonhap/AP/Kim Ju-Sung/9. Juli 2020)

SDA

12 Kommentare
    Fabio Rossi

    Würden die Politiker in Europa, Afrika, Nord- und Südamerika die Latte für ihre Moralvorstellungen und Verantwortungen so hoch setzten man hätte ein regelrechtes Defizit an Politiker. Sehr traurig, scheint einer der besseren Politiker gewesen zu sein. Es wäre schlimm wenn dieser Vorfall von dieser Frau nur erfunden worden wäre. In Japan gab es ähnliche Vorverurteilungen die wie sich später herausstellten falsch waren.