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Charles Vögele muss Filialen schliessen

Charles Vögele schreibt erneut tiefrote Zahlen. Nun ist der Modehändler gezwungen, in der Schweiz Filialen zu schliessen und Personal abzubauen.

Der Umsatz von Charles Vögele sank von 392 auf 378 Millionen Franken.
Der Umsatz von Charles Vögele sank von 392 auf 378 Millionen Franken.
Keystone

Nach dem Rückschlag im letzten Jahr durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses und das sehr milde Herbstwetter schreibt der kriselnde Modehändler Charles Vögele auch im ersten Semester 2016 tiefrote Zahlen. Erneut fiel ein happiger Verlust an. Um zu sparen, werden in der Schweiz Filialen geschlossen und Personal abgebaut.

Hierzulande sei das Filialnetz von Charles Vögele mit 163 Läden angesichts der Lage in der Bekleidungsbranche zu gross. «Gezielt werden deshalb Standorte mit mehreren Filialen oder nicht zufriedenstellenden Ergebnissen geschlossen», teilte das Unternehmen am Mittwoch in einem Communiqué mit.

Wie viele Filialen wann im Heimmarkt dicht gemacht würden, «können wir und wollen wir» noch nicht bekannt geben, sagte Konzernchef Markus Voegeli in einer Telefonkonferenz. Der Plan sei noch nicht ganz fertig.

Aus diesem Grund könne er auch nicht sagen, wie viele Mitarbeitende abgebaut würden. Für die Betroffenen käme ein Sozialplan zum Einsatz, der bereits bei anderen Restrukturierungsmassnahmen angewendet worden sei. Schon im ersten Halbjahr hatte Charles Vögele am Firmenhauptsitz in Pfäffikon SZ 50 Vollzeitstellen gestrichen, davon die Hälfte durch Entlassungen.

In der Schweiz zählt der Konzern rund 1800 Mitarbeiter. Ende Juni hatte der Konzern insgesamt 6329 Beschäftigte (ohne Lehrlinge). Das sind 122 weniger als ein Jahr zuvor.

Dramatischer Rückgang im Heimmarkt

Gerade in der Schweiz, die als einziges Land Gewinne abwirft, habe Charles Vögele den dramatischsten Umsatzrückgang erlebt, sagte der Konzernchef. Der Umsatz tauchte im ersten Halbjahr um 12,4 Prozent auf 125,7 Mio. Franken. Der Betriebsgewinn (EBIT) sackte von 7,3 Millionen auf 1,2 Mio. Fr. ab.

Der Sommer, der nicht kommen wollte und die Nachwirkungen des Frankenschocks, der den Einkaufstourismus stärke, hätten die Konsumfreudigkeit der Schweizer gedrückt, sagte Voegeli. Hinzu komme, dass der Onlinehandel immer stärker werde.

Der Kampf um das Geld im Portemonnaie der Konsumenten nehme zu. Mehrere Konkurrenten, wie beispielsweise Companys seien in Konkurs und würden verschwinden. Der Schweizer Bekleidungsmarkt sei hart, sagte Voegeli.

Zudem kämpft der Konzern gegen sein eigenes Image: Ungeachtet aller Modernisierungsversuche halte sich in der Schweizer Bevölkerung hartnäckig das Bild eines verstaubten Charles Vögele in den Köpfen, sagte Voegeli.

Erneut happiger Verlust

Insgesamt tauchte der Konzernumsatz um knapp 4 Prozent auf 378 Mio. Franken. Dies sei enttäuschend, sagte der Konzernchef. Trotz Währungsgewinnen und Sparmassnahmen musste Charles Vögele im ersten Halbjahr einen Betriebsverlust (EBIT) von 26 Mio. Fr. hinnehmen. Zwölf Monate zuvor hatte sich der operative Fehlbetrag noch auf 28,5 Mio. Fr. belaufen.

Unter dem Strich klaffte ein Defizit von 32 Mio. Fr. nach einem Verlust von 36 Mio. Fr. im Vorjahr. Der erneute Verlust riss das Eigenkapital in die Tiefe. Die Eigenkapitalquote schmolz von 22 auf sehr tiefe 14 Prozent der Bilanzsumme.

Die Eigenkapitalquote zeige die Dramatik deutlich, sagte Voegeli: «Der Druck, unsere operative Performance möglichst rasch zu verbessern, ist sehr gross.»

Trotz der sehr dünnen Polster sei eine Kapitalerhöhung im Moment kein Thema. Charles Vögele wolle mehrere Liegenschaften verkaufen, um das Abschmelzen des Eigenkapitals zu stoppen.

Kampf um Trendwende

Dank den Liegenschaftsverkäufen sei er zuversichtlich, im Gesamtjahr 2016 ein positives Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) erzielen zu können, sagte Voegeli. Bis 2018 will das Unternehmen einen Betriebsgewinn auf Stufe EBIT erreichen. Mit der Verlängerung eines Bankenkredits über maximal 245 Mio. Fr. sei die Finanzierung des Konzerns bis dahin gesichert.

«Wir kämpfen an vorderster Front um eine Trendwende im Heimmarkt Schweiz», sagte Voegeli. Dabei konzentriere man sich neben der Restrukturierung auf die Revitalisierung der Marke.

Zudem werden Verlustlöcher gestopft wie das notorisch defizitäre Geschäft in Belgien. Dieses will Charles Vögele bis Ende Jahr loswerden.

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