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«Abtrünnige Provinz»Chinas Militär droht Taiwan mit Krieg

Nachdem die chinesische Regierung Militärübungen im Luftraum von Taiwan als «ernsthafte Warnung an externe Kräfte» bezeichnet hat, verschärft Chinas Militär den Ton im Umgang mit der selbstverwalteten Insel.

Militärübung im Norden Taiwans zur Abwehr eines Angriffs aus China: Ein Soldat der taiwanischen Armee hält eine Nationalflagge in den Händen.
Militärübung im Norden Taiwans zur Abwehr eines Angriffs aus China: Ein Soldat der taiwanischen Armee hält eine Nationalflagge in den Händen.
Foto: Chiang Ying-ying (Keystone)

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Wu Qian, sagte am Donnerstag vor der Presse in Peking: «Eine Unabhängigkeit Taiwans bedeutet Krieg.» Taiwan sei ein untrennbarer Teil der Volksrepublik. Er verteidigte die jüngsten Einsätze der chinesischen Luftwaffe, die zunehmend Taiwans Identifikationszone zur Luftverteidigung (ADIZ) verletzen und die taiwanische Luftabwehr testen.

Die militärischen Aktivitäten seien «notwendige Aktionen, um mit der gegenwärtigen Sicherheitslage in der Taiwanstrasse umzugehen und die nationale Souveränität zu sichern», sagte der Sprecher.

Sie seien eine «ernste Antwort auf ausländische Einmischung und Provokationen der Unabhängigkeitskräfte Taiwans». Die Volksbefreiungsarmee werde «alle notwendigen Massnahmen» ergreifen, um jede Form der «separatistischen Verschwörung» energisch niederzuschlagen.

China hofft auf Zusammenarbeit mit Biden-Regierung

An die Adresse der USA, die sich der Verteidigungsfähigkeit Taiwans verpflichtet haben, sagte der Sprecher, die Beziehungen stünden nach dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden «an einem neuen historischen Ausgangspunkt».

China hoffe, dass die neue US-Regierung mit China zusammenarbeite und keine Konfrontation suche. Es sei ein «unmögliches Vorhaben», China eindämmen zu wollen.

Nach den verstärkten Einsätzen der chinesischen Luftwaffe hatte die neue US-Regierung China aufgefordert, seinen «militärischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Druck auf Taiwan» einzustellen.

Die Verletzungen der Identifikationszone zur Luftverteidigung haben im vergangenen Jahr schon den höchsten Stand seit der «Raketenkrise» um Taiwan 1996 erreicht, wurden nach der Amtseinführung von Biden aber noch einmal verstärkt.

US-Präsident Joe Biden hatte der selbstverwalteten Insel seine «felsenfeste» Unterstützung zugesagt, nachdem Taiwan am Samstag gemeldet hatte, dass mehrere chinesische Kampfflugzeuge seinen Luftraum verletzt hätten. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereinigt werden soll – notfalls mit Gewalt.

Biden hatte als erster US-Präsident seit 1979 die taiwanische Vertreterin in den USA, Hsiao Bi-khim, offiziell zu seiner Amtseinführung am 20. Januar eingeladen.

Peking spricht von Separatismus

Während sich das demokratische Taiwan längst als unabhängig betrachtet, spricht Peking von Separatismus und versucht, den Inselstaat diplomatisch zu isolieren.

Der Streit um den Status Taiwans geht auf den Bürgerkrieg in China zurück, als die Truppen der nationalchinesischen Kuomintang nach ihrer Niederlage gegen die Kommunisten nach Taiwan flüchteten.

In Peking wurde 1949 die kommunistische Volksrepublik gegründet, während Taiwan als «Republik China» regiert wurde.

SDA

49 Kommentare
    M. A. Ammann

    Wie soll Taiwan als unabhängiger Staat akzeptiert werden, wenn selbst diese Zeitung von einer selbstverwalteten Insel spricht?