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Wettlauf um ImpfstoffChinesen beanspruchen Titel des Impfchampions

Die Führung in Peking verkündete, bereits Ende Juli medizinischem Personal einen neuartigen Impfstoff ohne Zulassung verabreicht zu haben – drei Wochen vor Russland.

Made in China: Angeblich wurde die Testphase für einen chinesischen Impfstoff bereits im Juni abgeschlossen.
Made in China: Angeblich wurde die Testphase für einen chinesischen Impfstoff bereits im Juni abgeschlossen.
Foto: Zhang Yuwei (Keystone)

Im globalen Wettlauf um einen Impfstoff gegen das Coronavirus scheint sich Peking um den ersten Platz betrogen zu fühlen. Nur so lässt sich der Auftritt chinesischer Regierungsvertreter in Peking am Samstag deuten. Sie erklärten, medizinisches Personal und Angehörige anderer Risikogruppen, etwa Mitarbeiter an Flughäfen, würden bereits seit Ende Juli mit einem Impfstoff immunisiert werden. Dieser wäre damit drei Wochen vor dem ersten Impfstoff aus Russland im Einsatz.

Tochter von Putin geimpft

Während Pharmafirmen aus den USA und Europa mit Studien zur Wirksamkeit ihrer Vakzinen beginnen, werden in Russland laut Agenturberichten seit August Spitalmitarbeiter und Beamte mit einem Impfstoff behandelt, der – wie der chinesische – bisher nicht alle vorgeschriebenen Testphasen durchlaufen hat. Auch die Tochter des russischen Präsidenten Wladimir Putin soll die Vakzine erhalten haben. Das Vorgehen war international auf Kritik gestossen.

Bereits im Juni, ehe die finale Testphase abgeschlossen war, hatte Chinas Regierung dem Militär offiziell die Erlaubnis erteilt, Soldaten einen Impfstoff einer zweiten Firma zu spritzen. An der letzten Phase nehmen normalerweise oft mehrere Hundert oder sogar Tausende Menschen teil. Erst bei erfolgreichem Abschluss können Impfstoffe zugelassen werden. Das dauert in der Regel Jahre.

Corona-Test umgehen

In der vergangenen Woche war es bereits zu einem diplomatischen Zwischenfall zwischen China und dem Inselstaat Papua-Neuguinea gekommen. Mitarbeiter eines chinesischen Bergbauunternehmens waren auf dem Weg in das Land, als die lokalen Behörden ihnen die Einreisegenehmigung entzogen. Grund dafür war ein Schreiben des Staatsunternehmens, indem dieses erklärte, die Minenarbeiter seien bereits gegen das Coronavirus geimpft und könnten bei einem möglichen Test auf das Virus deshalb anschlagen.

Wertvolle Substanz: Ein Wachmann patrouilliert vor der Firma in  CanSino Biologics in Tianjin, die für Impfstoffe spezialisiert ist.
Wertvolle Substanz: Ein Wachmann patrouilliert vor der Firma in CanSino Biologics in Tianjin, die für Impfstoffe spezialisiert ist.
Foto: Thomas Peter (Reuters)

Die Firma wollte anscheinend erreichen, dass die Arbeiter von Tests bei der Einreise entbunden wurden, erreichte damit aber das Gegenteil. Die Behörden in der Hauptstadt Port Moresby forderten eine Erklärung aus Peking und wiesen darauf hin, dass es verboten sei, Impfstoffe einzuführen, die in dem Land nicht zugelassen sind.

Auch in den USA scheint man sich von den Vorstössen aus China und Russland unter Druck gesetzt zu sehen. Am Samstag behauptete US-Präsident Donald Trump auf Twitter, bei der zuständigen US-Arzneimittelbehörde FDA erschwerten ihm feindlich gesinnte Beamte die Entwicklung von Corona-Medikamenten und Impfstoffen, damit es vor der Präsidentschaftswahl am 3. November keine Erfolgsmeldung geben könne. Vertreter eines «Staates im Staat, oder wer auch immer» machten es den Pharmaunternehmen schwer, Probanden für Medikamente und Impfstoffe zu finden, schrieb Trump weiter. An den Chef der FDA, Stephen Hahn, gerichtet, schrieb er: «Wir müssen uns auf Geschwindigkeit und das Retten von Leben konzentrieren.»