Wahlen 2019

Duell der Gegensätze

Der zweite Zürcher Ständeratswahlgang vom 17. November mit Marionna Schlatter (Grüne) und Ruedi Noser (FDP) ist eine Richtungswahl.

Noser, Schlatter: Eingemitteter FDP-Ständerat gegen Grüne mit Linksdrall und liberalen Gesellschaftsvorstellungen. Foto: Sabina Bobst

Noser, Schlatter: Eingemitteter FDP-Ständerat gegen Grüne mit Linksdrall und liberalen Gesellschaftsvorstellungen. Foto: Sabina Bobst

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Ein fulminantes Zürcher Wahljahr endet. Zum Abschluss kommt es zu einem Duell, in dem sich die Gegensätze, die das Wahljahr prägten, noch einmal zuspitzen. Am 17. November treten zum zweiten Wahlgang um den zweiten Zürcher Ständeratssitz der Bisherige Ruedi Noser (FDP) und Marionna Schlatter (Grüne) an. Daniel Jositsch (SP) ist bereits wiedergewählt.

Schlatter gegen Noser, das heisst auch: die Präsidentin der Kantonalzürcher Grünen, die bei den Wahlen abräumten wie kaum eine Partei zuvor, gegen den amtierenden FDP-Ständerat und einstigen interimistischen FDP-Kantonalparteipräsidenten.

Noser konnte den Niedergang des Zürcher Freisinns vielleicht bremsen, aber nicht wirklich stoppen. Zuletzt verlor die FDP bei den Nationalratswahlen ihren Rang als drittstärkste Partei im Kanton Zürich hinter SVP und SP: Grüne und GLP überholten sie punkto Wähleranteil knapp. Die Wählerbasis der Grünen und der FDP ist mit jeweils rund 14 Prozent nun etwa gleich stark. Noser hat einen Startvorteil, da bisherige Ständeräte normalerweise nicht abgewählt werden. Schlatter verspürt jedoch Rückenwind nach den Erfolgen der Grünen in diesem Wahljahr. Entscheidend werden am 17. November zwei Faktoren sein: Wer mobilisiert besser? Und wer holt die Stimmen der GLP und der EVP, die Stimmfreigabe beschlossen haben? Ansonsten unterstützt das bürgerliche Lager Noser und das linke Schlatter.

Noser gegen Schlatter, das heisst zudem: etablierter Politfuchs gegen aufstrebende Jungpolitikerin. Noser, 58 Jahre alt, bringt Erfahrung aus 16 Jahren im National- und Ständerat mit. Er hat zudem eine grosse Informatikfirma aufgebaut. Schlatter, 38 Jahre alt, ist gerade mal ein halbes Jahr Kantonsrätin. Über Erfahrungen in Bundesbern verfügt sie nicht. Die Kantonalzürcher Grünen präsidiert sie seit 2011. Karriere machte die Soziologin bislang in der Politik und als Pilzkontrolleurin.

Schlatter gegen Noser, das ist nicht zuletzt auch das Duell Frau gegen Mann. Im Jahr des Frauenstreiks, als Frauen mit einer der grössten Kundgebungen, die es hierzulande je gab, für ihre Rechte demonstrierten, ist dies nicht zu unterschätzen. Schlatter setzt unter anderem auch auf diese Karte: «Die doppelte Männervertretung ist unhaltbar geworden», sagte sie im Interview.

Links-grüngegen wirtschaftsliberal

So viel zu den Personen. Doch welche politischen Inhalte vertreten die beiden? Ihre Smart­vote-Profile verdeutlichen es. Schlatter steht links. Sie setzt sich für einen ausgebauten Umweltschutz und Sozialstaat sowie für eine liberale Gesellschaft ein. Nosers Profil geht hingegen vor allem in Richtung liberale Wirtschaftspolitik und offene Aussenpolitik; bei Themen wie Umweltschutz, Sozialstaat, aber auch liberale Gesellschaft und restriktive Migrationspolitik ist der FDP-Mann eingemittet. Gesellschaftspolitisch unterscheiden sich die Kandidierenden etwa in folgenden Punkten: Schlatter ist für strengere Kontrollen punkto Lohngleichheit zwischen Mann und Frau; Noser lehnt dies ab. Schlatter würde es begrüssen, wenn aktive Sterbehilfe durch Ärzte straffrei möglich wäre; Noser eher nicht. Und: Schlatter will, dass Ausländer nach mindestens zehn Jahren in der Schweiz das Stimm- und Wahlrecht auf Gemeindeebene erhalten; Noser ist dagegen.

Auch gesundheitspolitisch gibt es klare Unterschiede: Schlatter befürwortet die Initiative, wonach niemand mehr als zehn Prozent seines Einkommens für die Krankenkassenprämien aufwenden müsste. Noser lehnt sie ab.

Interessant sind auch ihre Differenzen bei Umweltthemen, hat sich Noser doch im Wahlkampf als ökologischer Freisinniger präsentiert: So will Noser gemäss seinen Angaben im Smartvote-Fragebogen, dass stark befahrene Autobahnabschnitte auf sechs Spuren ausgebaut werden; Schlatter ist strikt dagegen. Noser lehnt es klar ab, dass Bauern nur noch dann Direktzahlungen erhalten, wenn sie auf Pestizide und Antibiotikaeinsatz weitestgehend verzichten; Schlatter unterstützt die entsprechenden Initiativen.

Im Hinblick auf den Rahmenvertrag zwischen der Schweiz und der Europäischen Union schliesslich ist Schlatter skeptischer als Noser, wie sich in Interviews mit dieser Zeitung zeigte: Die Kandidatin der Grünen pochte auf strenge Lohnschutzmassnahmen. Der FDP-Kandidat hingegen äusserte diesbezüglich weniger Bedenken.

Erstellt: 07.11.2019, 21:36 Uhr

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