Entsorgung

Kein Abfallimport mehr für Fernwärme

Im Kehrichtheizkraftwerk Zürich-Josefstrasse wird hauptsächlich Abfall aus Süddeutschland verbrannt. Wenn es 2021 schliesst, hat das nicht nur für Süddeutschland, sondern auch für Zürich Folgen.

2021 geht der Ofen aus: Das Kehrichtheizkraftwerk Josefstrasse in der Stadt Zürich.

2021 geht der Ofen aus: Das Kehrichtheizkraftwerk Josefstrasse in der Stadt Zürich. Bild: Urs Jaudas

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Rund 100000 Tonnen Abfall pro Jahr verbrennt das Kehrichtheizkraftwerk (KHKW) Josefstrasse mitten in der Stadt Zürich. Mit der dabei frei werdenden Energie können laut eigenen Angaben rund 8000 Haushalte mit Wärme und 13000 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Voraussichtlich 2021 ist Schluss damit. Die zwischen Josefswiese und Hardbrücke gelegene Anlage erreicht das Ende ihrer Betriebsdauer. Das KHKW wird plangemäss stillgelegt, der grösste Teil wird abgebrochen.

Das hat Folgen, sowohl für die bisherigen Abfall-Lieferanten in Deutschland, als auch für die Stadt Zürich, die das bestehende Wärmenetz weiter betreiben will. Mehr als die Hälfte der Abfälle, die an der Josefstrasse verwertet werden, stammen aus dem an die Schweiz grenzenden deutschen Bundesland Baden-Württemberg.

Dort läuft derzeit die Suche nach Anschlusslösungen, wie ein Sprecher des Umweltministeriums Baden-Württemberg auf Anfrage mitteilt. Klar ist: Die naheliegende Lösung, die Abfälle im KHKW Hagenholz in der Stadt Zürich zu verbrennen, steht nicht zur Diskussion. Dies bestätigt Entsorgung + Recycling (ERZ) Stadt Zürich.

Die Stadt will aber natürlich die Fernwärmekunden, die am KHKW Josefstrasse angeschlossen sind, nicht verlieren. Aus diesem Grund wird derzeit eine Verbindungsleitung vom KHKW Hagenholz an die Josefstrasse gebaut. 2025 soll Hagenholz um eine dritte Ofenlinie erweitert werden.

Gas statt Abfälle verbrennen als Übergangslösung

Bis dahin könnte es jedoch eng werden: «Bis zum Bau der dritten Ofenlinie reichen die Kapazitäten vom KHKW Hagenholz und dem Holzheizkraftwerk Aubrugg nicht aus, um sowohl Zürich-Nord wie auch Zürich-West mir Fernwärme zu versorgen», sagt ERZ-Mediensprecher Daniel Eberhard. «Die zur Deckung der Versorgungssicherheit notwendige Menge an Fernwärme wird mit Gas produziert.» In der Energiezentrale, die auf dem Areal des KHKW Josefstrasse verbleiben soll, werden dafür einige Gaskessel installiert.

Wettgemacht wird dieser ökologische Schönheitsfehler durch den Wegfall der Abfalltransporte aus Deutschland. Der Abfall wird nämlich mit Lastwagen herangekarrt, und zwar nicht nur von unmittelbar ennet der Grenze, sondern auch aus Gegenden, die über 150 Kilometer von Zürich entfernt liegen. Die dafür eingesetzten Fahrzeuge müssen laut ERZ die Abgasnorm Euro 5 erfüllen.

Der sogenannte Abfalltourismus steht immer wieder in der Kritik. Ganz vermeiden lassen sich Abfalltransporte jedoch nicht. Der Trend zu grossen, effizienten Anlagen, deren Abgasfilterung höchste Standards erfüllen muss, führt auch zu grösseren Einzugsgebieten, aus denen die Abfälle stammen. Die so erzeugte Fernwärme gilt als CO2-neutral. Der Transport Abfälle, selbst wenn er auf der Strasse erfolgt, fällt vergleichsweise wenig ins Gewicht.

Abfälle mehrheitlich aus dem Kanton Zürich beziehen

Längerfristig soll das KHKW Hagenholz die Fernwärmeversorgung laut Auskunft von ERZ mit kantonalen Siedlungsabfällen sowie Marktkehricht, beispielsweise brennbaren Bauabfällen, sicherstellen.

Die Stadtzürcher Stimmberechtigten haben dem für die Erweiterung der Fernwärmeversorgung nötigen Kredit in der Höhe von 235 Millionen Franken mit deutlicher Mehrheit zugestimmt. Die Fernwärme soll laut Stadtrat dazu beitragen, klima- und umweltpolitische Ziele zu erreichen, konkret die 2000-Watt-Gesellschaft und die Senkung des CO2-Ausstosses. Dies geschieht vor allem dann, wenn bestehende Öl- und Gasheizungen durch Fernwärme ersetzt werden.

Erstellt: 20.11.2019, 17:01 Uhr

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