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Schweizer Exporte schrumpfenCorona-Krise verdirbt der Industrie das Auslandsgeschäft

Im März sind die Exporte aus der Schweiz in einigen Branchen zweistellig geschrumpft. Doch es gibt auch Profiteure – und die Hoffnung, dass sich China bald erholt.

Edle Zeitmesser aus der Schweiz waren in der Krise weniger gefragt.
Edle Zeitmesser aus der Schweiz waren in der Krise weniger gefragt.
Foto: Christian Merz

Die Corona-Krise lässt das Geschäft der Schweizer Exporteure einbrechen. Die Maschinen- und Elektroindustrie verzeichnet im März ein Minus von gut 15 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Doch auch die Uhren- und Schmuckbranche ist mit weiterhin zweistellig rückläufigen Exportzahlen stark von der Krise betroffen.

Für die Unternehmen ist das wie ein Schlag ins Gesicht, denn sie machen oft den Grossteil ihres Geschäfts im Ausland und sind von der Kauf- und Investitionsfreudigkeit der dortigen Kunden abhängig. Doch in der Krise steckten deutlich weniger Menschen Geld in eine neue Luxusuhr. Zudem zögerten viele Firmen offenbar mit der Anschaffung neuer Maschinen «made in Switzerland». Das geht aus der jüngsten Exportstatistik des Bundes für das erste Quartal hervor.

Die Exporte der Maschinen- und Elektrobranche fielen im März so stark wie nie zuvor im gesamten Zeitraum von 1997 bis heute, erklärt die Zollverwaltung. Bei Uhren betrug das Minus im März elf Prozent, nach einem Rückgang von 13 Prozent im Februar, bei Schmuck 12 Prozent.

Rasche Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Viele Industrieunternehmen stellen sich auf ein schwieriges Frühlingsquartal ein. Sulzer etwa erwartet durch die Pandemie grössere Auswirkungen auf das Geschäft im zweiten Quartal und rüstet sich mit einem Kostensparprogramm gegen den Abschwung. Und auch der Schweizer Uhrenverband rechnet wegen der zeitverzögerten Auswirkungen der Krise in Europa und den USA mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäfte im April.

Neuer Rekord bei Pharma-Exporten

Quer über alle Branchen hinweg ergibt sich allerdings ein anderes Bild: Insgesamt zogen die Exporte sowohl im März als auch im gesamten ersten Quartal leicht an. Das lag einmal mehr an der Chemie- und Pharmabranche, die ihre Verkäufe im Ausland zu Jahresbeginn erneut steigern konnte und einen neuen Rekord erreichte. Das Geschäft lief so gut, dass die Exporte von Medikamenten und Wirkstoffen das Minus aus vielen anderen Branchen mehr als ausbügeln konnten.

Allerdings gibt es auch einen Hoffnungsschimmer für die kriselnden Branchen: Die Ausfuhren nach China und Hongkong zogen nach einem Einbruch zu Jahresbeginn langsam wieder an oder hielten sich mit einem kleinen Minus im Vergleich zu anderen Absatzmärkten vergleichsweise gut. Dort dürfte sich die Nachfrage nach der Corona-Krise also bereits wieder erholen. Allerdings warnte die Zollverwaltung davor, den Trend überzubewerten. Der Rückgang der Exporte nach China zu Jahresbeginn könne auch mit dem chinesischen Neujahrsfest im Januar zu tun haben.

Doch zumindest die Uhrenexporte nach China stimmen zuversichtlich: Sie zogen im März gegenüber der Vorjahresperiode um knapp 11 Prozent an. «Die Uhrenexporte passen grundsätzlich ins Bild unserer Erwartungen», erklären die Experten der Zürcher Kantonalbank. «Während sich China stabilisiert, hat der Einbruch in Europa erst begonnen. Auch die USA werden noch unter Druck kommen.» Für eine generelle Entwarnung scheint es also noch zu früh.

3 Kommentare
    Frederik Abelard

    Immer wieder amüsant, wie naiv Wirtschaftsprognosen präsentiert werden - oder ist es schlicht Zweckoptimismus? In vielen Ländern ist die Coronakrise erst am Anlaufen, der wirtschaftliche und gesellschaftliche Lockdown zum Teil noch ausstehend. Die Krise wird sicher nicht nach zwei oder drei Monaten durchgestanden sein, sondern beschäftigt uns noch jahrelang. Nach der Koronawelle folgt eine Kündigungswelle, weil längst nicht mehr alle beschäftigt werden können. Mit Kurzarbeits- oder Arbeitslosengeld schnallt sich der Konsument den Gürtel enger. Die Verkaufszahlen in allen Branchen werden schrumpfen. Dies führt zu noch mehr Arbeitslosen und noch weniger Konsum. Kaum mehr jemand wird investieren wollen und selbst die Staaten werden sparen müssen. Die Spirale der Rezession ist angetrieben und wird uns alle erst einmal lange brutal mitreissen und die Aussage wird nicht mehr sein: Hauptsache ich werde vom Virus verschont, sondern: Hauptsache ich habe noch einen Job.