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Corona-Pandemie trifft die Flugbranche heftigSwiss rechnet mit erstem Jahresverlust seit 15 Jahren

Die Swiss befindet sich auch nach dem dritten Quartal tief in den roten Zahlen. Im Vergleich zur Vorjahresperiode ging der Ertrag um 61,8 Prozent zurück.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Zwei Swiss-Maschinen warten auf die Startfreigabe.
Ein Bild mit Seltenheitswert: Zwei Swiss-Maschinen warten auf die Startfreigabe.
Foto: Samuel Schalch (Tages-Anzeiger)

Die Swiss ist wegen der Corona-Pandemie in den ersten neun Monaten tief in den roten Zahlen gelandet. Operativ flog die Lufthansa-Tochter laut Angaben vom Donnerstag einen Verlust von 414,7 Millionen Franken ein nach einem Gewinn von 489,6 Millionen im Vorjahressemester.

Man habe den Verlust jedoch im Vergleich zum zweiten Quartal verringern können, schreibt die Airline weiter. Die Swiss hat in den Sommermonaten das Angebot wieder etwas hochgefahren, zudem sei es gelungen, Kosten zu senken. Fast 40 Prozent des Flugprogramms konnte in den Sommermonaten durchgeführt werden. Der operative Verlust im dritten Quartal betrug jedoch fast 150 Millionen. Zum Vergleich: 2019 wurde in der gleichen Periode ein Gewinn von fast 250 Millionen geschrieben.

Auch bei den Passagieren gab es einen erheblichen Rückgang. In den Sommermonaten konnte die Swiss knapp 80 Prozent weniger Passagiere an Bord begrüssen. Im September waren es gar 84 Prozent, schreibt die Swiss.

Diese Passagiere bekommen auf den Kurzstrecken keine Verpflegung, das sei der Pandemie geschuldet. Zudem muss auf allen Flügen eine Maske getragen werden. Bei Flügen in die Schweiz müssen die Passagiere ihre Kontaktdaten zuhanden des Bundesamts für Gesundheit angeben.

Liquidität nicht in Gefahr

Der Finanzchef der Swiss, Markus Binkert, sagt, die Liquidität sei aber nicht gefährdet. Die Swiss werde jedoch zum ersten Mal seit 15 Jahren ein Geschäftsjahr mit einem Verlust abschliessen.

Auch der Winterflugplan der Swiss wird erheblich reduziert. Geplant seien rund 25 Prozent der Vorjahreskapazität. Die Swiss fliegt seit Ende Oktober 16 ihrer 24 Langstreckendestinationen an, im März sollen 2 weitere folgen. Grund für das doch breite Angebot sei eine hohe Nachfrage an Frachtflügen, so die Swiss.

CEO Thomas Klühr wünscht sich für den nächsten Sommer «einheitliche und mobilitätsfördernde Rahmenbedingungen». Nur so sei ein Aufschwung zu erwarten. Mit der Erholung der Luftfahrt sei jedoch erst zu rechnen, wenn «die Pandemie abflacht und auf eine Quarantäneregelung in der aktuellen Form» verzichtet werde, so der Swiss-CEO.

Auch die Lufthansa leidet

Unter dem Strich stand bei der Muttergesellschaft Lufthansa im dritten Quartal ein Minus von fast 2 Milliarden Euro, wie der MDAX-Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Während die Lufthansa im operativen Geschäft – wie bereits bekannt – einen Verlust (bereinigtes Ebit) von knapp 1,3 Milliarden Euro verzeichnete, zogen Abschreibungen auf stillgelegte Passagierjets und Finanzgeschäfte zur Absicherung der Treibstoffpreise das Nettoergebnis zusätzlich nach unten.

Analysten hatten unter dem Strich im Schnitt mit einem Minus von rund 1,6 Milliarden Euro gerechnet.

Angesichts der schwachen Ticketnachfrage wegen der Corona-Pandemie will der Konzern im vierten Quartal weiterhin höchstens ein Viertel der Vorjahreskapazität anbieten. Der Vorstand um Lufthansa-Chef Carsten Spohr will den Mittelabfluss im operativen Geschäft im vierten Quartal auf 350 Millionen Euro begrenzen.

Im Laufe des nächsten Jahres soll der operative Mittelzufluss wieder ins Positive drehen. Dazu müsse sich die Pandemie aber so entwickeln, dass der Konzern sein Flugangebot wieder auf rund 50 Prozent des Vorkrisenniveaus hochfahren könne, hiess es.

SDA/gvb