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Grossbank legt Sicherheitspolster anCS wappnet sich mit über einer Milliarde Franken gegen Coronakrise

Die Schweizer Grossbank meldet Gewinnzahlen fürs erste Quartal, äussert sich zur aktuellen Lage und warnt vor Wertberichtigungen.

Startete seine Amtszeit als CEO gleich in äusserst turbulenten Zeiten: Thomas Gottstein ist seit Mitte Februar Chef der Credit Suisse.
Startete seine Amtszeit als CEO gleich in äusserst turbulenten Zeiten: Thomas Gottstein ist seit Mitte Februar Chef der Credit Suisse.
KEYSTONE/Ennio Leanza

Die Credit Suisse hat im ersten Quartal deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Wegen der Coronakrise musste die Grossbank allerdings Rückstellungen bilden. Der Reingewinn stieg im Startquartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 75 Prozent auf 1,31 Milliarden Franken, wie die Credit Suisse am Donnerstag mitteilte. Die Bank profitierte dabei von einem negativen Steuersatz. Auf Vorsteuerebene lag der Gewinn bei 1,20 Milliarden Franken. Die Erträge stiegen auf 5,78 Milliarden Franken nach 5,49 Milliarden im Vorjahr. Die Investmentbank rutschte im ersten Quartal tiefer in die Verlustzone und verbuchte ein Minus von 392 Millionen Franken vor Steuern.

Reserven gegen Corona

Die Bank wappnet sich mit Reserven von über einer Milliarde Franken für die Coronakrise. Sie entfallen auf Rückstellungen für faule Kredite sowie Wertberichtigungen in der Investmentbank durch den Abschwung im Öl- und Gassektor. «In den kommenden Quartalen könnte es nötig sein, weitere Reserven zu bilden und Wertberichtigungen vorzunehmen», warnt die Bank in ihrem Ausblick. Die Rückstellungen für faule Kredite entfallen in grossen Teilen auf die Investmentbank und den Handel. Die Schweizer Einheit und das Vermögensverwaltungsgeschäft sind weniger davon betroffen.

Zuvor hatten sich bereits die erfolgsverwöhnten US-Banken wegen der Corona-Krise für Kreditausfälle in Milliardenhöhe gewappnet. Die Gewinne sackten daraufhin ab. JP Morgan als grösste Bank der USA stockte die Rückstellungen für faule Kredite um 6,8 Milliarden Dollar auf, Wells Fargo erhöhte sie um 3,2 Milliarden Dollar, die Citigroup um fast fünf Milliarden Dollar. Auch ihnen drohen weitere Belastungen.

Ich konnte nicht erahnen, wie sehr sich die Welt in weniger als ein paar Monaten ändert

CEO Thomas Gottstein

Wenn Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr fristgerecht zurückzahlen können, müssen die Banken nach ganz bestimmten Vorschriften Rückstellungen für sogenannte faule Kredite bilden. Oft ist das während Wirtschaftskrisen der Fall, daher steigen die Rückstellungen in turbulenten Zeiten meistens an. Das Geld fehlt den Finanzinstituten dann beim Gewinn. Wenn sich die Lage wieder bessert und die Kunden doch wieder zahlen können, können die Banken die Rückstellungen wieder auflösen. Üblicherweise liegen die Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle bei der Credit Suisse pro Quartal bei deutlich unter 100 Millionen Franken.

«Als ich am 14. Februar meine Stelle antrat, konnte ich nicht erahnen, wie sehr sich die Welt in weniger als ein paar Monaten ändert», sagt CEO Thomas Gottstein in einer Telefonkonferenz. Statt als neuer Bankchef die Belegschaft rund um den Globus zu treffen, habe er sich auf ein Sicherheitskonzept für das Institut konzentriert.

Keine Stellenstreichungen in Coronakrise

Stellenstreichungen hat Gottstein für die Dauer der Coronakrise ausgeschlossen. «Solange die Pandemie dauert, planen wir nicht, uns von Leuten zu trennen. Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst», sagt Gottstein. Zuvor hatte das Institut betont, wegen der Krise weiterhin grosses Augenmerk auf die Entwicklung der Kosten zu legen.

Mit den Ergebnissen wurden die Schätzungen von Analysten übertroffen. Es hatte aber im Vorfeld eine hohe Unsicherheit gegeben – entsprechend gross waren die Schätzungsbandbreiten. Laut Konsens der Agentur AWP gingen die Experten im Durchschnitt von einem Gesamtertrag von 5,44 Milliarden sowie von einem Vorsteuergewinn von 1,25 Milliarden und einem Konzerngewinn von 910 Millionen Franken aus.

Renditeziele in Frage gestellt

Angesichts der Verwerfungen durch die Coronakrise setzt Gottstein ein Fragezeichen hinter die Renditeziele der Bank. Eigentlich hatte sich die Credit Suisse für das laufende Jahr eine Rendite auf das Eigenkapital von rund zehn Prozent vorgenommen. «Das bleibt weiterhin unser Ziel - zumindest mittelfristig», sagt Gottstein.

Es sei aber auch klar, dass es in den kommenden zwei bis drei Quartalen herausfordernd werde, das zu erreichen. Im ersten Quartal lag die Rendite auf das Eigenkapital bei 13,1 Prozent. Allerdings hatte die Bank dabei von diversen Steuereffekten profitiert. Bereinigt um diesen Effekt lag die Kennzahl bei 9 bis 9,5 Prozent.

14’000 Corona-Kredite vergeben

Im Rahmen des vom Bund angestossenen Corona-Kreditprogramms hat die Credit Suisse bislang rund 14’000 Kredite im Umfang von insgesamt 2,4 Milliarden Franken gewährt.

Die Geschäftsführung der Bank rund um Gottstein will in den kommenden sechs Monaten mindestens 20 Prozent ihres Basissalärs für Corona-Opfer spenden. Verwaltungsratspräsident Urs Rohner will sich in ähnlichem Umfang engagieren.

Credit Suisse droht Ärger mit der US-Justiz

Der Credit Suisse droht Rechtsärger in den USA, wie gestern Mittwoch bekannt wurde. Dem Schweizer Grossbank und neun weiteren Geldhäusern wird von einer Klägerin aus Puerto Rico vorgeworfen, beim Handel von Unternehmensanleihen jahrelang zu hohe Preise verlangt zu haben.

Dies ging aus Unterlagen hervor, die am Dienstag bei einem Bundesgericht in Manhattan eingereicht wurden. Zu den beschuldigten Finanzinstituten zählen neben der Credit Suisse die Deutsche Bank, die US-Geldhäuser JPMorgan, Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup und Wells Fargo sowie die britischen Banken Barclays und Royal Bank of Scotland. Wie viele Anleger hinter der Sammelklage stehen, ist unklar. Ob solche Klagen in konkreten Verhandlungen münden, ist nicht vorherzusehen.

Ethos lehnt CS-Vergütungen ab

Heute in einer Woche findet die Generalversammlung der Credit Suisse statt. Davor bringt sich der Aktionärsvertreter Ethos in Stellung. Ethos empfiehlt den CS-Aktionären, der Bankleitung die Décharge zu verweigern und den Vergütungsbericht abzulehnen. Zudem sollen sie den amtierenden Präsidenten Urs Rohner nicht mehr wählen und auf die Ausrichtung einer Dividende verzichten.

Angesichts der schwerwiegenden Führungsmängel, die während der Beschattungsaffäre rund um ehemalige Kadermitglieder ans Licht gekommen sind, sei es noch zu früh um der Führung der Bank die Décharge zu erteilen, schreibt Ethos am Dienstag in einer Medienmitteilung. Die Affäre insbesondere um die Beschattung des vormaligen «CS-Starbankers» Iqbal Khan, der zur Konkurrentin UBS gewechselt war, habe dem Ruf der Bank sehr geschadet.

Vergütungen zu hoch

Dem wird nach Meinung von Ethos auch bei den Vergütungen ans Management zu wenig Rechnung getragen. Vor allem der Jahresbonus, der dem im Februar 2020 zurückgetretenen CS-Chef Tidjane Thiam gewährt wurde, sei viel zu hoch. Daher sei der Vergütungsbericht an der GV zurückzuweisen, empfiehlt der Aktionärsvertreter.

Ethos stellt sich überdies gegen die Wiederwahl des Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner. Seit 2017 halte man angesichts der zahlreichen Affären einen Wechsel des Präsidiums für unumgänglich, um das Vertrauen der Aktionäre wiederherzustellen.

Finanzielle Unsicherheiten

Zu guter Letzt sollen die Aktionäre laut Ethos auf die Zahlung einer Dividende in diesem Jahr verzichten. Aufgrund der mit der Corona-Pandemie verbundenen wirtschaftlichen und finanziellen Unsicherheiten, sei dies angebracht. Die CS hatte vorgeschlagen, die Dividende in zwei Schritten von je 0,1388 Franken je Aktie auszubezahlen.

Bereits vergangene Woche hatte der Stimmrechtsberater Glass Lewis die Ablehnung des Vergütungsberichts der Grossbank empfohlen. Glass Lewis sprach sich mit Blick auf den erlittenen Reputationsschaden ebenfalls gegen die Entlastung der Unternehmensspitze aus.

Der Stimmrechtsberater ISS hingegen hat den Aktionären empfohlen, die entsprechenden Anträge anzunehmen.

* mit Material der Agentur SDA