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Umbau bei der Credit SuisseGrossbank streicht Jobs und Filialen

Die Credit Suisse kündigt einen Umbau des Geschäfts auf dem Heimmarkt an. Ein Stellenabbau sei dafür unvermeidlich.

Bei der Credit Suisse Schweiz wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern: Bürogebäude der Grossbank in Zürich.
Bei der Credit Suisse Schweiz wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern: Bürogebäude der Grossbank in Zürich.
Steffen Schmidt (Keystone) 

Die Credit Suisse konkretisiert ihre im Juli angekündigten Pläne zur strategischen Marschrichtung des Schweizer Geschäfts. Dies haben zum Ziel, das Geschäft mit Privatkunden gleichzeitig auszubauen und es zu vereinfachen. Damit sollen auch Kosten gespart werden.

Nebst organisatorischen Änderungen und der im Juli kommunizierten Anpassung des schweizweiten Filialnetzes wird beabsichtigt, das Geschäft der Neuen Aargauer Bank AG (NAB) mit jenem der Credit Suisse zusammenzuführen und die Präsenz im Kanton Aargau unter einer Marke zu vereinen.

37 Filialen geschlossen, 500 Jobs betroffen

Gesamtschweizerisch soll das Filialnetz auf 109 Filialen gegenüber aktuell 146 Standorten gestrafft werden. Am späteren Morgen sagte André Helfenstein, CEO Swiss Universal Bank und Credit Suisse (Schweiz) AG, an einer Telefonkonferenz für Journalisten, dass in der Schweiz bis zu 500 Stellen wegfallen könnten.

Über die Zeit seien Stellen aber nicht gleich Leute. Man wolle an anderen Orten Neueinstellungen tätigen und betroffene Mitarbeiter daher wenn möglich anderweitig unterbringen. Auch die Fluktuation solle genutzt werden, um Entlassungen zu verhindern.

Bei der Art der betroffenen Stellen handle es sich grösstenteils um unterstützenden Funktionen, sagte Helfenstein weiter. Aber da Filialen geschlossen werden sollen, gehe es auch um Mitarbeiter in den Geschäftsstellen.

Während der Beratungsbedarf bei komplexeren Finanzfragen und die Nachfrage nach anspruchsvollen Lösungen steige, nehme der Anteil von Kunden, die zur Erledigung der Bankgeschäfte zunehmend die digitalen und telefonischen Services der Bank nutzten, laufend zu, begründet die Bank die Schliessung der Filialen.

Von 30 runter auf 12 im Aargau

So sei in den letzten zwei Jahren die Nutzung des Online Banking um rund 40 Prozent gestiegen und jene des Mobile Banking habe sich gar mehr als verdoppelt. Die Covid-Krise habe diese Entwicklungen noch weiter beschleunigt. Im Gegenzug hätten die Frequenzen in den Geschäftsstellen Jahr für Jahr abgenommen. Im Online- und Mobile-Banking werden die klassischen Schweizer Banken auch immer mehr durch neue Player herausgefordert.

Im Kanton Aargau, wo die CS und die NAB zusammen derzeit noch 30 Geschäftsstellen betreiben, sollen nach der Zusammenlegung noch 12 Filialen übrig bleiben. Die Zusammenführung soll in Form einer Fusion der NAB in die Credit Suisse (Schweiz) AG geschehen und – vorbehältlich der vorgängigen Genehmigung durch die Finma – Ende November 2020 rechtswirksam und im zweiten Quartal 2021 abgeschlossen werden.

Stellenabbau «unvermeidlich»

Ein Stellenabbau bei der NAB sowie in der Division Swiss Universal Bank werde unvermeidlich sein, so die Credit Suisse, die diesen Abbau allerdings nicht genau beziffert. Die geplante Zusammenführung und insbesondere sämtliche die Mitarbeitenden betreffenden Massnahmen stünden unter dem Vorbehalt des Abschlusses der Konsultationsverfahren mit den Personalkommissionen.

Ein Sozialplan stehe zur Verfügung. Oberstes Ziel sei es, dass möglichst alle von einem Stellenabbau betroffenen Mitarbeitenden eine interne oder externe Weiterbeschäftigung fänden.

100 Millionen in der Schweiz, 400 Millionen gruppenweit sparen

Die CS verspricht sich von den Massnahmen jährliche Kosteneinsparungen von brutto 100 Millionen Franken ab 2022. Diese sind Teil der Ende Juli angekündigten, ab 2022 gruppenweit avisierten jährlichen Kosteneinsparungen von insgesamt rund 400 Millionen. Die Synergieeffekte sollen teilweise durch die Reduktion von Sachkosten erreicht werden, insbesondere durch tiefere Kosten für Miete und Unterhalt von Geschäftsstellen sowie durch weitere Kosteneinsparungen.

Ein substanzieller Teil der erwarteten Synergien soll ins Schweizer Geschäft reinvestiert werden. Damit sollen auch weiterhin neue Rollen geschaffen sowie neue Mitarbeitende eingestellt werden.

Neue Einheit «Digital Banking»

Die erwarteten Restrukturierungskosten von rund 75 Millionen Franken gehören ebenfalls zu den Ende Juli angekündigten gruppenweiten Restrukturierungskosten von rund 300 bis 400 Millionen Franken und sollen über die Laufzeit des Programms zur Umsetzung verbucht werden. Dieses soll innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden.

Zu Änderungen kommt es auch bei der Credit Suisse (Schweiz) AG. Dort werden die beiden Geschäftseinheiten «Direct Banking» und «Digitalization & Products» zur Einheit «Digital Banking» zusammengeschlossen. Diese wird künftig von Anke Bridge Haux geleitet und soll ab Ende Oktober ein neues digitales Angebot lancieren.

Die Geschäftseinheit «Institutional Clients» wird ebenfalls ab Oktober 2020 neu von Daniel Hunziker geleitet.

cpm/sda