Zum Hauptinhalt springen

Repräsentative Umfrage Das Klima interessiert die Kunden im Onlineshop kaum

Digitec Galaxus führt Ende Mai das freiwillige Umwelt-Entgelt beim Einkaufen ein. Eine Umfrage zeigt, wie viel die Schweizer dafür bezahlen wollen.

Sie haben in der Corona-Krise viel zu tun : Die Mitarbeiter im Zentrallager von Digitec Galaxus.
Sie haben in der Corona-Krise viel zu tun : Die Mitarbeiter im Zentrallager von Digitec Galaxus.
Foto: Keystone

Egal ob Staubsauger oder Smartphone: Ab Ende Mai können Kunden von Digitec Galaxus beim Onlineshoppen CO₂-Emissionen kompensieren. Dabei soll nicht nur die Umweltbelastung durch die Lieferung, sondern auch die der Produktion abgegolten werden. Doch wie kommt das bei den Kunden an?

Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts GFK im Auftrag von Digitec Galaxus in der Deutschschweiz und der Romandie zeigt: Wenn es darum geht, für den Klimaschutz beim Einkaufen zu bezahlen, sind die befragten Schweizerinnen und Schweizer nicht gerade grosszügig. 27 Prozent aller Befragten wollen gar nichts dafür bezahlen. Weitere 15 Prozent geben an, unter 1 Prozent des Kaufpreises dafür aufwenden zu wollen. Immerhin 35 Prozent würden laut eigenen Angaben zwischen 1 und 5 Prozent bezahlen. Noch gosszügiger zeigen sich nur 8 Prozent. Laut der Befragung sind die Frauen beim Thema spendabler als die Männer.

Wie viel die CO₂-Kompensation tatsächlich kosten wird, wollte Digitec Galaxus auf Anfrage nicht sagen. Allzu teuer dürfte der umweltschonendere Einkauf allerdings nicht werden. Laut Berechnungen der Klimaschutzstiftung Myclimate kostet beispielsweise die Kompensation eines Smartphones maximal ein bis zwei Prozent des Kaufpreises. Für das iPhone 11 macht das unter 20 Franken. Darin enthalten sind die Emissionen durch Rohstoffe, Herstellung und Lieferung vor die Haustür.

Die Konkurrenz wartet ab

Während der zur Migros gehörende grösste Schweizer Onlinehändler Digitec Galaxus als erster die Möglichkeit zur Kompensation anbietet, zeigen sich die Konkurrenten zurückhaltender. Aktuell sei nicht vorgesehen, den Kunden eine Option zu bieten, um die CO₂-Emissionen auszugleichen, heisst es bei der Coop-Tochter Microspot. Der Onlinehändler Brack gibt an, seit 2009 die CO₂-Emissionen sämtlicher internen Transporte und die Lieferung zu den Kunden zu kompensieren. Wegen der Corona-Krise habe man kaum Zeit gefunden, Möglichkeiten zu weiterführenden Kompensationen zu prüfen.

Einen Hinweis darauf, wie hoch die Bereitschaft der Kunden ist, die Emissionen ihrer Einkäufe zu kompensieren, geben die Erfahrungen aus der Reisebranche. Bei der Airline Swiss kompensierte vor der Corona-Krise lediglich ein Prozent der Kunden die CO₂-Emissionen ihres Fluges. Dabei hat die Art der Aufforderung zum Umweltbeitrag einen grossen Einfluss. Je prominenter der Hinweis platziert ist, desto eher klicken die Kunden ihn an.

Doch zu penetrant wollen die Firmen dabei nicht auftreten. Schliesslich will man den Kunden beim Kauf kein schlechtes Gewissen einjagen. Die Bereitschaft ein freiwilliges Entgelt zu entrichten, steigt markant, wenn der Entscheid statt vor dem Bildschirm im persönlichen Kontakt fällt. Beim Reiseanbieter Hotelplan haben im vergangenen Jahr 28 Prozent der Kunden, die in einem Reisebüro buchten, die Emissionen kompensiert. Online war es auch bei Hotelplan nur ein Prozent.