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«Neue Normalität» nach CoronaDas müssen Sie ab heute beim Einkaufen im Ausland beachten

Mit der Grenzöffnung der Schweiz zur EU ist der Einkaufstourismus wieder erlaubt. Welche Regeln bestehen bleiben und was Einkaufstouristen beachten müssen. Eine Übersicht.

«Abfertigungstelle Ausfuhrschein»: Wegen der Corona-Krise konnten Schweizer Einkaufstouristen seit März 2020 nicht mehr so einfach in der deutschen Grenzregion einkaufen.
«Abfertigungstelle Ausfuhrschein»: Wegen der Corona-Krise konnten Schweizer Einkaufstouristen seit März 2020 nicht mehr so einfach in der deutschen Grenzregion einkaufen.
Foto: Felix Kästle/Keystone

Drei Monate wurden die Grenzen der Schweiz streng bewacht: Nur wer einen triftigen Grund hatte, durfte ausreisen. Shopping im Ausland war ein No-Go. Wer es trotzdem tat, dem drohten Bussen von bis zu 100 Franken. Damit ist jetzt Schluss. Ab Montag, 15. Juni um Mitternacht, gehen die Grenzen zu EU- und Efta-Staaten wieder auf.

Einkaufen in Deutschland und Österreich ist dann wieder möglich. Risikobasierte Kontrollen gibt es aber weiterhin, um Schmuggel und Kriminalität zu verhindern, wie der Bundesrat schreibt. Wie sich der Zoll auf den Ansturm vorbereitet und was Einkaufstouristen beachten müssen:

Welche Länder haben eine Maskenpflicht?

In Deutschland gilt die Maskenpflicht. Das heisst, in allen Läden ist das Tragen der Schutzmaske Pflicht. Beim Coiffeur-Besuch muss ebenfalls eine Schutzmaske getragen werden. Auch in Österreich galt bisher eine Maskenpflicht in den Läden. Doch mit der Grenzöffnung am 15. Juni wird diese in Vorarlberg aufgehoben. Das heisst, normale Einkäufe können ohne Maske gemacht werden. In der Apotheke muss man aber eine Maske tragen.

Ab wann gilt die Maskenpflicht im ÖV?

In Deutschland und in Österreich muss im öffentlichen Verkehr eine Maske getragen werden. Das gilt auch in den Zügen der SBB: Sobald ein Zug über die Grenze rollt, muss eine Schutzmaske aufgesetzt werden. Im Online-Fahrplan und mit Durchsagen werden Passagiere darauf hingewiesen, wie die SBB gegenüber «20 Minuten» sagt.

Dasselbe gilt auch bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB): Fährt ein Tram über die Grenze nach Deutschland, müssen Passagiere eine Maske aufsetzen. Kurz vor dem Grenzübergang werde auf die Maskenpflicht hingewiesen, wie ein BVB-Mediensprecher erklärt.

Gibt es Ausfuhrzettel?

Während der Corona-Krise hat der deutsche Zoll keine Ausfuhrzettel abgestempelt. Seit dem 2. Juni stehen die Zollbeamten wieder an ihren Stempelstationen. Zu dieser Zeit war die Grenzen für Einkaufstouristen noch nicht geöffnet. Doch wer aus triftigen Gründen einreiste, durfte auch in Deutschland einkaufen. Deshalb sei der Ausfuhrzettel wieder eingeführt worden, wie der Paketservice MyPaketshop schreibt.

Dabei gelten neue Regeln: Ausfuhrscheine müssen vor dem Betreten der Abfertigungsgebäude vollständig ausgefüllt werden. Kugelschreiber und Plätze zum Ausfüllen stehen vor Ort nicht mehr zur Verfügung. So soll die Verweildauer der Personen in den Zollbüros auf ein Minimum beschränkt werden.

Wie bereiten sich die Händler vor?

Die deutschen Detailhändler rechnen mit einem Ansturm von Schweizer Einkaufstouristen und sind besorgt bezüglich der Maskenpflicht. Sie fürchten, dass Schweizer Einkaufstouristen keine Masken tragen werden. Deshalb hat das Rheincenter in Weil am Rhein das Sicherheitspersonal aufgestockt: Das Sicherheitsteam sei verdoppelt worden, wie die Center-Leiterin sagt. Bei Kaufland werden extra für Schweizer Masken an der Kundeninformation verkauft.

Kommt es zum grossen Ansturm?

Die Detailhändler in Süddeutschland haben stark unter der Grenzschliessung gelitten: Im Lebensmitteleinzelhandel sind die Umsätze zwischen 30 und 60 Prozent zurückgegangen. Denn allein 2019 haben Kunden aus der Schweiz in den Landkreisen Lörrach, Waldshut und Konstanz für rund 1,5 Milliarden Euro eingekauft.

Wie hoch der Ansturm nach der Grenzöffnung sein wird, kann niemand genau sagen. Experten rechnen aber damit, dass der Einkaufstourismus relativ schnell wieder sein altes Niveau erreichen wird. Einheimische Händler rechnen damit, dass mindestens 80 Prozent des durch die Grenzschliessung gewonnenen Umsatzes wieder abwandert.

118 Kommentare
    Rolf Winter

    Seltsam. Lassen Schweizer Firmen aus Kostengründen im Ausland produzieren, wird das als richtige und verständliche unternehmerische Entscheidung hingenommen. Kaufen hingegen Leute, die es sich nicht leisten möchten oder können, Waren ennet der Grenze, werden sie als Einkaufstouristen bezeichnet und gelten fast als Landesverräter.