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ZUgespitztDas omnipräsente Handy

In der Kolumne «ZUgespitzt» ­greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Barbara Gasser, Redaktorin
Barbara Gasser, Redaktorin
Foto: Johanna Bossart

Auch ich besitze natürlich ein Handy. Es ist ein ziemlich veraltetes Modell mit einem eher kleinen Display. Das stört mich aber keineswegs, SMS schreiben funktioniert bestens und Bildli anschauen auch, telefonieren ebenfalls.

In der gegenwärtigen Situation von Social Distancing leistet ein solches Gerät unbestritten sehr gute Dienste. Aber soll uns diese Corona-Krise nicht auch wieder zu mehr Ruhe führen, mehr Distanz vom hektischen Alltag bescheren und zur Rückbesinnung auf das Wesentliche im Leben (was immer das sein mag) animieren, dass wir ab und zu auf das kleine Gerät verzichten?

Auf meinen Spaziergängen und Ausflügen mit dem Velo begegne ich natürlich anderen Leuten, an denen ich in gebührendem Abstand vorbeigehe oder -fahre. Es ist jedoch zu bezweifeln, ob diese das überhaupt zur Kenntnis nehmen. Fast ohne Ausnahme hält jede und jeder dieses kleine, aber ach so unentbehrliche Ding in der Hand. Oft ist es mit Ohrstöpseln verbunden. Dadurch kapseln sich diese Menschen noch stärker von ihrer Umwelt ab. Sie nehmen nicht mehr wahr, was um sie herum geschieht, übersehen die blühende Natur, verpassen das Vogelgezwitscher und merken nicht, wie der Waldboden riecht.

Es dünkt mich, mit dem unfreiwilligen Distanzhalten habe die Sucht nach permanentem virtuellem Verbundensein noch zugenommen. Das Handy ist immer und überall dabei. Es beherrscht die Menschen mit seiner Multifunktionalität. Dabei wäre doch Abschalten – das Gerät und den Geist – eine Wohltat und eine Erholung.

Ich muss allerdings zugeben, dass mich der fehlende persönliche Kontakt tatsächlich dazu gebracht hat, eine Whatsapp-Gruppe einzurichten. Ob das nun lobenswert ist? Ich bin mir nicht mal so sicher. Aber es hat dazu geführt, gewisse Leute aus meinem Umfeld in ungläubiges Staunen zu versetzen.