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Grosser Spendenaufruf in BülachDas Unterland sammelt Spenden für gestrandeten Zirkus

Weil der Circus Picard seine Vorstellungen absagen musste, steckt er voraussichtlich bis Ende Januar in Bülach fest. Nun ist eine Hilfsaktion für die Gestrandeten angelaufen.

Anwältin Andrea Grimm Widmer und Zirkusbetreiber Alvarino Bizzarro freuen sich über die grosszügigen Spenden.
Anwältin Andrea Grimm Widmer und Zirkusbetreiber Alvarino Bizzarro freuen sich über die grosszügigen Spenden.
Foto: Leo Wyden

Eine Zirkustruppe aus Italien ist wegen der Corona-Restriktionen seit Tagen in Bülach neben der Stadthalle gestrandet. Weil keine Vorstellungen stattfinden können, fallen sämtliche Einnahmen aus. Auch eine Rückreise in die Heimat ist voraussichtlich bis Ende Januar nicht möglich. Eine Gruppe engagierter Frauen aus der Region hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, Essen für die 38 Angestellten des Circus Picard sowie die 8 Pferde und 15 Hunde zu sammeln.

Innert weniger Stunden hatte die Hauptorganisatorin, die nicht mit Namen genannt werden will, einen Aufruf über Facebook gestartet. Der Beitrag warf hohe Wellen: Zuerst wurde er in weiteren Gruppen im Unterland geteilt, später erreichte er sogar Dübendorf. Am Mittwoch um 18 Uhr hatten sich bereits mehrere Personen bei der Stadthalle eingefunden, um Teigwaren, Milch und Hygieneartikel wie Waschmittel und Toilettenpapier zu spenden. «Es ist sehr schön zu sehen, wie viele Leute helfen wollen», sagt die junge Frau. Der Ansturm war so gross, dass die Helferinnen innerhalb von 15 Minuten bereits über 30 Säcke mit Lebensmitteln zählten.

Grosse Spenden

«Die Mitarbeitenden des Zirkus waren fast sprachlos und enorm dankbar für die zahlreichen Spenden», sagt die Helferin. Weil sie selbst kein Italienisch spreche, sei es schwierig gewesen, sich mit den Zirkusbetreibern zu verständigen. «Aber mit Händen und Füssen sowie ein wenig Spanisch und Italienisch hat es doch geklappt», sagt sie und lacht. «Wenn man etwas wirklich will, erreicht man das auch.» So konnte sie auch in Erfahrung bringen, dass es auch an Medikamenten für die älteren Mitglieder mangelte.

Geldspenden wolle man laut der Bülacherin möglichst vermeiden. Einzig die grossen Mengen an Stroh, die ein Reitstall aus Winkel vorbeigebracht hat, will sie vergüten. «Ich war überrascht, wie viel Stroh die Pferde brauchen. Es muss jede Woche nachgeliefert werden.»

Der Circus Picard steckt vorerst in Bülach fest. Nun hofft die Besatzung, dass sie weiter nach Biel ziehen kann.
Der Circus Picard steckt vorerst in Bülach fest. Nun hofft die Besatzung, dass sie weiter nach Biel ziehen kann.
Foto: Leo Wyden

Wie lange der Zirkus auf dem Kiesplatz neben der Stadthalle verweilen muss, ist noch nicht klar. Eigentlich wäre die Truppe nach den Vorstellungen in Bülach zuerst nach Zürich und danach nach Biel weitergezogen. Die Stadt Zürich verweigerte ihr die Anreise, mit Biel muss man noch verhandeln. «Glücklicherweise hat sich die Stadtverwaltung von Bülach sehr kulant gezeigt», erklärt Andrea Grimm Widmer. So darf der Zirkus zumindest bis Mitte Januar auf dem Platz bleiben und hat Wasser und Elektrizität.

Juristische Unterstützung

Grimm Widmer arbeitet als Anwältin für eine Kanzlei, die während der Corona-Pandemie unentgeltlich verschiedene Gruppen wie den Circus Picard juristisch unterstützt. «Die Mitarbeitenden des Circus Picard sprechen viele verschiedene Sprachen, aber eben kein Deutsch. In vielen Fällen brauchen sie Hilfe beim Ausfüllen von Kurzarbeitsgesuchen.» Nun überprüfe man, ob der Circus Picard einen Rechtsanspruch darauf hat, in Biel aufzutreten.

Die Spendenaktion am Mittwochabend war ein grosser Erfolg: Am nächsten Tag wurden die Spenderinnen und Spender gebeten, vorerst keine Lebensmittel mehr zu bringen. Für die nächsten Tage sei ausgesorgt. Bis der Circus Picard aber tatsächlich abreisen kann, wollen die Helferinnen ihn weiter unterstützen. «Im Stich lassen wir ihn nicht.»