Zum Hauptinhalt springen

Urteil des VerwaltungsgerichtsDenkmalschutz stoppt Solar-Ambitionen der Stadt Zürich

EWZ plant auf drei denkmalgeschützten Zürcher Schulhäusern Fotovoltaikanlagen. Doch die Stadt habe versäumt abzuklären, ob die Anlage das Schutzobjekt «wesentlich beeinträchtige», urteilt jetzt das Verwaltungsgericht im Fall Langmatt.

Das schwach geneigte Dach des Schulhauses Langmatt in Witikon wäre ideal für Photovoltaik geeignet.
Das schwach geneigte Dach des Schulhauses Langmatt in Witikon wäre ideal für Photovoltaik geeignet.
Foto: Wikimedia Commons (Micha L. Rieser)

Das Schulhaus Langmatt in Zürich-Witikon, erbaut in den Dreissigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, wirkt nicht auf den ersten Blick wie ein architektonisches Denkmal. Eher unscheinbar sehen die lang gezogenen, eingeschossigen Gebäude mit den grossen Dachziegelflächen aus. Doch gemäss dem Inventar der schutzwürdigen Bauten handelt es sich hier um einen «frühen Zeugen des neuzeitlichen Schulbaus im Sinn der klassischen Moderne». Und nicht nur im städtischen Inventar ist das Schulhaus verzeichnet, sondern auch im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (Isos) – in der höchsten Kategorie für Einzelobjekte.

Die grossen, schwach geneigten Dachflächen würde das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) noch so gern für sein boomendes Angebot Solarzüri mit Fotovoltaikpanels überziehen. Solarzüri ermöglicht es seit 2014 Mietern in der Stadt, selbstständig in eine Solaranlage zu investieren: Finden sich genug Private, die jeder ein paar Quadratmeter Panels finanzieren, so wird die entsprechende Anlage gebaut. 19 solche Fotovoltaikgrossanlagen auf städtischen Liegenschaften wie Werkhöfen und Schulanlagen hat EWZ in den vergangenen Jahren erstellt.

Bereits 18 Anlagen gebaut

Seit Ende 2018 aber sind keine neuen Anlagen mehr dazugekommen. Alle drei für den nächsten Ausbauschritt vorgesehenen Solarkraftwerke befinden sich auf Gebäuden mit Schutzcharakter, weshalb der Entscheid des Verwaltungsgerichts von Anfang Monat einschneidende Folgen haben dürfte: Es hat gemäss NZZ den Entscheid des Baurekursgerichts gestützt, das auf einen Rekurs des Zürcher Heimatschutzes hin fand, die Stadt habe «zu wenig abgeklärt, ob das Denkmalschutzobjekt durch die Solaranlagen beeinträchtigt werde».

Dabei sind Solaranlagen auf bestehenden Gebäuden keine grosse Sache mehr. In den vergangenen Jahren wurden zur Förderung von grünem Strom auf verschiedenen politischen Ebenen administrative Hindernisse abgebaut: Auch wenn sich ein Gebäude im kommunalen Inventar der schützenswerten Bauten befindet, ist ein aufwendiges Baubewilligungsverfahren nicht nötig. Eine Meldung ans Bauamt genügt.

Neubeurteilung nötig

Bei Gebäuden, die sich im Inventar von Kanton und Bund befinden, ist aber weiterhin eine herkömmliche Baubewilligung einzuholen. Wenn eine Solaranlage das Schutzobjekt allerdings «nicht wesentlich beeinträchtigt», wird diese Bewilligung auch erteilt. Dies hat im vorliegenden Fall die Bausektion des Stadtrats am 30. April 2019 getan. Ihre Bewilligung hat das Baurekursgericht allerdings wieder aufgehoben. Auf den Rekurs des Zürcher Heimatschutzes hin befand es, die Stadt habe den entscheidenden Punkt zu wenig abgeklärt, ob nämlich das Denkmalschutzobjekt durch die Anlagen beeinträchtigt werde. Diesen Entscheid, gegen den die Bausektion der Stadt rekurriert hatte, hat nun auch das Verwaltungsgericht gestützt (Urteil VB.2019.758 vom 8. 4. 20.) Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Zwar gibt es zur Frage der Beeinträchtigung eine Stellungnahme der städtischen Denkmalpflege, diese sei aber «ausgesprochen knapp» ausgefallen, urteilte das Verwaltungsgericht. Es brauche zusätzliche Abklärungen und einen formellen Bericht, um die Frage der Qualität klar beantworten zu können. Die Sache ist damit an die Stadt zur detaillierten Abklärung zurückgewiesen.

17 Kommentare
    Marina Zingg

    Unglaublich diese These zu vertreten, wir müssen soviel wie möglich Sonnenenergie gewinnen.

    Dieses Gremium braucht dringend Nachhilfe Unterricht bezüglich den Auswirkungen des Klimawandels im 21. Jahrhundert.