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Eishockey-Saison 2020/21Der Appell an die Intelligenz

Die ZSC Lions blicken auf eine Spielzeit mit vielen, vielen Fragezeichen. Am 1. Oktober beginnt die spezielle Saison 2020/21.

Zeit, endlich wieder Eishockey zu spielen: Trainer Rikard Grönborg an der Medienkonferenz der ZSC Lions.
Zeit, endlich wieder Eishockey zu spielen: Trainer Rikard Grönborg an der Medienkonferenz der ZSC Lions.
Foto Andy Müller/freshfocus

Los geht es erst in zwei Wochen, doch die ZSC Lions haben bereits eine Art ersten Höhenflug hinter sich. Im 31. Stock des swissotel in Oerlikon orientierten sie am Dienstagnachmittag über die kommende Saison im Meeting-Raum «Davos» – betont nicht des Namens, sondern der Aussicht wegen. Höhenflug und der ZSC? Da war doch was. Das letzte Spiel, am 29. Februar, bevor Corona kam, es war der 4:1-Sieg gegen Zug im leeren Hallenstadion, er bescherte den Zürchern den Qualifikationssieg – doch statt Playoff war alles vorbei.

Hätte alles im zehnten Meistertitel der Clubgeschichte gegipfelt? Solche Gedanken verfolgten die Lions noch im März. «Ich versuche eigentlich stets, nur vorwärts zu blicken», sagt Trainer Rikard Grönborg. «Aber ich denke, dass ein Gefühl da war, vor allem bei den Spielern, dass wir etwas verpasst hatten. Wir hatten 6 der letzten 7 Spiele gewonnen, unsere Leistungen schienen zur richtigen Zeit auf dem Peak zu sein.»

Doch dann kamen die ersten Hiobsbotschaften, plötzlich war Eishockey nur noch ein Nebengedanke. Wie es Stürmer Chris Baltisberger sagt: «Du lernst unter diesen Umständen zu schätzen, was wirklich wichtig ist.» Und irgendwann, als die spielfreie Zeit immer länger, die Zukunft immer ungewisser wurde, kam bei Captain Patrick Geering auch diese Einsicht: «Trotz aller Umstände wurde mir noch mehr bewusst, wie gerne ich mache, was ich am liebsten mache: Mit den Jungs zusammen Eishockey spielen.»

Fragezeichen auch rund um die Champions Hockey League

Die Lions blicken wie alle Teams auf eine Saison der Ungewissheiten. Wobei sie in einem Bereich kleinere Challenges bewältigen müssen als die Gegner. 7012 Saisonkarten hat der ZSC bislang verkauft, das ist fast perfekt, denn die Lions werden mit dem Corona-Konzept nur noch 7500 Leute ins Hallenstadion lassen können. Andere Clubs haben bereits mehr Karten verkauft, als Platz in der Halle ist. Nächste Woche wollen die Zürcher ihre Zuschauer im Detail informieren, wie ein Matchbesuch im Hallenstadion in Corona-Zeiten möglich sein wird. Was schon feststeht: Jeder Zuschauer wird nebst Ticket und Ausweis auch noch auf einer App einen QR-Code vorweisen müssen.

Ungewiss bleibt dennoch einiges. Die Lions spielen nebst Meisterschaft und Cup auch in der Champions Hockey League. Und in der CHL sind viele Fragen offen, die unterschiedlichen Einreisebestimmungen in all den Ländern der teilnehmenden Teams bieten Herausforderungen. Im November soll es losgehen, doch schon gestern schied ein Team freiwillig aus: Da in Grossbritannien wegen Corona die ganze Saison abgesagt wurde, werden die Cardiff Devils auch bei der CHL nicht antreten. «Das Wichtigste ist darum die Meisterschaft, wir wollen in die Top 4 und im Playoff mindestens in den Halbfinal», formuliert Zahner die Zielsetzungen. Doch auch er weiss, dass auch in der National League Fallen lauern: «Was passiert, wenn Spieler in Quarantäne müssen? Oder ganze Teams?»

Im Zeichen Coronas: Social Distancing auch bei der Vorsaison-Medienkonferenz der ZSC Lions.
Im Zeichen Coronas: Social Distancing auch bei der Vorsaison-Medienkonferenz der ZSC Lions.
Foto Andy Müller/freshfocus

Spieler und Trainer versuchen, diese Gedanken von sich fernzuhalten. Weil sie ihm nichts bringen würden, wie Grönborg sagt: «Und weil sie mich stören würden bei der Arbeit mit der Mannschaft.» Das Privileg in dieser speziellen Konstellation sei für Spieler und Trainer, dass sie «bloss Eishockey spielen» müssten. «Und wir müssen Vorbilder sein.» Der Club habe keine Verbote erlassen, doch die Mannschaft habe ihre eigenen Regeln aufgestellt, sagt Grönborg. Captain Patrick Geering nennt ein Beispiel: «Wir müssen intelligent sein. Zum Beispiel uns nicht in Clubs und Bars herumtreiben, um dann dort irgendetwas aufzuschnappen.»