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Brisanter VorschlagDer Bund soll Gemüse anstatt Fleisch subventionieren

Ein Teil der Direktzahlungen soll stärker oder vollständig auf pflanzliche Produkte ausgerichtet werden, fordert Jürg Grossen, Präsident der Grünliberalen. Der Bauernverband hat kein Verständnis dafür.

Der Gemüseanbau soll stärker gefördert werden: Nüsslisalat-Ernte auf einem Feld  in Unterstammheim.
Der Gemüseanbau soll stärker gefördert werden: Nüsslisalat-Ernte auf einem Feld in Unterstammheim.
Foto: Thomas Egli

Der grünliberale Politiker aus dem Berner Oberland weiss um die Brisanz seines Vorschlags und beteuert, er wolle keinen Krieg zwischen Fleischessern und Vegetariern anzetteln: «Es geht nicht gegen den Fleischkonsum als solchen, aber die bisherige Nahrungsmittelproduktion ist zu stark auf diesen ausgerichtet.» Trotzdem hat der parlamentarische Vorstoss, den Jürg Grossen diese Woche eingereicht hat, grosse Sprengkraft.

Gut fürs Klima

Ins Visier genommen hat der Vegetarier die sogenannten Versorgungssicherheitsbeiträge. Diese sind ein wichtiger Teil der Direktzahlungen, 1,1 Milliarden Franken der insgesamt 2,8 Milliarden Franken gehen jährlich auf ihr Konto. Grossen fordert eine stärkere oder vollständige Ausrichtung dieser Beiträge auf die pflanzliche Produktion. Dies im Namen der Umwelt, der Gesundheit und des Klimas. Die pflanzliche Ernährung habe vor allem bezüglich der Klimabilanz entscheidende Vorteile, so Grossen: Es brauche weniger Boden und weniger Wasser. Ohne Beitrag der Ernährung seien die Klimaziele nicht zu erreichen, zumal die Ernährung 20 bis 30 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen ausmache.

Der Bauernverband kann nicht viel anfangen mit dem Vorschlag des GLP-Präsidenten. Die Beiträge zur Versorgungssicherheit seien flächengebunden und würden heute schon vor allem dem Pflanzenbau zugutekommen, betont Sandra Helfenstein vom Bauernverband. Der von Grossen verlangte Eingriff setzt explizit beim Basisbeitrag an. Den vollen Betrag von 900 Franken pro Hektare erhalten die Bauern nur dann vollständig ausbezahlt, wenn diese Dauergrünflächen auch von einer bestimmten Anzahl Tieren benutzt werden. Ansonsten wird der Beitrag gekürzt. Auf diesen Flächen, welche vor allem in den Hügel- und Berggebieten vorkommen, könne gar nichts anderes angebaut werden, entgegnet Helfenstein. Deshalb sei eine Nutzung durch Tiere auch ökologisch sinnvoll.

Hoher Fleischkonsum

Der Fleischkonsum eines durchschnittlichen Schweizers beträgt jährlich rund 50 Kilogramm. Ein Viertel der Nahrungsmittelausgaben wird hierzulande für Fleisch aufgewendet, mehr als für Obst, Gemüse, Kartoffeln und Pilze zusammen: Insgesamt sind das weit über 400000 Tonnen Fleisch und Fleischprodukte pro Jahr. Viel zu viel, sind sich Ernährungs- und Umweltwissenschaftler einig. Ideal wäre ihrer Ansicht nach etwa 20 Kilogramm pro Person.

Während der Fleischkonsum in den letzten Jahren leicht rückläufig war, nimmt der Verzehr von Gemüse zu. In den letzten zwei Jahrzehnten stieg der jährliche Konsum um ein Viertel auf über 80 Kilogramm Frisch- und Lagergemüse an. Etwas mehr als die Hälfte davon war Schweizer Gemüse, der Rest Importgemüse. Die bedeutendsten Gemüsekantone der Schweiz sind Bern, Zürich und Aargau.