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Chaotische Trainersuche beendetDer FCB verpflichtet Ciriaco Sforza

Der 50-jährige Aargauer unterschreibt beim FC Basel einen Zweijahresvertrag und bringt auch gleich den Assistenten mit. Sforza gilt als guter Ausbildner – mit Schwächen in der Kommunikation.

Ciriaco Sforza macht es: Er unterschreibt beim FC Basel einen Zweijahresvertrag als Trainer.
Ciriaco Sforza macht es: Er unterschreibt beim FC Basel einen Zweijahresvertrag als Trainer.
Foto: Claudia Minder (Freshfocus)
Der 50-jährige Wohler beerbt Marcel Koller, der zwei Jahre beim FC Basel tätig war und einmal den Cup gewann. Am Sonntag kann Koller gegen YB den zweiten Titel holen.
Der 50-jährige Wohler beerbt Marcel Koller, der zwei Jahre beim FC Basel tätig war und einmal den Cup gewann. Am Sonntag kann Koller gegen YB den zweiten Titel holen.
Marc Schumacher/freshfocus
Als Trainer ist Sforza die deutlich kleinere Nummer als zu seiner Zeit als Fussballer. Er gewann mit Kaiserslautern und den Bayern die Bundesliga, mit den Münchnern gar die Champions League (hier rechts von  Mehmet Scholl, der den Pokal stemmt).
Als Trainer ist Sforza die deutlich kleinere Nummer als zu seiner Zeit als Fussballer. Er gewann mit Kaiserslautern und den Bayern die Bundesliga, mit den Münchnern gar die Champions League (hier rechts von Mehmet Scholl, der den Pokal stemmt).
freshfocus
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Der Name Ciriaco Sforza machte in den Sozialen Medien schon seit Tagen die Runde. Allerdings eher als Scherz, so richtig glauben wollte niemand, dass der 50-jährige Aargauer tatsächlich Trainer des FC Basel wird. Am Mittwoch vermelden die Basler, dass sie mit Sforza einen Zweijahresvertrag unterschrieben haben.

Der FCB ist Sforzas sechste Station als Trainer, die vierte in der Super League. Beim FC Luzern, den Grasshoppers und dem FC Thun stand er 186 Mal in der höchsten Liga an der Seitenlinie, er gewann 58 Mal und durchschnittlich 1,16 Punkte pro Spiel. Diese Werte beeindrucken nicht. Aber Sforza hat bewiesen, dass er ein guter Ausbildner für junge Spieler ist; dafür eilt ihm der Ruf eines Kommunikators mit Schwächen voraus.

Weil er als Spieler die Champions League und mit zwei verschiedenen Vereinen die Bundesliga gewonnen hat, bringt er das Quäntchen Weltfussball mit, das sich gut macht in der Welt des Bernhard Burgener, der sich grosse Marken und ein wenig Glamour wünscht. Vielleicht hat sich der FCB-Präsident auch deswegen mit Sforza im Club de Bâle getroffen. Dort sollen sie den Deal eingefädelt haben, so zumindest will es die kleine Legende, die sich schon jetzt um diese Trainerwahl rankt.

Seit April 2019 war Sforza in der Challenge League beim FC Wil engagiert gewesen, nach fast vier Jahren ohne Trainerjob. Sforza besass eine Ausstiegsklausel für die Super League, die entweder den FC Basel oder möglicherweise ihn selbst rund 300’000 Franken kosten soll. Zudem kassiert er einen Bruchteil jener geschätzten 1,2 Millionen Franken, die Marcel Koller beim FCB als Jahres-Fixsalär ausgehandelt hatte.

Mit der Anstellung Sforzas endet eine Trainersuche, die in die Wirren des Vereins passen. Alex Frei galt lange als Favorit für den Job, schon im Februar war er ein erstes Mal deswegen kontaktiert worden. Anfang August hatte er dann – wenige Wochen nach seinem Antritt als U21-Cheftrainer – von Sportdirektor Ruedi Zbinden einen Vertragsvorschlag erhalten. Diesen interpretierten CEO Roland Heri und Club-Besitzer als Alleingang Zbindens, worauf der Sportdirektor Mitte August über die Medien ankündigte, per Ende Saison von seinem Amt zurückzutreten und wieder als Chefscout arbeiten zu wollen.

Wieder ein bisschen GC für den FCB

Ab diesem Moment war für Frei klar, dass er als Cheftrainer unter der aktuellen Clubführung nicht mehr in Frage kommt. Zumindest nicht kurzfristig. Frei kündigte per sofort, der FCB muss sich einen neuen U21-Trainer suchen – und Ruhe im Verein sowieso.

Neben Sforza sollen auch Markus Weinzierl oder Alexander Zorniger im Gespräch gewesen sein, und Luzerns Trainer Fabio Celestini lag parallel zu Frei ein konkretes Angebot vor. Jetzt wird also Sforza Trainer in Basel, aus Wil nimmt er den Liechtensteiner Daniel Hasler als Assistenten mit.

Sforza ist der dritte Trainer in der Ära Burgener, nach Raphael Wicky und Marcel Koller. Der neue Cheftrainer hat den gleichen Berater wie Koller. Und die gleiche GC-Vergangenheit, sowohl als Spieler als auch als Trainer.

33 Kommentare
    John Stratton

    Auch diese "Zweckehe" Burgener-Sforza wird zum Scheitern verurteilt sein. Beim FCB dominieren seit über 50 Jahren Grössenwahn und Vergangenheitsverklärung. Eine sehr arrogante Augenwischerei für Klub, Umfeld, Fans und Öffentlichkeit gleichermassen. Abgesehen davon, dass man die alten Erfolge auch nicht mehr zurück holen kann, weil die Vergangenheit abgeschlossen ist. - Glauben die am Rheinknie wirklich, dass nur ihr Chemie-Klub alleinigen Anspruch drauf hat, Meister zu werden? - Das steht nirgends geschrieben! - Es wird endlich Zeit, dass auch in Basel nur noch kleine Brötchen gebacken werden. Wunschdenken und Realität klaffen viel zu weit auseinander. Weil der FCB seine Spielräume vollkommen überreizt hat, machen sich jetzt dort auch Übersättigung und Überhitzung breit, aller Erfolge zum Trotz. Der FCB muss seine Klubphilosophie komplett ändern. Zurück zum Normalmass, mehr Bescheidenheit, mehr gesundes Augenmass, mehr Realitätssinn, Schluss mit der Vergangenheitsverklärung, Schluss mit dem Grössenwahn, Schluss mit überrissenen Zielsetzungen und Schluss mit der Arroganz, die sich seit der Ära Helmut Benthaus (1965 - 1982, 1985 - 1987) sehr breit gemacht hat. Der FCB soll nur mal so richtig unten durch gehen, damit auch dort endlich die Vernunft einkehrt. Es geht mir nicht um Missgunst, aber darum, dass man nicht alles nur für sich alleine haben kann. - Das ist die brutale Wahrheit, die man vor lauter rot-blauer Verblendung nicht wahr haben will, und eben sehr wohl doch muss!