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Tipps für SchneeschuhläuferDer ideale Sport für den Corona- Winter

Schneeschuhlaufen könnte in diesem Jahr in der Schweiz einen Boom erleben. Sieben Fragen und Antworten zu den Touren in der verschneiten Natur.

Ein Schneeschuhwanderer in den Freiburger Alpen.
Ein Schneeschuhwanderer in den Freiburger Alpen.
Foto: PD

Droht diesen Winter Dichtestress auf Schweizer Schneeschuhpfaden?

Jan Steiner, Brand-Manager Engadin St. Moritz Tourismus, hegt keine Befürchtungen: «Im Gegensatz zum Sommer, als sich Wanderer und Biker oft die gleiche Infrastruktur teilten, ist die Situation im Winter ganz anders. Schneeschuhtrails verlaufen in aller Regel abseits von Wanderwegen.» Und Christian Gressbach, Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus, ergänzt: «Wenn sich eine Destination wie die unsrige schon früh mit Schneeschuhlaufen profiliert hat und heute über 20 Trails anbieten kann, bleibt die Auswahl gross genug. Die Nutzer verteilen sich.»

Wo gibt es diese Saison neue Routen?

Schweiz Mobil schaltet Ende November 19 neue Schneeschuhtrails online auf, vorwiegend in Graubünden und im Wallis. Im Bündnerland locken etwa der Rätikon-Panoramatrail (Stels–St. Antönien) oder der Senda da l’uors von Fuldera nach St. Maria. Im Wallis der Guggistafel-Trail im Lötschental oder der Panoramatrail Gibidum ob Visperterminen. Florian Frey, Content-Manager Winter bei Schweiz Tourismus, empfiehlt den bereits im Corona-Sommer vermehrt praktizierten Sprung über den Röstigraben, um unbekannte Reviere zu entdecken: «Die Freiburger Voralpen sind dank 40 Trails prädestiniert für das Schneeschuhlaufen.» Während bei Schweiz Mobil auch im dritten Jahr seit der Schaffung des Winterangebots erst knapp 200 Trails aufgelistet sind, kommunizieren die drei privaten Organisationen Global Trail, Schneeschuh-Verband Schweiz und Sentiers Raquettes ein mehr als doppelt so grosses Netz. Und auf dem Kartenwerk Snowtrailmaps und der deutschen Plattform Outdooractive ist die Trailauswahl nochmals umfangreicher.

Warum werden die Angebote nicht vereinheitlicht?

Lukas Stadtherr von Schweiz Mobil erklärt: «Bei der Lancierung des Winterangebots war klar, dass wir kein vollständiges Routennetz wie jenes vom Velo- oder Wanderland abbilden können. Denn nationale Datensätze für Winterrouten fehlen. Deshalb beschränken wir uns bis auf weiteres auf eine Best-of-Auswahl. Die Branche sieht die privaten Organisationen als willkommene Ergänzungen, weil sie gute Arbeit in den Regionen leisten. Eine Vereinheitlichung der Angebote ist aber in Sicht: Im Frühjahr wurden Schneeschuhlaufen und Winterwandern der fachlichen Hoheit der Schweizer Wanderwege unterstellt.

Weshalb braucht es so viele Trails?

Reinhard Lutz, Schweizer Schneeschuhpionier und Herausgeber des ersten Schneeschuhführers: «Für die vielen Neueinsteiger bieten die Trails die nötige Sicherheit und Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln. Routinierten Schneeschuhwanderern aber bereiten diese «Trampelpfade» weniger Spass als eine eigene Trapperspur. Man muss sich aber bewusst sein, dass eine Schneeschuhtour nie ein Spaziergang ist. Man sollte nicht nur Karten und Tourenführer studieren, sondern auch das Gelände lesen und allfällige Gefahren frühzeitig erkennen können.» www.skitourenguru.ch

Braucht es angesichts des wachsenden Trailnetzes überhaupt noch geführte Touren für Schneeschuhläufer?

Sowohl Jürg Haltmeier von Berg + Tal als auch Markus Zürcher, Gründer von Weit Wandern, die in den 90er-Jahren zu den ersten Veranstaltern von geführten Touren zählten, halten einleuchtende Argumente bereit:
«Wir haben uns aus mittleren Höhenlagen, die nun mit Trails bestückt sind, zurückgezogen», sagt Altmeier. «Dafür konzentrieren wir uns nun auf alpine Touren, die zunehmend eine neue, jüngere Kundschaft finden.» Und Zürcher ergänzt: «Trails sind für die Kanalisierung sinnvoll. Doch wer beim Schneeschuhlaufen auf den Geschmack kommt, will bald mehr.» Im Gegensatz zu Skitourenläufern, die sich zumeist eine solide Grundausbildung angeeignet hätten, fehle den meisten Schneeschuhgängern die Sicherheit. Zürchers Unternehmen vermittelt Basiswissen in einem Wochenendkurs. Auch Berg+Tal, Höhenfieber und der SAC bieten Ausbildungskurse an.

Wie viel kostet eine Ausrüstung?

Schneeschuhe gibts mittlerweile im Supermarkt. Lukas Imhof, Einkaufsleiter bei Bächli Bergsport, empfiehlt die Anschaffung hochwertiger Modelle: «Markenprodukte sind fast unverwüstlich.» Für gute Schneeschuhe muss man mit 260 bis 350 Franken rechnen. Die führenden Anbieter haben jüngst mit neuen Bindungen für besseren Komfort gesorgt. Die für den Sport unumgänglichen Winterschuhe kriegt man ab 180 Franken. Zur Not tun es für den Start aber auch normale Wanderschuhe. Imhof: «Eigentliche Schneeschuhmodelle bieten eine wintergerechte Isolation und einen höheren Schaft.» Bei den Stöcken seien auch Skitouren- oder Wandermodelle brauchbar. Bei Letzteren ist es unumgänglich, von Gummispitzen auf Teller mit Stahlspitzen zu wechseln. Imhof rät zu einem baldigen Kauf. Nachdem im Sommer und im Herbst Wanderschuhe vielerorts ausverkauft waren, rechnet der Fachmann nun auch bei Schneeschuhen mit Lieferengpässen. In den Wintersportdestinationen kann man die Ausrüstung in Sportgeschäften, an Talstationen und in Hotels mieten.

Sind Schneeschuhläufer eine Belastung für die Tierwelt?

Vor zehn Jahren lancierten der SAC und der Bund die Kampagne «RespekTiere deine Grenzen». 2016 entstand daraus der Verein Natur & Freizeit. Dessen Geschäftsführer Reto Solèr sagt: «Mit der ursprünglichen Kampagne konnte die Sensibilisierung gesteigert werden. Heute stehen nicht nur vereinzelte Mahntafeln an Waldrändern, sondern die Wildruhezonen und -schutzgebiete sind auf allen offiziellen Kartenwerken vermerkt.» Mit dem Slogan «Schneesport mit Rücksicht» sollen die Zielgruppen noch direkter angesprochen werden.

14 Kommentare
    Markus Mächler

    O nein...ganze Familie raus aus dem SUV oder Camper und rein in die Wildnis. Alles was bis anhin lärmig am Skilift, Piste und Hütte rummachte, nun zwischen Tännchen und an unberührten Schneehängen. Gott bewahre, mir wird schlecht. Es ist so als stampfte eine Wildtierherde durch der Schneeschuhläufers Wohnung.